Der Geist der zukünftigen Wahlnacht

,,Wahlen alleine machen noch keine Demokratie.“
Barack Obama

Morgen ist es soweit. Morgen wird das Electoral College seine Wahl treffen. Das ist keine Universität, sondern das etwas in Verruf geratene Wahlmännergremium der Vereinigten Staaten, dessen Aufgabe es ist, den Präsidenten zu wählen. Dessen Name noch immer Donald Trump lauten wird, obwohl rumweinende mehr oder weniger Intellektuelle im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten weiterhin hoffen, die Abgesandten der Bundesstaaten mögen sich ihres Gejammers erbarmen und die Königin der Herzen zur Präsidentin ernennen, die da Hillary Clinton heißt.
Wird nur nicht passieren, denke ich. Denn obwohl Ms Clinton nach dem Stand der weiteren Auszählungen lockere 2,5 Millionen Stimmen mehr bekommen hat als ihr Konkurrent, ist das dem amerikanischen Wahlsystem völlig egal. Das interessiert sich für die Zahl der Wahlmännerstimmen, nichts anderes. So ist das eben in einem indirekten reinen Mehrheitswahlrecht. Irgendwas an „the winner takes it all“ haben die Demokraten, die da gegen Demokratie protestieren, wohl nicht ganz verstanden. Vielleicht hätten sie einfach mal zur Wahl gehen sollen, dann hätte es ihnen womöglich jemand erklärt.

Eben dieses Wahlrecht empfinden jetzt also viele der Verlierer als völlig unangemessen für ein Land wie ihres. Aus unerfindlichen Gründen fühle ich mich da an die letzte Bundestagswahl erinnert, als plötzlich ganz viele beleidigte Anhänger dieser gewissen pseudoliberalen Partei auftauchten und vergrätzt bemerkten, daß es ja so etwas wie eine Fünf-Prozent-Hürde im deutschen Wahlrecht gibt, über die die eigene Partei nicht drübersprang im Jahre 2013.
Auch die völkischen AfDler weinten bitterlich rum, denn sie waren ebenfalls vor der Tür stehengeblieben und durften nicht rein. Völlig entsetzt wurde das als Beweis dafür angeführt, daß Deutschland keine Demokratie sein könne, wie es die selbsternannten Retter der Nation ja schon immer gewußt haben. Dabei waren die Regeln vorher klar und deutlich festgelegt. Ich wüßte auch nicht, daß in den dreißig oder vierzig Jahren vorher diese sogenannte liberale Partei damit je ein Problem gehabt hätte. Pötzlich war diese Hürde aber ein undemokratisches Problem, da wurde ernsthaft von Seiten der Pseudoliberalen mit der demokratischen Repräsentation argumentiert, denn insgesamt blieben bei dieser letzen Wahl gute siebzehn Prozent aller Wählerstimmen auf dem Rasen vor dem Bundestag hocken. Zynische Geister könnten auf die Idee kommen, daß die damalige Reaktion damit zu tun hatte, daß man nun erstmals seit gefühlt Immer nicht an den Fleischtöpfen der Macht sitzen würde.
Nirgendwo steht geschrieben, daß jede Nulpenpartei in ein Parlament einziehen muß, die auch nur einhundert Stimmen zusammenkratzen kann. Grund dafür ist, daß das Wort „Mehrheit“ in manchen Köpfen ganz klar definiert ist als „Meine Meinung plus alle anderen, die sie teilen“. Wenn das aber nur 53 Menschen von insgesamt 64 Millionen Wahlberechtigten sind, ist das parlamentarisch nun einfach keine Minderheit, die irgendein Vertretungsrecht hätte. Ich habe die Bundestagswahlen auch noch kein einziges Mal gewonnen, ich finde, die sollen sich alle mal nicht so anstellen.

Ist schon komisch, daß die eigene Mehrheit im Kopf nicht parlamentsfähig sein soll. Oder präsidentenfähig, auch wenn das am verpfuschten Wahlsystem liegen mag. Aber die USA können ganz beruhigt sein. Denn die Medien haben in wochenlanger schmerzhafter Analyse und Selbstreflexion herausgefunden, woran es lag, daß eine Superfrau wie Hillary Clinton die Wahl recht krachend verloren hat: Die Russen waren es.
Gerade eben erst hat die Washington Post eine Liste veröffentlicht von etwa 200 Blogs, die russische Propaganda verbreiten und so den amerikanischen Wähler seiner rechtmäßig gefühlten Präsidentin beraubt haben. Darunter sind ein oder zwei Blogs, die ich auch schon zitiert habe. Aber gut, jetzt weiß ich ja, daß das alles ferngesteuerte Russen sind. Danke, Washington Post. Und meine Grüße an Senator McCarthy.

