Lieb Vaterschland, magst unruhig sein

Ich habe mal einen afghanischen Schneider kennengelernt, der nach Deutschland geflüchtet ist. Er mußte seine Heimat verlassen, dieses seit 35 Jahren von Bürgerkriegen und Stellvertreterkriegen zerrissene Land, weil er es gewagt hat, sich in eine Frau zu verlieben, die dummerweise Christin ist. Was an sich vielleicht noch keinen Streß verursachen würde. Aber dieser Mann ist vom Islam zum Christentum übergetreten, um diese Frau heiraten zu können. Denn das Christentum verlangt natürlich, daß beide Ehepartner Christen sind. Ich hatte mal eine katholisch erzogene Freundin, dank derer ich mich etwas ausführlicher mit dem Katholizismus beschäftigt habe. Was soll man sonst tun, um sich auf ein Frühstück mit Eltern vorzubereiten, die einen nicht mögen und die beide katholische Religion unterrichten?
Jedenfalls kam mir da unter, daß ich selber zum katholischen Christentum hätte konvertieren müssen, wenn ich meine Freundin hätte ehelichen wollen. Aber das hätte ohnehin nicht funktioniert, denn ich war zu diesem Zeitpunkt zwar erst sechsundzwanzig, aber bereits ein geschiedener Mann. Und natürlich dürfen Geschiedene heute ja nicht noch einmal heiraten. Als wäre ich ein byzantinischer Kaiser und das würde irgendwen interessieren.

Diese Nebengeschichte erzähle ich nur, falls jemand irgendwelche Anmerkungen über die Intoleranz des Islam machen möchte. Ich persönlich halte mal überhaupt nichts von einem Gott, der mir vorschreiben möchte, wen ich wann heiraten darf oder auch nicht und wann ich denn jetzt meine Freundin wie zu vögeln habe – oder auch nicht. Das geht jeden Gott – mit Verlaub – einen Scheißdreck an, denn ich bin es, der geil auf meine Freundin ist und nicht Gott. Soll der alte Spanner sich einen Porno reinziehen, da gibt es genug von im Internet. Auch 1996 war das durchaus machbar, außerdem ist Gott ja allmächtig und so. Egal, welchen Namen er so trägt. Und falls Gott doch geil ist auf meine Freundin, gibt es entweder gepflegt eins in die Fresse von mir oder einen Dreier – kommt drauf an.
Mit diesen Grundhaltungen war ich natürlich bei den Eltern meiner damaligen Herzensdame enorm beliebt, das sollte recht klar sein. Meine erste Erfahrung mit religiösen Fanatikern stammt somit eindeutig aus Südhessen. Und es waren Christen. Aber weil ihre Tochter so eine großartige Frau ist und sich auch als lernfähig erwiesen hat – da darf sich jetzt jeder was dabei denken – ist sie die einzige meiner Ex-Damen, mit der ich noch gelegentlich Kontakt habe. Freundschaftlichen vor allem. Weil sie einfach sie ist.

Doch zurück zum afghanischen Schneider. Dieser Mann erzählte also, daß er zum Christentum konvertiert sei, um die Frau heiraten zu können, die er liebt. Das klingt jetzt unwahrscheinlich romantisch und im Grunde genommen ist es das auch.
Aber es ist dummerweise im Islam auch ein todeswürdiges Verbrechen. Das steht jetzt nicht direkt im entsprechenden heiligen Buch, dem Koran, ergibt sich aber wohl aus dem, was im Islam Hadith heißt. Das sind offizielle Sammlungen von Spüchen des Mohammed, also des ursprünglichen Mohammed, der mit dem Prophet-des-Herrn-Diplom im 7. Jahrhundert.
Da werden also Dinge aufgeführt, die der Mann gesagt hat oder gesagt haben soll. Außerdem Dinge, die er gemacht hat oder gemacht haben soll. Dummerweise ist das nun schon ein paar Tage her und was einer so gesagt oder gemacht hat, unterliegt dann manchmal doch starker Legendenbildung, der Korruption oder schlicht dem Wunschdenken des jeweiligen Schreibers oder der Person, die den Text gerade beim Schreiber bestellt hat. Da kann man bei Konfuzius nachschlagen. Oder auch bei Mao.

Jedenfalls gibt es offiziell keine Todesstrafen in islamischen Ländern für den „Abfall vom Glauben“, so weit ich das weiß. Klingt mittelalterlich, ist aber ein Ausdruck, den christliche Historiker sicherlich kennen. Aus dem Mittelalter.
Aber dieser Schritt kann auf jeden Fall zivilrechtliche oder strafrechtliche Konsequenzen haben. In Afghanistan bekommt man eventuell Besuch einiger Aufklärer der Taliban, so auch der afghanische Schneider.
Was wiederum der Anlaß für ihn war, sich so schnell wie möglich aus seinem Land zu entfernen. Einem Land, das er trotz allem als Heimat betrachtet. Das Empfinden von Heimat ist nämlich unabhängig von Bürgerkriegen, klimatischen Annehmlichkeiten oder sächsischem Dialekt.
Ich kann in Worten gar nicht beschreiben, wie mich dieser stille Mann mit seinen silbrigen Strähnen im dunklen Haar beeindruckt hat, als er seine Geschichte erzählte. Wie beschissen mutig muß man eigentlich sein, um so etwas zu tun?
Er erzählte in einem leisen, etwas nuscheligen Deutsch, denn natürlich ist so jemand niemand, der in einer Gruppe seine Stimme erhebt, schon gar nicht in einer Fremdsprache. Dieser Mensch wollte hier in Deutschland einfach nur wohnen und als Schneider arbeiten, in seinem gelernten Handwerk. Er wollte sicher sein können, daß ihn niemand verfolgt, weil er eine Entscheidung getroffen hat, die nur seinem Gewissen und seinen Gefühlen entsprungen war.

