Blick über den Tellerrand

In Kalifornien ist noch immer das Wasser knapp. Sehr knapp. Deshalb hat der Gouverneur des Staates Städte und Gemeinden angewiesen, den Wasserverbrauch um 25% zu senken, und zwar innerhalb eines Jahres. Eine durchaus lobenswerte Sache, allerdings scheint Mr. Brown bei seinen Anweisungen die Landwirtschaft vergessen zu haben. Dumme Sache, denn die verbraucht nicht nur zuviel Wasser, wie alle Kalifornier, sondern davon auch noch gute 80% im Land.
Deshalb hat diese Anweisung zu Protesten geführt.
Wie immer auch zu Protesten, die an abgrundtiefer Blödheit nicht zu überbieten sind. Da beschweren sich Friedhöfe darüber, daß die Angehörigen von ihnen würdevolle Gestaltung verlangen und deshalb grünes Gras erwarten auf einem Friedhof. Ich würde ja Sanddünen erwarten auf einem Friedhof in Kalifornien, wenn ich da ehrlich bin, vielleicht noch mit so einem Longhorn-Rinderschädel aus Plastik als Grabstein.
Auch die Agrarindustrie meckert rum, da der Herr Gouverneur wohl auch vorgeschlagen hat, doch mal Pflanzen anzubauen, die weniger Wasser benötigen.
Das stört natürlich den freien Markt – was immer das denn genau sein soll – und führe zu ,,unerwünschten ökonomischen Nebenwirkungen.“
Netter kann man ein ,,Scheiß auf die Realität, wir wollen weiter Profit machen“ nicht ausdrücken.
Nun ja, vielleicht bringt es ja was, Umweltschutzmaßnahmen zu lockern oder mehr Dämme zu bauen oder zu beten. Das sind die bisher mit Abstand am häufigsten propagierten Gegenmaßnahmen gegen die Dürre, die gar keine ist.Ich hatte das hier  schon mal kurz erwähnt.
Ein sehr lesenswerter Bericht findet sich bei National Geographic unter dem Titel „When the snows fail“, den ich nur jedem sehr empfehlen kann. Zumindest diese Jungs stellen direkt am Anfang des Artikels fest, daß es sich eben nicht um eine Dürre handelt, sondern die ganze Sache viel tiefer reicht – im wahrsten Sinn des Wortes. Lesen!

In Frankreich muß die Regierung ihre Wachtumsprognose nach unten korrigieren. Unser westlicher Nachbar wird also auch dieses Jahr und wohl auch im nächsten das 3%-Kriterium aus den Maastricht-Verträgen nicht einhalten können. Tja, bedauerlich. Europa zuckt mit der Schulter und verlängert den Franzosen das europäische Visum, hat man ja bei Deutschland auch immer gemacht in den 90ern. Griechenland ist währenddessen immer noch pleite und sucht inzwischen selbst in russischen Sofaritzen nach Geld. Die Franzosen müssen jetzt aber einen Reformplan vorlegen, uiuiui – ob die demnächst auch eine Troika erdulden müssen?
Und wie heißt die dann eigentlich auf Französisch? Die drei Musketiere?

Der IWF stellt derweil fest, daß irgendwie weltweit das Wachstum in einer Dauerkrise zu stecken scheint. Nachdem man bereits letztes Jahr im November und dieses Jahr im Januar pessimistisch war, ist man es jetzt noch mehr. Selbst mit dem aktuell ja offiziell als niedrig einzustufenden Ölpreis scheint dieses verdammte Wachstum nicht so recht aus dem Quark zu kommen. Was beunruhigend ist, denn eigentlich hatten Kassandra und ich auch mit eben diesem Belebungseffekt gerechnet.
Als Lösung empfiehlt der IWF sinnigerweise…mehr Wachstum.
Ok, eigentlich empfiehlt er nur, ,,Wachstumsbremsen zu lockern.“
Heißt also, statt vielleicht mal auf die Straße zu achten und auf die Bremse zu treten, sollen wir noch mehr Gas geben. Ich begrüße diesen Plan ausdrücklich.

Die Zeit hat einen guten Artikel gebracht, in dem auf drei neue Bücher verwiesen wird, die demnächst erscheinen und die sich mit Dingen jenseits des Wachstums beschäftigen.
Der IWF wird übrigens nächste Woche seinen ,,World Economic Outlook“ vorlegen. Ich bin sehr sicher, daß auch hier wieder viel von Wachstum die Rede sein wird.
Kassandra wird sich in den nächsten Wochen mit dieser Thematik auseinandersetzen und dieses seltsame Dingsbums namens Wachstum und Fortschritt mal etwas näher beleuchten.

Kassandra wagt auch hier einfach mal eine Prognose: Das Wachstum wird nicht wiederkehren. Die Versuche, das zu analysieren, werden sich häufen und in vielen Fällen auf der völlig falschen Fährte sein.
Die Stimmen, die irgendwem die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben versuchen, werden lauter werden, schriller und hysterischer. Bald. Sehr bald.

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