Auch andere Menschen, die vorgeben, sie seien journalistisch tätig, haben ausführlich analysiert, daß es natürlich nicht an den Medien in den USA liegen kann, was da passiert ist. Schließlich haben die treu und brav ihren Job gemacht. Sie haben das Geld ihrer üblichen Sponsoren genommen, deren Namen im Werbebudget nicht wenig Ähnlichkeit mit der Spenderliste gewisser Kandidaten für die Präsidentschaft haben. Dann haben sie begonnen, jede Menge objektiver Artikel über die Qualitäten dieser tollen Botox-Oma zu schreiben, die man zur Präsidentin wählen müsse. Wer sonst sollte für dieses Amt in Frage kommen?
Gleichzeitig ließ man keine Gelegenheit aus, den Gegenkandidaten – alle Gegenkandidaten – als die lächerlichen Tranfunzeln hinzustellen, die sie auch sind. Leider war halt nur einer von denen ein Geschäftsmann, der sehr wohl weiß, wie man Kunden das Geld aus der Tasche zieht. Oder eben die Stimmen.
Donald Trump muß sich während seiner Kampagne mehrfach einen auf die Lampe gegossen haben für die ganze kostenlose Werbung, die durch Negativ-Artikel für ihn gemacht worden ist und die von diversen Menschen auf einen Gegenwert von mindestens einer Milliarde Dollar geschätzt wurde.
Währenddessen tat Trump das, was Clinton nicht getan hat: Er war da, wo die potentiellen Wähler wohnen und schon ziemlich lange keinen Präsidentschaftskandidaten mehr gesehen hatten. In Hinterhöfen, Scheunen und gammeligen Stadthallen tourte der Geschäftsmann durch Gegenden, die kein demokratischer Präsidentenfuß je zuvor betreten hat, jedenfalls nicht mehr seit Beginn der 80er Jahre. Und so trug die kleine pelzige Alienkreatur auf dem Kopf von Donald Trump den Sieg davon.

Das ist schlecht für die großen Medienhäuser, denn dafür hatte man sie nicht bezahlt. Der Kunde zahlt stets in der Annahme, daß die Verlage mit ihren Publikationen in der Lage sind, die jeweiligen Zielgruppen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Also beispielsweise daran zu glauben, das kapitalistische Überfallkommando Goldman Sachs sei in Wirklichkeit eine von Mutter Theresa gegründete Hilfsorganisation oder Hillary Clinton die nächste Präsidentin. Immerhin ist die ja sogar eine Frau – wie konnte dieses Projekt also überhaupt schiefgehen?
Und jetzt stehen diese Medienhäuser da, die Clinton-Kampagne hat doppelt so viel Geld in klassische Werbungsmethoden versenkt wie Donald Trump und trotzdem konnten diese Medien nicht liefern. Was vermutlich sehr viele andere große Meinungskäufer Werbekunden gerade dazu veranlaßt, mal ihre Budgetverwendung zu prüfen.
Denn vielleicht konnten die Medien gerade deswegen nicht liefern, weil sie sind, wie sie sind. Heutzutage werden Wahlen und Ergebnisse auf Facebook, Twitter, Snapchat und Instagram gemacht und nicht mit Fernsehwerbung zur Prime Time. Amerikaner haben aufgehört, diesen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken, als sie erstmals mit über 1000 Clips pro Tag bombardiert worden sind. Das war Mitte der 80er Jahre, Ronald Reagan war Präsident, gab ungezählte Steuermilliarden für sein „Star Wars“-Weltraumprogramm aus, nannte die Sowjetunion das „Reich des Bösen“ und verlagerte gleichzeitig ganze Industrielandschaften nach Fernost, während der Staat fleißig Schulden über Schulden machte.
Heutzutage stellt sich Hillary Clinton hin und gibt den Russen eine Mitschuld an ihrer Wahlniederlage. Putin war’s, ist ja klar. Der böse Russe wollte sich an Hillary rächen. Sagt Hillary. Ach ja, außerdem will Putin dadurch natürlich die Demokratie in den USA untergraben, also – logischer Schluß – die Freiheit der ganzen Welt.
Da ist wieder, diese gute alte McCarthy-Gefühl in meinem Bauch. Oder, in meinem Falle, das gute alte Ronald-Reagan-Gefühl. Endlich hat man wieder einen klaren Schuldigen, und folgerichtig lautet der Tenor so ziemlich aller Medien und Politiker weltweit, die mit der US-Wahl und dem Brexit im Jahr 2016 ganz schwer auf die Fresse gefallen sind: „Wir können gar nicht schuld sein!“

Ein wunderbares Beispiel für die arrogante Blindheit der sogenannten „Eliten“, die in diesem Jahr gerne immer in Sätzen genannt werden, ist der Artikel eines Mannes namens David Remnick. Der ist Herausgeber des Magazins The New Yorker, das ist so ein bißchen wie das ZEIT Magazin, nur eben in schick und interessant, also hipster.
Er ist auch ein Freund des Mannes, der das Weiße Haus jetzt räumen muß, Barack Obama. In all den schönen Zeilen in seinem überaus lesenswerten Artikel erweist sich Mr Remnick als vollkommen unfähig, die Gründe für Donald Trump im Oval Office zu begreifen. Da es ihm völlig unmöglich erscheint, daß womöglich die Medien selbst einem großmäuligem Frauenverächter den Teppich zur Präsidentschaft ausgerollt haben, tröstet sich Remnick direkt zu Beginn selbst.
Derselbe David Remnick hat diese Wahl auch schon woanders „eine amerikanische Tragödie“ und ein „widerliches Ereignis in der Geschichte der freiheitlichen Demokratie“ genannt. Ganz deutlich kommt hier zum Ausdruck, daß die Wahl Donald Trumps ein Rückschlag ist. Nur für wen oder was?
„Geschichte, so schreibt Mr Remnick also in besagtem Artikel, „bewegt sich nicht in geraden Linien. Manchmal bewegt sie sich seitwärts. Manchmal rückwärts.“

Angeblich liberale Globalisierer erfassen nicht, daß ihre Sicht der Welt durch die rosarote Brille erfolgt.