Früher, viel früher, lernte ich mal einen Arzt kennen. Oder besser, meine Mutter brachte den Mann mit nach Hause. Ich weiß nicht, ob das ein reiner Höflichkeitsbesuch war oder ob da mehr lief. Ich war damals fünfzehn, wenn ich mich recht erinnere, und eindeutig zu sehr mit meinen Hormonen beschäftigt, als daß ich mich für das Liebesleben meiner Mutter interessiert hätte. Überhaupt ist man da ja in einem Alter, in dem einem erst kurz vorher klar geworden ist, daß Eltern so etwas wie ein Liebesleben gehabt haben müssen, sonst wäre man selbst gar nicht da. Eltern, die Sex haben – widerliche Sache. Aber das ist ein Trauma, durch das wir alle durch müssen, da macht man nichts dran.

Auf jeden Fall war der Name dieses Mannes Kalili. Doktor Kalili kam aus Syrien. Auch sein Deutsch war irgendwie nuschelig, ich nehme an, das hat mit den jeweiligen Muttersprachen zu tun bei den beiden Herren. Und auch er sprach recht leise und gesetzt, was vermutlich eben mit der Fremdsprache zu tun hat. Deutsch als Fremdsprache gilt als drittschwerste der Welt, habe ich mal irgendwo gelesen. Später natürlich, damals noch nicht.
Jedenfalls kochte der Doktor aus Syrien irgendetwas mit Auberginen und es schmeckte durchaus fantastisch. Ein sehr netter, gebildeter und höflicher Mann. Dieser Mann wurde etwas später von seiner Regierung unter Assad – dem Vater des jetzigen Volksbombardierers – nach Hause zurückgerufen. Denn er mußte seinen Wehrdienst ableisten, damals waren das drei Jahre. Im Krankenhaus wurde dieser Schritt allenthalben bedauert, von Patienten und Personal. Auch der Doktor selbst hatte nicht die geringste Lust, in sein Geburtsland zurückzukehren.
Aber es gab keine Möglichkeit, den Doktor aus Syrien in Deutschland zu behalten, denn auf Asyl konnte er sich nicht berufen. Natürlich stand auf das Verweigern des Wehrdienstes in Syrien damals eine strafrechtliche Konsequenz, aber das ist offiziell keine politische Verfolgung und auch kein Asylgrund. Denn im Deutschland Mitte der 80er war ja die Abschaffung ähnlicher Paragraphen noch nicht besonders lange her. So etwas wie eine „Gewissensprüfung“ für Dienstverweigerer galt damals sämtlichen Wählern der Union als Landesverrat und sämtlichen Grünen als erster Schritt zur Abschaffung der deutschen Armee. Wie sich die Zeiten doch geändert haben seitdem.

Doktor Kalili eröffnete dann später eine Klinik in seinem Land. Eine Kinderklinik, soweit ich das weiß. Er hat geheiratet und selber fünf Kinder, von denen die ältesten etwa im Alter meines Sohnes sein müssen, also ungefähr Mitte Zwanzig.
Es war eine Kinderklinik, die sich aus öffentlichen Spenden gespeist hat. Am Stadtrand von Damaskus. Ich denke in letzter Zeit sehr oft an den netten Mann, der so gut kochen konnte und wohl ein ausnehmend guter Mediziner war. Oder besser, ist, zumindest hoffe ich das inständig.
Ich weiß nicht, was der Bürgerkrieg mit ihm und seiner Familie gemacht hat. Gibt es das Krankenhaus noch? Steht er auf einer Seite in diesem verworrenen Konflikt? Ist einer seiner Söhne womöglich beim regulären syrischen Militär und ein anderer nicht? Ich weiß es nicht. Alle diese Dinge entziehen sich meiner Kenntnis. Aber ich hoffe, daß alle da unten wohlauf sein mögen.

„Multi-Kulti“ ist nichts als ein politisches Schlagwort. Entweder kommt man mit anderen Leuten klar oder nicht. Ein persönlicher Überblick.

Schon in meiner Grundschulzeit gab es eine junge Dame, die Kalinowski hieß mit Nachnamen. Später, auf dem Gymnasium, gab es eine, die hieß Makowski mit Nachnamen. Ich mochte sie sehr, habe mich aber nie getraut, das irgendwie rüberzubringen. Sie war blond, blauäugig und ausnehmend hübsch. Und sie sah irgendwie aus wie zwölf, als wir in der zehnten Klasse waren. Ein quasi sehr zierlich gebautes Modell. Außerdem hatte sie was im Kopf unter den langen blonden Haaren. Ich mochte kluge Frauen schon immer, eine große Schwäche von mir.
Dann gab es da noch einen Martin, dessen Nachnamen ich hier nicht aufschreibe, weil mir das nach der Zeit nicht mehr fehlerfrei gelingen würde und der von unserem gemeinsamen Lateinlehrer immer falsch ausgesprochen wurde. Absichtlich, wie wir alle wußten. Denn Martin und unser Lateinlehrer standen massiv auf Kriegsfuß, nicht nur sprachlich. Ich sage es mal recht pauschal – ich stand nicht auf Kriegsfuß mit dem Mann, denn ich war groß, blond und habe helle Augen. Unserer Lateinlehrer war ein mieser Altnazi, sonst nichts. Außer Lateinlehrer, das konnte er. Dieser Mann trug immer Bücher mit sich in den Unterricht, die er aber nie aufschlug. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern.
Martins Nachname war ebenso vage östlich-polnisch wie der der beiden -owskis aus meinen anderen Schulzeiten. Überhaupt gab es in der Zechensiedlung unseres Städtchens eine Menge derartiger Klingelschilder.
Unsere persönlichen Besatzer der alliierten Kriegssieger damals im Ruhrgebiet waren wiederum keine Amerikaner oder Franzosen, sondern Engländer. Auch nette Leute. Und sie wohnten da, um offiziell andere Leute zu besetzen, deren Vorfahren wohl aus dem deutschen Osten vertrieben worden waren, damals, als der Krieg zu Ende ging. Denn sowohl Martin als auch die -owskis waren natürlich keine Polen, sondern Deutsche. Außer vielleicht für manche Lateinlehrer.
Meine Oma väterlicherseits war auch eine von denen, die aus dem Osten flüchten mußten, mit soviel Sack und Pack, wie man noch tragen konnte, bevor die Sowjets mit ihrer Roten Armee anrückten. Zum Glück schaffte sie es, sowohl meinen Opa mitzubringen als auch meinen Vater, denn ansonsten wäre ich jetzt ebenfalls nicht hier.

