Blick über den Tellerrand

Der Bürgermeister der größten Stadt im US-Bundesstaat Mississippi, der Hauptstadt Jackson, glaubt allen Ernstes, man könne Schlaglöcher in Straßen mit Gebeten bekämpfen und das natürlich erfolgreich.
Ich frage mich ja ernsthaft, wie irgendwelche Vollidioten immer wieder auf solche Ideen kommen. Wäre ich Gott, ich hätte einfach zuviel damit zu tun, mich um das Universum zu kümmern. Sonnen explodieren lassen, auf dem einen oder anderen Planeten mal ansagen ,,Let there be Evolution“, um den wissensbefreiten Kreationisten was zum Aufregen zu geben und solche Sachen. Aber Schlaglöcher? Echt jetzt?
Da würde ich den bekloppten Bürgermeister doch beim nächsten öffentlichen Auftritt publikumswirksam mit einem ordentlichen Blitz platzen lassen und dann mit unsichtbarer Hand in Blut an die Wand schreiben: ,,Erhöht die Steuern für die Reichen, ihr Penner. Wählt nicht immer so korrupte Arschlöcher und versucht es mal mit Instandhaltung. Das hilft!“ Amen, Brüder Und Schwestern.

In der Weltwirtschaft geht derweil auch alles seinen guten alten Gang, das Wachstum springt uns förmlich über den grünen Klee davon und…nein, Moment…falscher Planet.
In Wirklichkeit ziehen Investoren Summen in Billionenhöhe aus den ,,emerging markets“ ab, also den Börsen der Schwellenländer. Also das, was zu meiner Schulzeit die ,,Zweite Welt“ war, aber das darf man ja heute nicht mehr sagen. Drum schreibe ich es halt.
Auf jeden Fall sind in den letzten 13 Monaten 940 Milliarden Dollar an Investitionen aus den 19 größten Schwellenländern abgezogen worden.
Erst vor knapp zwei Wochen hatte China seinen Yuan nach den vorangegangenen massiven Börsenverlusten im Land deutlich abgewertet, die Talfahrt ging aber trotzdem weiter, nur langsamer. Jetzt befürchtet man für Deutschland und Europa weniger Exporte nach China und die Abwertung anderer Währungen wie des braslianischen Real, was auf einen Währungskrieg hinauslaufen könnte.
Infolgedessen hat sich auch der DAX, das deutsche Börsentier, wieder mal erkältet und ist gefallen, auf deutlich unter 11.000 Punkte nämlich. Auch der Dow Jones, also das amerikanische Börsentier, fiel mal endlich unter die 17.000 Punkte. Meines Erachtens sind die Amis damit ja immer noch 7000 Punkte zu hoch bewertet und der doofe DAX könnte ruhig mal auf 5000 fallen, das würde in etwa den Realitäten entsprechen. Aber wer interessiert sich in Börsenkreisen für die Realität?*

Kalifornien. Hitze. Dürre. Staub. Immer noch. Inzwischen sind in einigen Gegenden die Brunnen trockengefallen und die Einwohner hängen an der Flasche.
Aber jetzt sinkt sogar der Boden ab, was der verstärkten Entnahme von Grundwasser an allen Ecken und Enden geschuldet ist. Laut Satellitenbeobachtungen der NASA mit der beeindruckenden Geschwindigkeit von 5 Zentimetern – und zwar pro Monat.
In geologischen Begriffen ist das verheerend, ganz besonders, weil dadurch natürlich die zukünftige Wasserleitfähigkeit der betroffenen Grundwasseradern zurückgeht. Klar, weniger Platz, weniger Wasser. Am stärksten betroffen ist wohl das California Aqueduct, das die Landwirtschaft im südlichen Central Valley mit Wasser versorgt. Das Ganze wird verstärkt durch den Klimawandel, sagt eine weitere Studie. Wird wohl Zeit, von Mandeln auf Agaven umzusteigen in der Gegend, wenn man da schon Landwirtschaft betreibt.