Blöd ist nur, daß Geschichte exakt das nicht tut. Geschichte ist die Abfolge der Ereignisse, wie sie sich zugetragen haben. Nicht die Abfolge von Ereignissen, die bestimmte Gruppen von Menschen sich gewünscht haben oder wünschen.
„Geschichte“ ist für David Remnick das, was er sich wünscht, also das, was man in den USA und anderswo gerne „progressiv“ nennt. Dazu gehören die Auflösung der Nationalstaaten, globale Gleichheit in einer kosmopolitischen Welt und freier Handel, der aber auch fair ist und solche Dinge wie säkulare Demokratie in alle Teile der Welt verbreitet. Jemand wie dieser Mann hält eine solche Zukunft für absolut unausweichlich, denn wie könnte sich jemand so etwas Herrliches nicht herbeiwünschen?
Der Sieg dieser Weltsicht gehört geradezu zum Gewebe der Geschichte hinzu, es kann gar nicht anders werden.
Ich fühle mich sofort an Francis Fukuyama erinnert und seinen inzwischen berühmten Essay vom „Ende der Geschichte“, verfaßt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des Warschauer Pakts. In einer geradezu grotesken Pseudoargumentation führte Fukuyama nicht nur an, daß Kapitalismus und Demokratie gewonnen hätten im Wettstreit der Systeme – was man durchaus als richtig bezeichnen könnte – er zog daraus auch die Schlußfolgerung, daß diese Dinge das einzig denkbare und bestmögliche System bezüglich Wirtschaft und Politik seien. Somit war also das Ende aller Entwicklung erreicht, das perfekte System mußte nur noch den Rest des Erdballs erobern und eine Verwandlung der menschlichen Zivilisation in ein Paradies war völlig unvermeidlich.
Irgendwie scheint mir davon aber nichts so recht eingetreten zu sein. Es könnte eventuell sein, daß die Geschichte das Memo von Herrn Fukuyama nicht bekommen hat. Zumindest ist das mein Eindruck, denn ich sehe auch keine zwingende Notwendigkeit für eine paradiesische Freihandelswelt säkularer Demokratien. Der neue Chef des Landes USA ist mehr so ein Freund des Schutzzolls. Wobei es nicht so ist, daß es im Augenblick keine solchen gäbe in den USA.
Für die David Remnicks dieser Welt, von denen sehr viele als „Berater“ irgendwelcher Politschergen arbeiten oder eben journalistisch-medial tätig sind, ist Donald Trump eine Abweichung, ein Irrtum. Der Fluß der Geschichte ist ein wenig über die Ufer getreten, aber das gibt sich. Bald wird das Unvermeidliche geschehen und das Wasser zurückkehren in sein Bett, seinen natürlichen Kurs wieder aufnehmen.

This image shows a portion of a satirical front page of The Boston Globe published on the newspaper's website on Saturday, April 9, 2016. The editorial board of The Boston Globe used the parody to express its uneasiness with a potential Donald Trump presidency. (The Boston Globe via AP)
Bild 1: Falsche Nachrichten, einfache Version
Satirische Ausgabe des Boston Globe vom 09. April 2016. Da macht sich das Blatt noch über Donald Trumps vollmundige Ankündigungen lustig. Morgen wird der Kerl Präsident. Vielleicht holt die Wirklichkeit die Satire der Schlagzeilen ja bis zum April noch ein.

Ich weiß nichts, ob es an mir liegt oder an der Tatsache, daß ich von meiner Bambushütte am Rande der Gesellschaft aus blogge. Aber am Rande der Gesellschaft zu leben hat einen entscheidenden Vorteil. Es verschafft einem eine einzigartige Perspektive.
Vielleicht weiß ich einfach zuviel über zu viele Dinge. Beispielsweise weiß ich, daß Flüsse sehr wohl ihr Bett verlassen können, um danach nie wieder den alten Weg zu nehmen, sondern in aller Gemütsruhe eine neue Bahn durch die Landschaft zu nehmen. Der natürliche Verlauf eines Flusses ist immer der, den er gerade nimmt. Geschichte verhält sich da exakt gleich.
Die Auffassung, die Mr Remnick durchscheinen läßt, ist nichts weiter als die Standardweltsicht der Meinungsmacher der westlichen Demokratien seit dem Ende der 80er Jahre, also dem Ende der Geschichte.
Es ist ein bißchen wie die Ansicht der US-Amerikaner über einen Krieg, der jetzt etwa 180 Jahre zurückliegt und die Landkarte Nordamerikas nachhaltig veränderte. Oberhalb des Rio Grande zucken alle mit den Schultern, falls jemand diese alte Klamotte mal erwähnen sollte und sagen: „Hey, wir haben gewonnen. Ihr habt verloren. Außerdem ist es ewig her. Deal with it.“
Unterhalb des Rio Grande haben die Menschen allerdings noch immer nicht vergessen, daß die südwestlichen USA, ein gutes Drittel des Landes, bis zum amerikanisch-mexikanischen Krieg von 1846 die nördliche Hälfte der Staates Mexiko gewesen sind. Geschichte, auch das scheint Menschen wie einem David Remnick und vielen anderen immer gerne zu entgehen, hat oft einen Atem, der deutlich länger ist als ein menschliches Leben.
In der Geschichte verlagern Flüsse manchmal auch ihr Bett und Städte, die jahrhundertelang am Ufer eines solchen lagen, finden sich plötzlich mitten in der Wüste wieder. Vielleicht sollte Mr Remnick sich einmal ein wenig über Dinge wie die Indus-Kultur informieren, denn der ist genau das passiert.