Obwohl ich ein Vierteljahrhundert nach Ende diese verdammten Scheißkriegs geboren wurde, war ich in meiner Umgebung zu Jugendzeiten irgendwie von den Folgen dieses Konflikts umgeben. Ich bin dadurch in einer irgendwie multikulturellen Umgebung augewachsen, wie man das heute nennen würde. Damals waren das Kumpels und Freunde. Das ist eine aufsteigende Rangfolge, für die jüngeren Mitleser. Das ist so etwa der Unterschied zwischen „friend with benefits“ – so nennt man ja heute Fickbeziehungen, wie ich mir das einmal habe erläutern lassen – und „gefriendzoned auf dem Smartphone“.
Das sind dann die Typen, die sich immer die Sorgen der Frauen anhören müssen, während er ein Bier und sie eine Flasche Sekt oder Wein trinkt und sich dabei über ihren Partner ausweint, um danach erholt und entspannt wieder zu eben diesem zurückzukehren. Und während der zurückbleibende psychologische Müll vom männlichen Zuhörer mit einigen weiteren Bieren heruntergespült werden muß, läßt sich die Friendzone schon wieder vom Partner mit Versöhnungssex beglücken, der soll ja am besten sein.
Es gibt also auch heute Menschen wie mich und die anderen. Manche Dinge sind zeitstabil. Auf jeden Fall gab es damals zur sonstigen Mischpoke meiner Jugendzeit auch noch diverse Italiener dazu und andere Völkerscharen, auch die eine oder andere türkische Fraktion war bereits vorhanden. Ruhrgebiet halt.

Jetzt ist es gerade mal etwas über ein Vierteljahrhundert her, daß dieses Land, in dem ich aufgewachsen bin, unterging. Einfach so, sang- und klanglos, verschwand es von der Landkarte. Urplötzlich tauchten auf der Wetterkarte hinter der Betonfrisur des Moderators so Städtenamen auf wie Leipzig und Dresden und urplötzlich war Berlin nicht mehr so seltsam kruschelig zerschnitten auf der Karte. Die Halbstadt war plötzlich eine Ganzstadt geworden.
Damals wurden Nachrichten noch nicht ausschließlich von Frauen verlesen, das mußten noch die Männer erledigen. Auch in der Zeit bin ich also aufgewachsen.

Bananenrepublik Deutschland, Ostteil. 3. Oktober 2016. Im 12. Jahr der Regierung von Königin Merkel.

Die Einheit wird gefeiert. Unter Glockengeläut und Chorgesang ziehen die geladenen Staatsgäste in die Dresdner Frauenkirche ein. Es ist Festakt zum 3. Oktober, Deutschlands Nationalfeiertag.
Ausgerechnet Sachsen ist dieses Jahr der Gastgeber des Spektakels, denn es ist immer das Bundesland an der Reihe, das gerade die Präsidentschaft im Bundesrat ausübt. Die Götter des föderalen Prinzips haben es für amüsant befunden, in diesem Jahr Sachsen zu erwählen.
Doch die Gäste können sich nicht so recht freuen. Denn aus nicht besonders großer Ferne klingen Trillerpfeifen durch die leicht regnerische Stimmung. Dresden, 19 Grad, Nieselregen. Die Kanzlerfrisur sitzt.

Seit nunmehr zwei Jahren folgen in diesem Bundesland irgendwelche Personen, die geistig doch einen stark angeschlagenen Eindruck hinterlassen, einem mittelmäßigen Kriminellen mit Vorstrafenregister, der schon einmal vor deutschen Behörden ins Ausland geflüchtet ist und gerne von Bühnen herunter erzählt, daß man kriminelle Ausländer sofort aus dem Land weisen muß. Sprich mal einer vom Humor der Geschichte oder einer gebrochenen Erwerbsbiographie.
Auf jeden Fall standen die Pegidioten© also auch gestern wieder da, wie ja immer am Montag, und protestierten.
Einige hielten aus mir unbegreiflichen Gründen Schilder hoch, auf die sie ihre Adresse geschrieben hatten: „Merkel-Muß-Weg“. Komische Straße. Auch keine Hausnummer dabei, aber ich vermute, die meisten dieser Gestalten wohnen in Haus 18 und Haus 88. Ansonsten gab es viel Rumgegröhle. Darunter so freundliche Dinge wie „Volksverräter“.

German Chancellor Angela Merkel stands besides German President Joachim Gauck prior the service in the Frauenkirche cathedral (Church of Our Lady) in Dresden, eastern Germany, Monday, Oct. 3, 2016. Germany celebrated the 26th anniversary of its reunification with festivals, concerts and parades across the country. (AP Photo/Jens Meyer)
Bild 1: Irritiert blicken Kanzlerin und Präsident auf die seltsame Menschenmenge, die vor dem Staatsakt in der Dresdner Frauenkirche seltsame Dinge ruft. Interessanterweise durften die Demonstranten auf ein paar hundert Meter herankommen. Beim G20-Treffen hätte es das nicht gegeben. (AP Photo/Jens Meyer) via Spiegel Online