Auch woanders ist Wasser knapp, nämlich in Brasilien. Also, das Brasilien mit dem Amazonas und so. Scheinbar hat die fortschreitende Entwaldung was damit zu tun, wer hätte das gedacht. Auch der Klimawandel ist wieder mit im Spiel.
Wie ich neulich schon schrieb: Nur langsamer Wälder abholzen als vorher macht die halt immer noch nicht größer. Wie es einer der Beteiligten im verlinkten Artikel ausdrückt:

“Of course, we need agriculture,” he said. “But without trees there would be no water, and without water there is no food.“

Ökologische Regelkreisläufe für Dummies, könnte man sagen. Ist aber für Politiker wohl immer noch zu hoch. Ich finde, Brasiliens Präsidentin könnte sich am Gouverneur von Florida ein Beispiel nehmen. Der hat nämlich schon vor ein paar Monaten verboten, den Begriff ,,Klimawandel“ in seinem Bundesstaat zu benutzen. Nein, nicht Nordkorea – Florida.
Das ist der Bundesstaat der USA, der von heftigeren Stürmen und auch nur moderat steigendem Wasser so schnell betroffen sein wird wie wohl kein anderer. Aber nun ja, wenn ich die Augen zumache, kannst du mich natürlich nicht sehen, jedes Kind weiß das. Die Benutzung des Begriffs ,,Nachhaltigkeit“ wurde übrigens gleich mit untersagt. Und in China zensieren sie das Internet und haben keinen youtube-Zugriff, deswegen sind die böse. Vielleicht sollte der Mann mit seinem Kollegen aus Jackson zu gemeinsamen Gebeten aufrufen. Ich wette, es ist nur eine Frage der Zeit, bis so was in den USA tatsächlich passiert.

Rußland hat derweil keinen Bock mehr auf hohe Temperaturen und schickt Schiffe in die Arktis, da ist es schön kühl. Noch, jedenfalls. Der Flottenverband soll da mal rumrepräsentieren und den russischen Anspruch auf die Bodenschätze festklopfen, die man da vermutet. Vermutet, wohlgemerkt! Mitbewerber um zukünftige Krisen rund um die Ausbeutung dieser Vermutungen sind derzeit die USA, Kanada, Norwegen und Dänemark.

Außerdem haben die Russen sich schon wieder Land unter den Nagel gerissen. Nicht in der Ukraine, sondern im Pazifikraum. Putins Vorgänger und Marionette Medwedew hat mal eben per Verordnung den Festlandsockel Rußlands vergrößert und somit auch die Fläche, auf die das Land Anspruch erheben kann.
Natürlich hat das nichts mit dem Streit mit den Japanern um dort vorhandene Rohstoffe zu tun. Die sind aber dann doch vorhanden, nicht vermutet. Ich wußte noch gar nicht, daß man Länder mal per Verordnung vergrößern kann. Wieso hat den Amis das keiner gesagt, da hätte man sich den ganzen Streß im Irak doch sparen können. Und der IS könnte aufhören, Leute zu köpfen, die müßten nur den Planeten per Verordnung zu ihrem Hoheitsgebiet erklären und alles wäre in Butter.

Im sonnigen – und trockenen –  Spanien weigert sich die Zentralregion Kastilien, Wasser an die Mittelmeerprovinzen weiterzuleiten. Denn sie haben selber nicht genug von dem Zeug. Nur falls jemand dachte, das mit der Trockenheit wäre ein Problem anderer Kontinente. Übrigens sind das auch die Mittelmeer-Regionen Spaniens, die unter Quadratkilometern Plastikfolie liegen und lecker Tomaten und Broccoli für deutsche Supermärkte züchten. Augen auf beim Gemüsekauf, sage ich da nur!

In Großbritannien hat in der Zwischenzeit Mr Cameros schöne neue Welt weiter Form angenommen. Plädiert man dort auf unschuldig und das Gericht entscheidet anders, werden die Zwangsgebühren für die Tätigkeit des verknackenden Gerichts eventuell um den Faktor 10 erhöht. Das führt jetzt dazu, daß gerade arme Menschen vor Gericht eher Dinge zugeben, die sie gar nicht getan haben, um zu verhindern, daß die Gerichtskosten völlig unbezahlbare Höhen erreichen. Ich bin so froh, daß die EU die westlichen Werte verteidigt. Rule, Britannia!

* Update: Die aktuellen Turbulenzen an den Börsen weltweit waren zum Zeitpunkt der Textentstehung – also gestern – noch nicht so turbulent. Sieht nach Geldvernichtung aus im Moment. Kapitalismus, fuck yeah!

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