Auch in Deutschland haben inzwischen viele Politiker herausgefunden, wie Hillary Clinton diese doch schon abgemachte Wahl so furchtbar verlieren konnte. Oder warum sie selber vom Volk nicht mehr so wirklich gemocht werden. Es waren die Russen. Wobei das in Deutschland anders formuliert wird.
Es sind diese „Fake News“, die jetzt überall in den Schlagzeilen auftauchen. Ganz entsetzt stellen Menschen, die nicht unfallfrei eine Maus bedienen können, plötzlich fest, daß in den asozialen Medien Leute rumfallen, die völligen Schwachsinn verbreiten. Und das es andere Leute gibt, die das auch noch glauben.
Ein Umstand, von dem ich immer dachte, daß er Politikern sehr klar sein muß. Aber offensichtlich waren meine ohnehin schon niedrigen Erwartungen an die Aufgeschlossenheit dieses speziellen Menschentyps noch zu hoch angesetzt. Dabei würde Politik doch ohne diese simple Tatsache niemals funktionieren.
Ausgerechnet die ehemalige SPD, namentlich in Gestalt ihres Seeheimer Ritters Thomas Oppermann oder dem „Wir verschärfen alles“-Justizminister Heiko Maas, prescht jetzt nach vorne und möchte mal wieder neue Gesetze erfinden, damit die Verfassungsrichter in Karlsruhe nicht etwa über Unterbeschäftigung klagen können in Zukunft.
In Wirklichkeit haben nur alle Politiker Europas gerade die Hosen gestrichen voll, denn die USA haben ganz klar gezeigt, daß wir nicht in einem postfaktischen, aber dafür zunehmend postpolitischen Zeitalter leben. Wahlen können verlorengehen, obwohl man in klassischen Medien die massive Oberhand hat. Also muß etwas gegen diese widerlichen sozialen Medien unternommen werden, die heute überall auf dem Smartphone lauern. Wir müssen da was tun!

Überhaupt ist „postfaktisch“ ein prima Beispiel für das, was ich neulich erst beschrieben habe. Wieder so ein Wort, das irgendwer erfunden hat, damit niemand zugeben muß, daß es sich hierbei um nichts anderes handelt als das, was schon seit zig Jahren im öffentlichen Raum von deutschen und ausländischen Qualitätsmedien praktiziert wird. „Postfaktisch“ heißt nämlich: Gelogen und trotz aller Gegenbeweise wird es geglaubt. Es bedeutet aber auch: Wer immer wieder dasselbe sagt, hat recht.
Der ehemaligen SPD sollte es schon schwer zu denken geben, daß ein eher unbekannter Mensch von der CSU vor einigen Tagen ein Gesetz gefordert hat, welches Falschmeldungen verbietet. Allerdings nur in diesem Internet, von dem Stephan Mayer gehört hat.

Von Zeitungen ist da nicht die Rede. Oder von ARD und ZDF. Obwohl die ARD vor knapp drei Jahren sogar vom hauseigenen Fernsehrat gerügt wurde, der die Ukraine-Berichterstattung des Staatsenders tatsächlich „in die Nähe von Propaganda“ rückte.
Ich persönlich fände es natürlich auch toll, wenn die Springer-Presse verboten wird, denn in der BILD hat noch niemals etwas gestanden, das der Wahrheit nahekommt. Außer den Lottozahlen und den Fußballergebnissen unds selbst die würde ich von diesem Drecksblatt nicht ungeprüft übernehmen wollen.
Ich fände es auch ganz prima, wenn diese Presseerzeugnisse verschwänden, die da Frau im Spiegel oder Bild der Frau oder Frau im Spiegelbild oder sonstwie heißen. Die sind meistens in miesen Farben gedruckt, liegen in Arztpraxen aus und enthalten Texte, die mit absoluter Kackdreistigkeit als „Artikel“ bezeichnet werden, obwohl der Inhalt normalerweise erstunken und erlogen ist und auch mit den jeweiligen herzzerreißenden Schlagzeilen auf dem Titelblatt im Normalfall eher rudimentär zu tun hat.
Oft werden diese widerlichen Peinlichkeiten aus der Güllegrube des Journalismus dann noch mit Fotos garniert, die entweder mies nachgemacht sind oder aber zu völlig anderen Gelegenheiten entstanden. So eine weinende Blaublütige wie Caroline von Monaco ist doch immer prima. Wen interessiert es da, daß die Aufnahme fünf Jahre alt ist und von der Beerdigung der Mutter stammt, wenn man das prima in irgendeiner erfundenen Ehestreitgeschichte verwursten kann?

Alleine schon der Gedanke daran, daß ausgerechnet Politiker der CSU oder der ehemaligen SPD etwas gegen „Falschnachrichten“ unternehmen wollen, läßt meinen persönlichen Bullshit-Detektor mit schrillem Pfeifen explodieren. Und danach riecht es nach Gerhard Schröders Zigarren.
Wenn dieses Gesetz tatsächlich auf den Weg gebracht werden sollte, werde ich nächstes Jahr jedes verdammte Wahlplakat ablichten und jedes Parteiprogramm nutzen, um nach den Wahlen so lange zu klagen, bis die Parteikassen aller im Bundestag vertretenen Profirealitätsverbieger allesamt mir gehören. Das Geld lege ich dann in eine Steueroase oder gründe eine Bank, damit ich systemrelevant bin und gerettet werde, wenn ich die Kohle für Koks und Nutten verballert habe.