Ich bin persönlich nun eindeutig kein Fan der deutschen Bundeskanzlerin, Angela der Alternativlosen. Ich halte sie für eine oft sehr ahnungslose Machtpolitikerin, die der Last des Regierens seit nunmehr elf langen Jahren erfolgreich ausweicht und es hinkriegt, dies als entschlossenes Handeln zu verkaufen.
Ich mag auch den Bundespräsidenten nicht, den Pfarrer Joachim Gauck, der noch immer so Reden ans gesamtdeutsche Volk hält, als stünde er auf der Kanzel einer Kirche und als hätte die Deutsche Bank oder das ifo-Institut seine Skripte geschrieben. Ich halte diesen Mann für einen Fassadentypen. Ein Täuscher, der in den letzten Tagen der friedlichen Revolution, die die sogenannte Deutsche Demokratische Republik in den Orkus der Geschichte geblasen hat, auf den längst fahrenden Zug aufsprang und sich danach als Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde einen viel zu großen Namen machen konnte, der weit über seine Persönlichkeit hinausgeht.
Herr Gauck ist ein mittelmäßig aufgeblasener Schwätzer mäßiger Rhetorik, der Occupy-Demonstranten und andere Menschen, denen die Globalisierung die Zukunft stiehlt, in neoliberaler Wirtschaftsherrlichkeit schon als „lächerlich“ bezeichnet hat. Mein Präsident ist der Mann auf keinen Fall.
Ebensowenig habe ich Frau Merkel jemals gewählt. Oder ihre unselige Partei, die übrigens seit 26 Jahren in Sachsen die Regierung stellt und jetzt so tut, als habe sie mit den ganzen faschistischen Arschlöchern wie der Pegida oder den kopfkranken Bewohnern solcher trüben Inzestnester wie Freital, Clausnitz, Heidenau oder Bautzen nicht das Geringste zu tun.
In Deutschlands Osten, ausgerechnet in der Stadt, die damals am Entstehen der Montagsdemonstrationen maßgeblich beteiligt war, zeigte sich gestern sehr deutlich, daß mit einigen Menschen eben kein Staat zu machen ist.

Damit meine ich nicht die Bundeskanzlerin und auch nicht den Bundespräsidenten. Obwohl ich deren Politik und politische Aussagen für größtenteils verfehlt oder schwammige Heuchelei für den eigenen Machterhalt halte, käme ich nie auf die Idee, diese Menschen als „Volksverräter“ zu beschimpfen. Oder mir einzureden, dieses Land hier sei eine „Merkel-Diktatur“.
Wie man sich da hinstellen kann, zwischen renovierte Semper-Oper und wiederaufgebaute Frauenkirche, einem echten Symbol von Deutschlands neuer Einheit, und einen derartigen Mist in den verregneten Tag hinauspöbeln, bleibt mir unbegreiflich.
Hinter Absperrgittern stehen da Leute, die es für eine Einschränkung ihrer Meinungsfreiheit halten, wenn es nicht ihre Meinung ist, die von der Politik umgesetzt wird. Aber bitte sofort natürlich.
Diese Leute mit den Schildern mit dem Wort „Diktatur“ drauf wollen genau das: Eine Diktatur. Nur wollen sie eben die Diktatoren sein und die Politik hat zu springen. Das tut sie aber nicht. Immerhin ist Frau Merkel berüchtigt als Platinmedaillengewinnerin für politische Pirouetten, nicht für ihre Leistungen beim Springen, und außerdem hat sich die Kanzlerin vor ein paar Jahren beim Skifahren den Arsch gebrochen. Da also die Politik keinesfalls springt, sind die kleinen Meinungsdiktatoren hinter den Zäunen beleidigt.
Sie sind frustriert und beleidigt darüber, daß da andere Menschen aus anderen Ländern in unseres kommen und das denen dann auch noch geholfen wird. Mit Geld womöglich auch noch. Denn natürlich steht dieses Geld nach Meinung der Demonstranten vor allem den Demonstranten zu. Denn die haben es geschafft, hier in Deutschland geboren zu werden und nicht in Eritrea, dem Sudan oder eben Afghanistan. Diese Lebensleistung muß selbstverständlich mit Gold aufgewogen werden, einleuchtend.

Auch hört man gerne von diesen Protestierern, daß ihnen ja auch niemand je geholfen hätte. Nun, wenn ich mir diese Leute so ansehe, kann ich das durchaus nachvollziehen. Ich würde denen auch nicht helfen wollen. Außer beim Verlassen des Landes oder dem eigenen Ableben. In diesem Falle würde ich mit hilfreichen Tips gern zur Seite stehen, keine Frage.
Derartige Aussagen kommen von Menschen, die Kindergeld bekommen für ihre unselige Brut. Die tatsächlich glauben, die miesen Leistungen ihrer Sprößlinge lägen an der Tatsache, daß es zu wenige Lehrer gibt und nicht etwa daran, daß die Kinder eben genetisch Pech gehabt haben. Ein Spruch aus meiner Kindheit besagte: „Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen.“ Stimmt.
Ein guter Teil dieser Menschen bekommt eine Rente, die alle Jahre bis zum Zusammenbruch der DDR als Einzahlung in die jetzt gesamtdeutsche Rentenkasse berücksichtigt und berücksichtigen wird. Alleine dieses Geschenk an den Osten kostet eine ganze Menge. Vom Umtausch des damaligen Pappgeldes, der lächerlichen Ostmark, zum Kurs von 1:1 reden wir da mal gar nicht.
Alle diese Menschen, das korrekte Alter vorausgesetzt, hatten vor 26 Jahren nichts anderes zu tun, als möglichst schnell die Wiedervereinigung haben zu wollen.
Heute stehen sie da und stänkern rum und sind mit allem unzufrieden. Ganz besonders ist nichts von dem, was in ihren beschissenen kleinen Leben nicht zufriedenstellend verlaufen ist, ihre eigene Schuld. Es sind immer die anderen. Aliens. Fidschis – das ist der Kosename für vietnamesische Gastarbeiter im Osten. Und natürlich Politik. Die von Frau Merkel besonders. Weltverschwörungen werden da ausgebrütet, um das eigene Versagen zu entschuldigen und das eigene kleingeistige Weltbild als prophetische Vision einer glorreichen Zukunft zu verkaufen. Dabei ist es ein sich auflösender Plattenbau im Regen. Unrenoviert und unbeheizt. Aber diesen Leuten hat ja nie jemand geholfen.

Schon bei der Wahl des Nationalfeiertags waren Deutschlands Politiker zu feige und selbstgerecht. Sehr symbolisch für das Land.

Jetzt bin ich weit davon entfernt, die deutsche Einheit als gelungenes Projekt zu bezeichnen. Derartig viel Selbsttäuschung bekäme ich auch nach der dritten Flasche Wein nicht bin. Heute bin ich in einem Stadium, in dem ich es nicht einmal bis zur dritten Flasche schaffen würde, um ganz ehrlich zu sein. Was aber ganz gut ist. Saufen ist was für die Jüngeren. Kater auch.
Die ganze Einheitsfeierei ist ein einziger verlogener Akt in meinen Augen. Das geht schon mit dem Feiertag selber los. Warum zur Hölle waren wir nicht mutig genug, den 9. November als Nationalfeiertag zu wählen?
Diesen Vorschlag gab es durchaus, aber Helmut Kohl und seine Schergen waren damals für diesen Schritt einfach zu feige. Dem Historiker Kohl war dieser Tag geschichtlich zu kompliziert.
Am 9. November 1918 verkündete Philip Scheidemann vom Fenster des Reichstagsgebäudes die „Deutsche Republik“ und die Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. Wenig später verkündete Karl Liebknecht die „Deutsche Sozialistische Republik“, vom Stadtschloß in Berlin.
Heute, im wiedervereinigten Deutschland, hat der Reichstag diese neue Glaskuppel und das Stadtschloß soll wieder aufgebaut werden.
Am 9. November 1923 putschten Hitler und Ludendorf in München und versuchten, die demokratische Regierung der Weimarer Republik zu stürzen. Im Gegensatz zu heutigen sächsischen Polizisten eröffneten die damaligen Ordnungshüter das Feuer und töteten mehrere Putschisten.
Hitler bedauerlicherweise nicht, der wanderte in komfortable Festungshaft und konnte in aller Ruhe dieses Buch schreiben, das in gewissen Kreisen heute noch als quasi heilig verehrt wird. Ein unsägliches Pamphlet, das der Menschheit besser erspart geblieben wäre. Wie der ganze Zweite Weltkrieg auch, der zu der Welt führte, in der ich aufgewachsen bin.
Am 9. November 1938, der erwähnte Herr Hitler wird bald seinen Krieg beginnen, erreicht die sogenannte „Reichskristallnacht“ ihren Höhepunkt.
Während der November-Pogrome brennen überall in Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte, jüdische Stadtviertel. Nachdem sich der Rauch verzogen hat, will es keiner gewesen sein. Tatsächlich werden die Pogrome eingestellt, weil die öffentliche Meinung zu kippen droht. Den Menschen gefallen die inszenierten Ausschreitungen der Nazis nicht.

Eben dieser Tag wäre für Deutschland einfach perfekt gewesen als nationaler Feier- und Gedenktag. Für mich als Deutschen gibt es keinen Tag, der geschichtsträchtiger sein könnte als dieser. Denn auch die Berliner Mauer fiel am 9. November 1989. Nicht am 3. Oktober.
Die Einigung dieses meines Landes beginnt bereits mit einer bequemen politischen Lüge. Die bittere Wahrheit ist, die Einigung ist bis heute eine bequeme Lüge geblieben. Die Gesellschaft war noch niemals einig oder geeint, seitdem man die Konkursmasse der DDR per feindlicher Übernahme eingesackt hat und die Siegesfahnen des Kapitalismus geschwenkt hier bei uns im Westen.

Die angebliche Flüchtlingskrise ist lediglich ein Katalysator, um uns genau das vor Augen zu führen. Die ganzen Nazis, die Aber-Nazis, die Trotzdem-Nazis und die Eben-doch-nicht-Nazis, die Pegidioten©, die Grenzzaunzieher, die Fremdenhasser und die sogenannten Konservativen, die ja nur Schwule irgendwie verdächtig finden – dieses ganze Gemisch ist nicht vom Himmel gefallen in den letzten Monaten. Die waren alle schon vorher da.
Kurt Biedenkopf, gefühlte dreihundert Jahre Ministerpräsident von Sachsen nach dem Zusammenbruch des maroden Betonkommunismus, brachte in den 90er Jahren ernsthaft den Spruch

„Die sächsische Bevölkerung hat sich als völlig immun erwiesen gegenüber den rechtsradikalen Versuchungen.“

Schon damals dachte ich bei mir: „Wenn das so ist, warum mußt du dann so einen Spruch zur Rechtfertigung überhaupt bringen?“
Schon damals hörte ich gelegentlich das Kichern von Erich Honecker in meinem geistigen Ohr und seine Fistelstimme, die ich als Westkind von den Fernsehübertragungen zum Maifeiertag oder dem Gründungstag der DDR kannte. Dieses sich überschlagende, mit zitternder Empörung vorgebrachte „antifaschistischer Schutzwalllll.“ Die „L“ sind besonders wichtig. Was Honecker uns nur niemals verraten hat, ist, daß sich ein Großteil der Faschisten eben auf der östlichen Seite der Grenze befand. Der alte Gauner hat uns jedesmal verarscht, wenn er den Spruch gebracht hat.
Bedauerlicherweise hatte die DDR immer am 7. Oktober Geburtstag. Wäre es doch mal der dritte gewesen, dann wäre das niemals der neue Nationalfeiertag geworden.
Nun ist die Mauer seit 27 Jahren weg. Die anderen Grenzen seit sechsundzwanzig. Der antifaschistische Schutzwall existiert nicht mehr und wir müssen uns wohl oder übel mit dem Gedanken vertraut machen, daß Entnazifizierung eine Frage des Zeitpunkts ist, nicht etwa eine Frage des Zeitraums.

Bananenrepublik Deutschland. Überall. o4. Oktober 2016 AD. Immer noch im 12. Regierungsjahr von Königin Merkel.

Jetzt, sechsundzwanzig Jahre danach, in diesem beginnenden Herbst des Jahres 2016 AD, dem beginnenden zwölften Jahr der Herrschaft von Königin Angela der Alternativlosen, brauchen wir Deutsche noch immer ein neues Land. Oder vielmehr, wir brauchen ein neues Denken in den Köpfen. Denn das Land ist nun mal da und ist so, wie es ist, dafür kann es nichts.
Jetzt wird irgendwelchen „Konservativen“ ganz urplötzlich klar, daß ihr Weltbild von Frauen am Herd und Ehemännern im Puff womöglich gar nicht mehr realistisch ist. Weltuntergang!
Den anderen wird klar, daß es in Deutschland Ausländer gibt und einige von denen sogar qualifizierte Jobs haben und der Neger halt Chefarzt im Krankenhaus ist und nicht Schuhputzer am Bahnhof. Weltuntergang!
Dann vergleichen sie das mit ihrem armseligen Leben und sind stinksauer. Das waren diese Leute auch schon vorher, aber jetzt ist natürlich die Gelegenheit, da mal so richtig die Frustsau rauszulassen.
Und dann sind da eben die Gaulands, Störche, Petrys und Höckes, die rumschreien, daß Veränderung automatisch auch Gefahr bedeutet und das Angst deshalb das einzig erlaubte Gefühl ist.