Politiker schlagen ernsthaft vor, „Fake News“ verbieten zu lassen. Schriller kann Realsatire nicht werden.

Während ein Teil der deutschen Presselandschaft die erstaunliche Erkenntnis heraushaut, daß die soziale Ungleichheit wächst und damit sogar die Wirtschaftskraft gefährdet ist, hat eine ebenfalls zum Seeheimer Mutantenkreis der ehemaligen SPD gehörende Andrea Nahles in ihrem Arbeitsministerium nichts Besseres zu tun, als Passagen aus dem neuen Armutsbericht streichen zu lassen, in denen es wohl – Gerüchten zufolge – um den Einfluß der Eliten auf die Politik ging. „Eliten“ sind in diesem Falle die Menschen mit ziemlich viel Geld. Das sind übrigens auch sehr oft die, die ihre Meinung in Printmedien verbreiten lassen können oder in Fernsehformaten, weil sie nämlich zu den großen Werbekunden gehören. Oder weil ihnen die gedruckten Fake News-Magazine ohnehin gehören, die dann in Arztpraxen ausliegen. Ich sage nur Funke Mediengruppe, Gruner+Jahr und natürlich Bertelsmann. Ansonsten verweise ich nach oben auf die US-Wahlen.
Völlig überrascht von der Erkenntnis, daß reiche Menschen einen extrem überproportionalen Einfluß auf Landespolitik haben, hat Frau Nahles die entsprechenden Passagen aus dem Armutsbericht streichen lassen.
Das ist durchaus clever. Die FDP hatte 2013 die Sätze noch umformulieren lassen. Und zwar so, daß hinterher exakt das Gegenteil der vorherigen Aussage auf dem armseligen Papier stand, dessen Geduld da wieder ausgenutzt wurde.
Woher ich trotzdem weiß, was in den gestrichenen Passagen stand?
Von den Russen natürlich. Marx hieß der Typ, glaube ich. Oder eventuell aus einer dieser amerikanischen Studien, die sich schon dutzendfach mit dieser Frage beschäftigt haben und allesamt zum gleichen Ergebnis gekommen sind: Wer viel Kohle hat, kauft damit die Politik, die ihm nützt.
Was ja auch nicht verwunderlich ist in einem politischen System, in dem Korruption zum offenen Bestandteil der Politik erhoben worden ist. Ganz wie in römischen Zeiten. Übrigens auch so eine Bande, die mit Sicherheit geglaubt hat, der moralische Bogen der Geschichte beuge sich immer zu ihren Gunsten.

Der Bogen der Geschichte neigt sich tatsächlich in eine bestimmte Richtung. Nur wird diese Bestimmung nicht vorgenommen vom Wunschdenken liberaler Progressiver oder zensurversessener Mitglieder politischer Parteien. Das Universum – ich hatte das schon einmal irgendwo erwähnt – ist in keinster Weise verpflichtet, Menschen die Zukunft zu liefern, die sie sich erträumen, aus welchen Gründen auch immer sie das tun mögen und egal, in welcher Form.

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Bild 2: Falschnachrichten, komplizierte Version
Das ganze Geschwätz über die Wohltaten der Globalisierung, den tollen Euro und einige andere Dinge scheint nicht wirklich zu stimmen. Wahrscheinlich waren es wieder die Russen. Wenn Politiker sich über falsche Nachrichtenkampagnen aufregen, muß in der Welt etwas kaputtgegangen sein.
Das Bild entstammt einmal mehr der Feder von Heiko Sakurai.

Donald Trump ist keine Abweichung, ebensowenig wie die jetzt panikartig überall beschworenen „Fake News“. Parteipolitiker warnen Menschen wie mich davor, daß der nächste Wahlkampf von den Russen gehackt werden könnte und man mit falschen Versprechungen und falschen Berichten rechnen müsse? Ich kann in den letzten Wochen kaum noch aufhören zu lachen.
Die ganzen sogenannten Falschmeldungen sind seit 25 Jahren und länger vorhanden und haben seit Beginn des Jahrhunderts mit fortschreitender Digitalisierung einfach ein Ausmaß an Verbreitungsgeschwindigkeit gewonnen, das in der klassischen Medienwelt undenkbar gewesen wäre.
Alleine schon die Vorstellung, daß Facebook eine Widerrufspflicht haben soll für angeblich falsche Nachrichten, grenzt geradezu ans Groteske.
Wer soll denn bitte den Wahrheitsgehalt prüfen? Muß ich dabei berücksichtigen, welchen Glauben der Schreiber hat oder aus welchem Land er kommt?
Was passiert, wenn Thomas de Maiziére mal wieder was nachweislich Falsches über Flüchtlinge gesagt hat? Was ist mit der ultimativen Gefährdung unserer Wohnzimmeridylle durch böse Terroristen? Wird der dann endlich mal verhaftet? Also, der Innenminister jetzt. Die rechte Hand bin Ladens wird ja ohnehin alle zwei oder drei Wochen in den Medien als erledigt gefeiert. Erstaunlich, daß es bei derartig vielen Erfolgen überhaupt noch Terrorismus gibt.
Was ist mit Börsen- und Wirtschaftsnachrichten, in denen drinsteht, daß es Deutschland total gut geht? Das wir vom Euro alle profitiert haben in den letzten 14 Jahren? Das ein Mindestlohn von €8,50 – und damit deutlich unterhalb der statistischen Armutsschwelle liegend – die Wirtschaft sofort implodieren läßt?
Was ist, wenn wieder einer Stabilisierungseinsätze der Bundeswehr bejubelt? Oder davon spricht, daß Deutschland mehr Verantwortung übernehmen muß? Was ist mit Massenvernichtungswaffen im Irak? Wie sieht das aus mit diesen iranischen Atomraketen, gegen die die NATO, völlig unbeeinflußt von den USA, dann Raketenabwehrschirme aufstellt – in Polen, das ja bekanntlich direkt an den Nahen Osten angrenzt.
Was ist, wenn ein Blogger in seiner Bambushütte am Rande der Gesellschaft die Steuerung von US-Drohnen vom Stützpunkt Ramstein in der Pfalz aus als verlogene Beteiligung an beschissener Mordpolitik außerhalb jeglichen Rechtsstaats bezeichnet? Ist das dann nur so lange Fake-News, bis ein Bundestagsabgeordneter endlich mal die Eier findet, deshalb zu klagen?
Was ist mit einer Bundesregierung, die dazu aussagt, sie habe keinerlei Kenntnisse über solche Vorgänge – weil sie einfach nicht gefragt hat?
Was ist mit einem Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Bundestag, der Grosse-Brömer heißt und ernsthaft behauptet, Putin würde gerne eine rotrotgrüne Bundesregierung haben, weil die aktuelle so unglaublich tapfer Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine kritisiere?