Der Stein im See wirbelt den Schlamm auf. Jetzt können wir nicht mehr so tun, als gäbe es den Schlamm gar nicht. Danke an alle Zugeflüchteten dafür. Diese ganzen pöbelnden Typen an Dresdner Absperrungen von gestern sind wie die Maden in der Legende, die alle in einer Nußschale leben und sie für die ganze Welt halten, das ganze Universum. Bis dann die Schale eines Tages aufbricht und sich die ganze Größe der äußeren Welt für die Maden-Philiosophen und die Maden-Politiker und die Maden-Sofahocker offenbart. Und dann sterben die alle, weil sie den Schock nicht aushalten.

Was auf Dresdens Straßen gestern zu hören war, war kein Klassenkampf oder so was wie Deutsche gegen Ausländer. Was hier stattfindet, auch und gerade unter dem Banner der AfD, ist ein Kulturkampf. Gerade eben erst haben die Unionsparteien wieder einmal ein Papier zur sogenannten Leitkultur rausgehauen.
Ausgerechnet die sächsische CDU und die bayerische CSU wollen diesen schwachsinnigen Mist wieder aufwärmen, über den sie sich schon seit Jahren den Kopf zerreden. Hätten diese Parteien mal denselben Enthusiasmus an den Tag gelegt, als es darum ging, vielleicht mal ein Einwanderungsgesetz für Deutschland zu kreieren, hätte es gestern womöglich eine wesentlich nettere Einheitsfeier gegeben.

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Bild 2: Ein Bild vom Zuhause des Blogautors. Da irgendwo so wohne ich. Nördlich der Alpen und östlich des Rheins. Auf dem Kontinent da. Europa heißt er. Man beachte die erstaunliche Tatsache, daß es auf dieser Darstellung gar keine Linien gibt, die andere Menschen nicht überschreiten sollen dürfen.

Aber Politiker, in deren Köpfen noch immer Osten und Westen leben, die selber aus einer Welt stammen, die noch viel fremder ist als die Welt, in der ich aufgewachsen bin, haben für das heutige, das neue Deutschland, keine wirklichen Lösungen zu bieten. Viele dieser politisch tätigen Menschen haben noch nicht einmal die Fähigkeit oder den Willen, überhaupt ein Problem zu erkennen.
Ebensowenig wie die ganzen Nazis, Aber-Nazis, Trotzdem-Nazis und Eben-doch-nicht-Nazis, die in Dresden rumpöbeln oder woanders, erst in den letzten zwölf Monaten von Aliens aus dem Orbit abgeworfen worden sind, sondern schon immer da waren, sind aber auch die anderen da.
Menschen wie ich. Menschen, die einfach die Schnauze voll haben von der extremen Rechten, der extremen Linken, den Verkündern des globalisierten Totalkapitalismus und den Beschwichtigungen zunehmend peinlicher Politiker, die behaupten, daß alles gut wird, wenn man nur die alte Magie weiter beschwört.
Menschen wie der afghanische Schneider. Menschen wie der syrische Doktor. Menschen, die nach bestem Wissen und Gewissen das tun wollen, was sie gut können oder was sie gelernt haben. Im Idealfalle verbindet sich natürlich beides. Menschen, die einfach ihre Ruhe haben wollen und das, was alle anderen auch wollen, auch die Rumpöbler mit ihren widerwärtigen Haßreden: Sicherheit.

Sicherheit im ganz allgemeinen Sinne. Nicht diesen totalitären Überwachungsstaat-Scheiß, mit dem der deutsche Innenminister jetzt wieder ankäme bei diesem Pawlow’schen Stichwort. Oder die Sicherheit, die sich nur mit Gewalt und Menschenverachtung durchsetzen läßt. So wie das, was die Pegidioten© in allen Bundesländern gerne den restlichen 79,95 Millionen als die einzig wahre Lebensweise aufdrücken wollen, weil was anderes nicht in ihre tumben Schädel paßt.

Nein, die Doktoren und Schneider wollen ein Land haben ohne Krieg, Bomben, Verwüstung, Blut und Terror. Ein Land, in dem man zum Bäcker gehen und nicht nur Brötchen kaufen kann, sondern auch auf dem Hin- und Rückweg nicht befürchten muß, von einem Heckenschützen erledigt zu werden.
Im Gegensatz zu den Haßpöblern, die Deutschland gerne mal in derartige Bürgerkriegszustände hineinreden möchten, kann ich nur sagen: Glückwunsch! Wir leben bereits in einem solchen Land.
Ich gehe hier seit Jahren über die Straße, kaufe ein, fahre mit dem Rad durch die Gegend und niemand hat bisher versucht, mich zu erschießen.
Gut, daß heißt nicht, daß mancher Autofahrer nicht eventuell gewünscht hätte, mich zu erschießen. Weil der Autofahrer mal wieder zu grottendämlich war zu begreifen, daß da eben ein Fuß- und Radweg nebeneinander über die Straße führen und daher die Vorfahrt eindeutig mir auf meinem Drahtesel gebührt und er sich der Geduld zu befleißigen hat. Stattdessen wird mir mit Hausfrauenstimme ein herzhaftes: „Fußgängerweg, Arschloch!“ hinterhergekeift.
Ach ja, Verkehrsregeln. All das hätte man lernen können, wäre der Führerschein nicht aus einem Überraschungsei gefallen.
An der Stelle ist der deutsche Autofahrer nicht anders als der gemeine Feld-Wald-und-Wiesen-Nazi: Bevor er zugibt, daß er in der Realität halt keine Vorfahrt hat, wird er gewalttätig. Menschliches Verhalten ist manchmal so durchsichtig.
Nur geschossen hat eben keiner. Die Anzahl der möglicherweise tödlichen Anschlagsversuche auf mich oder meine Umgebung liegt seit 46 Jahren bei exakt Null. Ich beschwere mich sogar bei der Politik, die es geschafft hat, gerade mal wieder alle Verkehrsschilder im Schilderwald Deutschland zu überarbeiten, aber immer noch keins zu haben, das da besagt: „Achtung! Rad- und Fußweg kreuzt die Straße. Brems oder stirb, oh Benutzer fossiler Vehikel!“
Gibt es noch immer nicht, das Schild. Aber deswegen organisiere ich keine Demos oder miete mir gleich eine Wohnung im Merkel-Muß-Weg 88.

Wenn ich meinen Wasserhahn benutze, habe ich manchmal schon ein schlechtes Gewissen, daß da sauberes, gut überwachtes, bedenkenlos trinkbares Dihydrogenoxid aus der Leitung strömt. Überall in diesem Land. Mal mehr und mal weniger kalkhaltig, ja. Aber es strömt. Sauber. Zuverlässig. Da ändert mein schlechtes Gewissen gar nichts dran und das ist auch gut so.
Ich bin sodann in der Lage, Tee in dieses Wasser zu tauchen, der von weither kommt, aus einem fernen Land namens Indien. Noch so eine Brutstätte für Ausländer vermutlich, in der es kein anständiges Sauerkraut gibt. Außerdem vergewaltigen die da ständig Frauen. Seltsamerweise habe ich noch niemals einen der biodeutschen Haßpöbler darüber ein Wort verlieren hören. Solange deutsche Frauen von deutschen Männern betatscht werden, an Karneval oder am Oktoberfest, ist die Welt ja in Ordnung. Bei den angeblichen No-Go-Areas, in denen die Polizei nicht auftaucht, ist es genauso. Wären das alles Deutsche, die diese ganzen Verbrecherkartelle leiten und verwalten, wären die Biodeutschen vermutlich zufrieden.

Es hat keinen Sinn, sich Sachsen und seine Nazis weiter schönzureden. Man kann Hundescheiße noch so lang mit Glitzer bestreuen. Sie bleibt Hundescheiße.

Ich bin durchaus schon mal mit Menschen aneinandergeraten in diesem Land. Wegen meiner Weltanschauung, die ich gerne auch mal vernehmlich zu äußern beliebe. Ganz besonders, wenn mir jemand mit intellktuell unerträglichem Mist ans Bein zu pinkeln versucht und sich dabei auch noch benimmt, als hätte er die Bildung mit Löffeln gefressen.
Es kann gut sein, daß mir jemand widerspricht oder mich auslacht oder so. Möglicherweise beschimpft er mich sogar. Aber das ist eben Meinungsfreiheit und ich weiß das. Meinungsfreiheit bedeutet eben nicht, daß meine Meinung kritiklos hingenommen werden muß, von der Politik sofort umgesetzt oder gar immer mit Applaus bedacht.
Wer einer schlichten Nerv-Tussi mit modischer Geschmacksblindheit wie Claudia Roth von den Grünen vorwirft, sie wirke mit an der „Vernichtung des deutschen Volkes“, darf nicht mit meinem Verständnis rechnen. Solche Leute gehören in die Psychatrie, und zwar zügig, bevor das eskaliert.
Generell ist Meinungsfreiheit aber toll. Ich kann Herrn Erdogan einen verkappten Diktator mit psychologisch bedenklichem Gottkomplex nennen oder einen Innenminister wie Thomas de Maizière als das verlogenste Exemplar widerlichen Antidemokratentums in der Politik bezeichnen – und dafür sprengt mich niemand in die Luft oder stürmt meine Redaktion mit Spezialeinheiten. Jedenfalls noch nicht. Außerdem würden die Spezialeinheiten in mein Wohnzimmer gar nicht reinpassen.

Damit das so bleibt, braucht dieses Land das, was wir alle so gerne haben wollen: Ruhe im Karton.
Doch das heißt nicht, daß wir den Pöblern das Feld überlassen dürfen. Den Haßrednern, die in den Medien gerne als „rechtskonservativ“ oder nur „konservativ“ verbrämt werden, obwohl sie eben nichts weiter sind als misanthropische Stinkstiefel, die schon als Kind keiner leiden konnte, nicht mal die eigenen Eltern.
Es hilft Deutschland nicht weiter, es hilft uns allen nicht weiter, wenn wir den Höckes das Feld überlassen oder womöglich gar das sprichwörtliche Heft des Handelns. Es geht darum, den schießenden Störchen, den kopfkranken Petrys, den Nazi-Höckes und so abgrundtief lächerlichen Gestalten wie einem Lutz Bachmann als Chef der Pegidioten© ganz klar zu verstehen zu geben, daß sie eben nicht das Volk sind. Nicht einmal eine besonders große Menge des Volkes.
Sondern nichts weiter als eine Peinlichkeit. Ein nutzloses Furunkel am Arsch einer Wohlstandsgesellschaft, wie es sie auf diesem Grund und Boden noch niemals gegeben hat zwischen Rheinufer und Oder, zwischen Nordseestrand und Neisse.

Was dieses Land dringend braucht, ist ein Moment des tiefen Durchatmens. Man könnte dabei den Geruch des leckeren Tees auf den Sensoren des eigenen Riechorgans zergehen lassen und sich einfach mal freuen, daß man da lebt, wo man so lebt. Denn schlimmer ginge es im Zweifelsfall immer ganz problemlos. Das ist natürlich viel verlangt. Freuen ist ja so untypisch für Deutschland.
Wir Mittelmäßigen, wir Normalos, wir unauffälligen Typen müssen der Politik klarmachen, daß es keine Lösung sein kann, die rechten Arschlöcher, die gestern noch Bestandteil der eigenen Partei waren, durch hektisches Rumwedeln mit den Armen wieder einfangen zu wollen oder durch politische Maßnahmen, die auch von den Rechten stammen könnten.
Sinnlose und unkonstruktive Hektik im Banne des Populismus ist exakt der Schwachsinn, den wir nicht gebrauchen können in unserem Land.
Das ständige Starren des politischen Kaninchens auf die Schlange des abtrünnigen Wählers hilft keinem weiter. Ganz besonders dann nicht, wenn es der Politik immer nur um den eigenen Machterhalt geht. Es geht nicht um das Land oder seine Bevölkerung. Es geht um Bundestagsmandate und fette Pensionen und angenehme Nebenjobs in Aufsichtsräten und spätere Karrieren in den oberen Wirtschaftsetagen.