Was ist, wenn dieser Mann sagt, Facebook und Twitter könnten sich ja nicht damit herausreden, sie stellten ja nur die Plattform zur Verfügung?
Ich meine, das ist doch genau das, was Waffenproduzenten auch immer sagen, oder? „Wir töten niemanden, wir bauen nur Waffen“.
Und das stimmt ja auch. Noch nie hat ein Gewehr einen Menschen getötet. Menschen töten Menschen mit Gewehren, das ist ein Unterschied.
Aber immer, wenn es um falsche Nachrichten geht, heulen Politiker auf, daß „Facebook da jetzt was gegen machen muß“. Facebook ist gar keine Person. Es ist eine Ansammlung von Coding, eine Software. Eine oft lausige Software, meiner Meinung nach. Trotzdem eine Software, die von 1,3 Milliarden Menschen weltweit benutzt wird.
Überhaupt – ein CDU-Politiker oder ein SPD-Justizminister fordern eine Strafe für „falsche Nachrichten mit Kampagnencharakter“?
Wieso klingt das in meinen Ohren so, als hätte Wladimir Putin gerade ein Komitee gegen kommunistische Umtriebe in Rußland gegründet? Und wann wird das SWAT-Team des neuen Bundesmedienüberwachungsministeriums die Tür der BILD-Redaktion eintreten – vor der nächsten Hetzkampagne gegen Arbeitslose oder erst danach?

In so einer Umgebung wundert sich noch irgendwer, wenn sich herausstellt, daß ein Großteil aller Jugendlichen zwischen Fake-News und echten Nachrichten – also denen, die eventuell auf Recherche und handfesten Fakten basieren – nicht mehr unterscheiden kann?
In einer Welt, in der die Nachrichtenportale, deren Vertreter seit Wochen mit Schaum vor dem Mund „Fake News“ rufen und händewedelnd im Kreis laufen, um uns vor den bösen Russen zu warnen, selber eine Schleuder für Fake News sind?
In einer Welt, in der die Anwälte des Verlages Axel Springer vor Gericht argumentieren, das Geschäftsziel ihres Mandanten sei nicht etwa Journalismus, sondern die Verbreitung von Werbung – weswegen die Benutzung eines Adblockers im Internet klare Geschäftsschädigung sein soll?
Und wieso kümmert man sich wieder nur um die Kinder und Jugendlichen in so einem Falle?
Einfache Antwort in diesem Falle: Weil hier unterschwellig wieder mal ein aufheulendes „Denkt doch mal an die Kinder!“ mitschwingt

Das die Medienkompetenz von Erwachsenen ebenso lausig ist in vielen Fällen und das es eben Erwachsene waren, die Donald Trump ins Weiße Haus rein- und Großbritannien aus der EU rausgewählt haben, lassen wir dabei mal aus. Einige von ihnen sind Lehrer, die womöglich mal Medienkompetenz vermitteln sollten. Aber dazu müßte man sich mit diesem digitalen Rumpelkram beschäftigen, das kann man unterbezahlten Teilzeitangestellten nicht zumuten. Drum tun die das auch nicht.
Man könnte auch mal klar darauf hinweisen, daß es schlicht nicht zum Geschäftsmodell des Internet oder von Facebook gehört, geprüfte Nachrichten zu verbreiten. Es geht darum, möglichst viele Leute dazu zu bringen, irgendeinen Mist zu teilen und weiterzureichen, damit im Hintergrund Algorithmen das Nutzerverhalten analysieren und Daten sammeln können. Das beknackte Internet ist ebenso eine Desinformationsmaschine wie es eine Informationsmaschine ist. Außerdem ist da noch dieser Unterschied zwischen Information und Wissen. Aber mit so etwas sind Geschäftsführer von Fraktionen wohl nicht vertraut.