Ich will weder diese Art Politiker haben noch diese Art Politik. Sie gehören der Vergangenheit an. Ganz genau so wie mein Nazi-Lateinlehrer oder ein Alexander Gauland, der mit verbrämten Faschisten-Sprech so tut, als wolle er das Land in eine Zukunft führen, die aber in Wahrheit eine Vergangenheit ist. Und zudem noch eine Vergangenheit, die nichts weiter ist als ein ideologisches Nostalgiebild im offenbar zunehmend unzurechnungsfähigen Kopf dieses Mannes.

Nein, es ist unser Job, diesen Leuten klarzumachen, daß sie und ihre Art, das Land selbstherrlich mit ihren wirtschaftsfeudalistischen Kumpels zu verwalten, keine Zukunft mehr haben.
Was Deutschland braucht, ist eine Demonstration des wirklichen Volkes, von dem ich ganz genau weiß, daß es da draußen in großer Zahl vertreten ist.
Diese schweigende Mehrheit, welche die meinungsunfreiheitlichen Antidemokraten so gerne für sich in Anspruch nehmen, existiert tatsächlich. Allerdings würde sie etwas anderes sagen, als sich diese Leute das erträumen, da bin ich mir sicher. Doch dazu muß die Mehrheit eben endlich mal aus dem Sessel raus und ihre Meinung sagen. Klar und deutlich. Sachlich. Vielleicht einfach mal grandios unaufgeregt sein, das wäre vermutlich ein adäquates Mittel.
Oder sich auch mal aufregen, mit dem Zorn des Gerechten, um den Intoleranten und Angstschissern zu zeigen, daß das Land ihrem Kurs nicht folgen wird. Fast möchte ich das Wort vom Aufstand der Anständigen erwähnen, aber das wird dann auch nur wieder von den Trotzdem-Nazis gekapert.

In meinem Deutschland muß die Demokratie eben erkämpft werden. Jeden Tag. Immer wieder aufs Neue. Das mag anstrengend sein. Aber es ist auch lustig. Es belebt den Geist. Es eröffnet neue Perspektiven. Es ist lebendig. Nicht dieses bleischwere Todesröcheln am Absperrungszaun, mit diesem Hauch von Graberde.

Dieses Land hier ist längst das Land der afghanischen Schneider, der syrischen Ärzte, der Döner-Buden und Falafel-Verkäufer, des arabischen Kaffees, den man im ebenso arabischen Café trinken kann. Es ist das Land der russischen Krankenschwestern, der schlesischen Metzger und der italienischen Gastarbeiter. Dieses Land zwischen nervigem Glockengeläut und Minaretten in Hinterhöfen ist es auf jeden Fall wert, darum zu kämpfen. Sich jeden Tag neu in es zu verlieben. Es wird Zeit, endlich an echter Einheit zu arbeiten.
Und das werde ich tun, auf meine eigene, stille Art. Wie ich das am besten kann. Für mein Weltland Deutschland. Und wer hätte sich nicht auch schon einmal mit seiner großen Liebe gestritten?

 

 

Das Beitragsbild stammt vom Karikaturisten Klaus Stuttmann und laäßt sich hier im Archiv des Künstlers finden.

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2 thoughts on “Lieb Vaterschland, magst unruhig sein

  1. Langer Beitrag, meine Güte, Könnte in „die Zeit“ passen. Mangels Kontakt zu Flüchtlingen kann ich nur mutmaßen, das es so wie geschrieben auch ist. Und manchmal möchte ich auch einfach mal Ruhe. Zusammenleben bringt aber immer Unruhe. Andere Meinungen = Diskussion. Politisch korrekt geht man der Diskutiererei möglichst aus dem Weg. Aber meistens, weil negativ diskutiert wird. Überall. Außer auf der Arbeit. Zumindest in öffentlichen Besprechungen. Sollte mir mal angewöhnen, privat nicht negativ zu sein. Aber dann wirst du ja gleich nach deinem Drogenkonsum befragt. Aber Glas halbvoll oder halbleer ist oft Ansichtssache. Daher: ich nehm mir heute mal vor, einen guten Tag zu haben. Würde ich mich von außen sehen, könnte ich nämlich beides sehen: die arme Sau, die täglich malochen muss oder den erfolgreichen EDV-Angestellten, der ein recht schönes Leben hat. Je nachdem, welche Aspekte man betont. Und genauso geht’s mit den Flüchtlingen und der Politik: die einen betonen, dass wir teilen müssen, die anderen, das wir helfen wollen. Wenn ich jetzt gerade die Auswahl zwischen Syrien und Deutschland hätte würde ich wohl eher hier sein wollen. Wobei es sogar in Syrien schöne Ecken geben wird. Aber gerade eben auch Krieg. So, jetzt ab auf die Arbeit 🙂

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    1. Ähmmm…ja. Sehr langer Beitrag. Und wäre der in der ZEIT, hätte ich Geld bekommen für die Arbeit. Zeit ist ja bekanntlich Geld. Wäre schön, wenn ich für die Schreiberei welches bekäme. Ist bestimmt die Merkel dran schuld.

      Ich komme ja ursprünglich auch aus der Informatik-Ecke. Nach den anderen Studien natürlich. Trotzdem bin ich nach den Maßstäben unserer Gesellschaft eine arme Sau. Hat sich so ergeben. Aber deswegen sind nicht immer andere schuld, auch wenn ich sie nicht leiden kann. Nicht mal die Nazis.

      Und heute ist ein sonniger Tag. Wind, blauer Himmel, angenehme Temperaturen – ja, scheiße – da kann man doch einfach mal konstruktiv sein, finde ich. Einen prächtigen Tag wünsche ich 🙂

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