Auch die Annahme, daß die Menschen, die für den Brexit gestimmt oder Donald Trump gewählt haben, damit gegen den vorgezeichneten Strom der Geschichte verstoßen haben und man besser daran getan hätte, den alles überblickenden Informations- und Finanzeliten weiterhin das Ruder zu überlassen, um das Boot ins Paradies zu steuern, zeugt von nichts weiter als kompletter Vollidiotie und intellektueller Arroganz, gepaart mit Pipi-Langstrumpf-Syndrom im letzten Stadium.
Eine Meinung, die nicht etwa nur von sozialistischen Revoluzzern oder antikapitalistischen Ökotypen vertreten wird, wie auch die Financial Times feststellen mußte – sehr zum Erstaunen der Redaktion, wie ich annehme:

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Bild 3: Ein Leserbrief an die sozialistische Kampfpostille Financial Times
Offensichtlich sieht der Schreiber einige Dinge anders als die Redaktion des Blattes. QUELLE

Wenn sich ein Fraktionsgeschäftsführer hinstellt und in einem Artikel derartig unfaßbaren Dünnsinn absondert, tut er zwei Dinge.
Erstens bringt er eine R2G-Regierung direkt mit Putin in Verbindung. Und Putin ist ja das Böse, wie wir inzwischen alle wissen. Das hat auch die FAZ inzwischen rausgefunden, mit Hilfe des Verfassungschutzes.
Zweitens stellt er die durch nichts zu erhärtende Behauptung auf, daß eine solche Regierung Rußland niemals wegen Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine kritisieren würde. Dieser CDU-Vollhorst hätte auch gleich sagen können: „Rot-Rot-Grün, das sind sowieso alles Kommunisten!“
Hat er sich aber wohl nicht getraut.
Aber das sind dann natürlich keine Fake News, es ist ein sachlicher Artikel. Es sind schon deswegen Fake News, da keine Umfrage, die ich kenne, einer Rot-Rot-Grünen Regierung für nächstes Jahr irgendeine tragfähige Mehrheit zubilligt.
Ich würde den Herrn Grosse-Brömer gerne fragen, wie denn das mit der derzeit laufenden Abschaffung der Demokratie in der Türkei so gesehen wird von unserer tapferen, für die Wahrheit kämpfenden, immer die Menschenrechte verteidigenden Bundesregierung.

Donald Trump beruft Erzkapitalisten in sein Kabinett. Nichts daran ist Fake. Es ist absolut authentisch. Der Mann hat nie damit hinter dem Berg gehalten, was er für ein Arschloch ist.

Was alle entsetzten liberalistischen, progressiven Supermeinungsjournalisten einfach nicht aushalten, ist die Wahrheit. Und die lautet, daß sie selber über Jahre hinweg ihr Publikum und sich selbst so lange verarscht haben, bis sie ihre Geschichten darüber, wie die Welt sein sollte, tatsächlich für die einzige Welt gehalten haben, die existieren kann.
Typen, die Klimawandel für einen Witz halten, in der Umweltbehörde. Der Chef des Ölkonzerns Exxon-Mobil, einem der wirklich großen Großen, wird Außenminister der USA. Übrigens schreibt Exxon das siebte Quartal hintereinander Verluste, dieses Mal so etwa eine halbe Milliarde Dollar.
Ich erwähne das für alle, die sich über diesen gigantischen Ölfund in Texas freuen, der da neulich in der Presse bejubelt wurde. 900 Milliarden Dollar ist dieses Öl wert, was für ein Schluck aus der Pulle.
Ist nur leider so, daß bei näherem Hinsehen von all diesen Meldungen genau keine stimmt.
Es geht schon mit dem Wort „entdeckt“ los. Denn das Öl, um das es geht, kommt aus einer Gesteinsformation – in der Fachsprache ist das eine Erdöl-Provinz – die sich Wolfcamp Shale nennt und in Texas liegt. Erstaunlicherweise wird hier schon seit zig Jahren Öl gefördert, was ja für eine Entdeckung irgendwie ungewöhnlich erscheint. Schaut man dann mal auf die Seite des USGS, dann steht über der Meldung schon mal das Wort „estimates“. Das heißt also, die haben geraten, die Ölwissenschaftler vom Geologischen Bundesamt der USA. Sonst nichts.
Das hindert aber die informative Wahrheitsweltpresse nicht daran, den Blödsinn vom 900-Milliarden-Dollar-Ölfeld in eben diese Welt hinauszuposaunen. Bloomberg steht die Gier schon wieder in den Augen, der Guardian übernimmt den ganzen Mist ebenfalls komplett unreflektiert. Es ist nicht so, daß andere Länder keinen Qualitätsjournalismus hätten.
Dann ist da eben die Tatsache, daß es hier um Schieferöl geht, also dieses Zeug, das nun schon länger per Fracking gewonnnen wird. Das ist in dem Sinne gar kein Öl. Man hat es ab 2005 als solches definiert, damit keiner zugeben muß, daß die Weltfördermenge langsam abnimmt. Alles, was irgendwie brennt, aus dem Boden kommt und ein Kohlenwasserstoff ist, ist seitdem offziell „Öl“. Das ist in etwa so weit voneinander entfernt wie der Elefantenrollschuh Fiat 500 von einem echten Auto, sagen wir, einem Volvo 360.
Schnell wird dann auch klar, daß dieses Zeug im Boden nur dann 900 Milliarden Dollar wert ist, wenn man glaubt, Öl werde durch magische Hamster in Benzin verwandelt und zur Tankstelle getragen. Wenn man also sämtliche in der Realität anfallenden Kosten großzügig übersieht, die lästige Bohreinrichtungen oder dieses dumme Personal mit sich bringen, ist das Öl, das gar keins ist, etwas wert.
In der richtigen Welt macht man damit 500 Milliarden Verlust bei aktuellen Preisen. Sage nicht ich, sondern ein anderes Blatt für professionelle Arschlöcher, die ihre goldene Badewanne täglich mit Schampus fluten – Forbes Magazine. Auch die sprechen fälschlicherweise von einem „Ölfeld“. Aber zumindest rechnen können die halbwegs, nehme ich mal an.

Die Entdeckung ist also eine Vermutung, das Öl ist kein Öl, entdeckt worden ist es auch nicht, weil es längst bekannt ist, und außerdem bringt es nur Verluste ein. Um diesen unangenehmen Wahrheiten zu entgehen, wird also der Ex-CEO Rex Tillerson Außenminister, damit er mal was anderes von der Welt sieht außer nur Ölfelder.
Das ist die Art von Falschnachrichten, auf denen der neue Präsident seine Politik bauen wird. Wer hat da gerade gelacht?

Aber das ist ja noch nicht alles. Der neue Arbeitsminister ist Chef einer Burgerkette und gegen den Mindestlohn. Der beträgt in den USA auf Bundesebene noch immer fette $7,50.
Der Gesundheitsminister haßt Obamas Gesundheitsreform und will Krankenkassen ohnehin als sinnlos abschaffen. Chef des Umweltministeriums wird ein Mann, der „Klimawandel“ nicht mal buchstabieren kann, denn seine Klimaanlage funktioniert einwandfrei und vermutlich wirft der Typ dann im US-Kongress auch mal einen Schneeball, um zu beweisen, daß es draußen gerade kalt ist. Bei mir vor der Haustür eigentlich nicht so, übrigens. Für kurz vor Weihnachten ist es relativ mild.
Der nächste Finanzminister war Investmentbanker, bei Goldman Sachs, und gehört also jetzt zu denen, die in der bald aufschäumenden nächsten Krisenwelle wieder die Banken retten dürfen. Denn Donald Trump wird vermutlich über die größte finanzielle Kernschmelze präsidieren, die die Wirtschaftsgeschichte je gesehen hat.
Die zukünftige Bildungsministerin ist ein großer Fan von Privatschulen. Trump selber glaubt an antiwissenschaftlichen Blödsinn wie „clean coal“. Natürlich ist das in Energie- und auch eigentlich allen sonstigen Fragen ein Rückschritt in den USA, wie jetzt manche Pressestimmen besorgt zu hören waren.

Andererseits finde ich das prima. Donald Trump – endlich mal ein Kapitalisten-Lobbymat im Weißen Haus, der sich nicht tarnt und krampfhaft weiter so tut, als sei das eine demokratische Republik da drüben hinterm Ozean. Dieser Mann und sein Kabinett aus knallharten Kapitalismusgewinnlern sind quasi der Inbegriff des Postfaktischen.
Alle kritisieren das jetzt heftig hier in Europa. Aber was ist eigentlich mit der undemokratisch bestimmten EU-Kommission? Ein Brite kümmert sich um Finanz- und Bankfragen, ein Öllobbyist ist für Energie zuständig, der Chef ist ein Steuerbetrugshelfer auf hoher Ebene – insgesamt sehe ich da auch zwei oder drei Jahrhunderte Knast wegen Lugs, Betrugs und Heuchelei.
Vielleicht sollten sich alle, die jetzt medial lautstark rumweinen, einfach mal klarmachen, daß Trump keine Ursache für irgendwas ist. Er ist ein Symptom. Ebenso wie alle Leute, die er mitbringt. Italien hat dereinst den Mann zum Chef gewählt, der die besten Beziehungen zur Mafia hatte. Die USA haben jetzt den größten kapitalistischen Lügner ans Ruder gewählt, den sie finden konnten. Alles irgendwo konsequent.
Falls sich irgendwer noch fragen sollte, wie eine deutsche Bundesregierung nach einem Wahlsieg der AfD aussehen würde – da habt ihr’s. Ich wette, Frau von Storch wird dann Ministerin für Integration und Lutz Bachmann Innenminister.

 

 

 

Zum Beitragsbild sage ich mal nichts weiter. Man möge sich bitte kurz verdeutlichen, wer da was bewirbt und mit welchem Bildmotiv. Zusätzlich verweise ich auf die Erklärung des Verursachers zu dieser Aktion. Achtung: Brechreizgefahr. Danach können wir uns gerne noch einmal über „Fake news“ unterhalten. Öffentlich. Im Stadtpark. Jeder mit einem Sekundanten.

UPDATE 20161219:
Scheinbar hat die Frau Nahles die von mir im Text erwähnten Passagen aus dem aktuellen Armutsbericht doch nicht komplett streichen lassen.
Der im Bericht stehende Kernbefund lautet: „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Parlament etwas beschließt, was die Besserverdienenden wollen, ist hoch – während der in Umfragen geäußerte Willen der Geringverdiener eine besonders niedrige Wahrscheinlichkeit hat, vom Bundestag umgesetzt zu werden.“

Gestrichen wurden aber die ausführlichen Überlegungen darüber
> wo die Gründe für dieses politische Ungleichgewicht liegen könnten
(Kassandra hätte da eine oder zwei Ideen)
> wie es wieder ausgeglichen werden könnte
(auch da hätte Kassandra eine oder zwei Ideen)
> und weshalb die Dominanz der Besserverdienenden die Legitimation des gesamten politischen Systems in Frage stellt

Besonders der letzte Punkt sollte wohl klären, weshalb dieser Teil nicht erscheinen durfte. Nicht nur Medien haben gewissen Kunden Ergebnisse zu liefern 😉

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3 thoughts on “Der Geist der zukünftigen Wahlnacht

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