Zwanzigsiebzehn

Guten Morgen allerseits.
Während die ersten Betrunkenen, die gestern in den Straßen liegengeblieben sind, vom hemmungslosen Geläute der Kirchenglocken geweckt werden, müssen andere sich schon wieder der Kunst der Prophezeiung widmen. Oder besser, der Kunst, aufgrund wissenschaftlicher Basisdaten den Verlauf der näheren und ferneren Zukunft zu erschließen, wie es in diesen Blogzeilen gelegentlich der Fall ist.
Dieser Neujahrstag ist der krönende Abschluß des vergangenen Jahres, denn er fällt auf einen Sonntag. Daher auch das nervtötende Geglocke der Priester des Christentums am heutigen Morgen.

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Beginnt genauso wie das verdammte Jahr, das man sich in der Nacht endlich wegsaufen konnte: Mit Kopfschmerzen, steifem Nacken und kaltem Kreuz. 2017, was für ein Scheißjahr.

Paßt irgendwo perfekt. Dieses letzte Jahr war so grottenmäßig unfähig, daß es nicht einmal dazu in der Lage war, seine Feiertage unter die Woche zu legen. Wobei ich mich direkt frage, warum man eigentlich „unter der Woche“ sagt, wo Dinge doch immer in einer Woche liegen, unter anderem auch deren einzelne Tage. Vermutlich ist daran Frau Merkel schuld. Oder aber die Tatsache, daß wir immer noch zu wenig Kameras in Berlin aufgestellt haben, was natürlich wiederum Schuld dieser kommunistischen rot-rot-grünen Regierung in dem Bundesland ist. Das hat Generalwahrheitsminister Andreas Scheuer nämlich vor ein paar Tagen herausgefunden.
Nun ja, in Bayern beginnt Silvester und der damit häufig verbundene Alkoholkonsum bis zum Verlust jeglicher Denkfähigkeit offensichtlich schon einige Tage früher als woanders. Mit seiner lächerlichen Polemik, die Berliner Regierung handle grob fahrlässig, weil sie nicht sofort die Videoüberwachung ausweiten möchte, lenkt Andreas Scheuer mal wieder schön von der eigenen persönlichen und parteilichen Unfähigkeit ab. Der Wahlkampf ist eröffnet und die CSU liegt bereits jetzt auf der Idiotenskala quasi uneinholbar vorne. Kein Wunder, bei dem Personal.
Eine erste Vorhersage Kassandras für Zwanzigsiebzehn lautet daher: Hysterisches Gekläffe aus dem politischen Hundezwinger in Bayern mit Tendenz zur völkischen Heiserkeit, im September möglicherweise mit Stimmverlust als Folge.

Zum Glück ist eine Mehrheit der Deutschen da wohl schlauer, denn die meisten sind nicht der Meinung, daß es die Bundeskanzlerin ist, die mit ihrer Flüchtlingspolitik für den Anschlag in Berlin verantwortlich zeichnet.
Auch die deutschen Medien, die in den letzten Monaten verzweifelt versucht haben, diese seltsame und scheinbar ansteckende Kopfkrankheit namens „Populismus“ allen anderen in die Schuhe zu schieben, obwohl sie selber seit Jahren heftig unter den genannten Symptomen leiden, scheinen gegen Ende des letzten Jahres hier und da aus ihrer journalistischen Betäubung ein wenig aufzuwachen, die seit etwa 2001 massive Folgen für unsere Gesellschaft gezeigt hat.
Natürlich nur einige Medien. Was gewisse Meinungsherausgeber angeht, können wir uns auch 2017 sicherlich auf propagandistische „Berichterstattung“ allererster Güte freuen.

Für Deutschland und Europa wird das ein spannendes Jahr. Denn so viele Umfragen es auch geben mag, so haben doch die Ergebnisse des letzten Jahres eindeutig die Frage gestellt, warum Menschen und Institute, deren Haupterwerb das Erstellen von Umfragen ist, sich nicht schon längst mit der Bettelschale auf die Straße stellen müssen.
Weder den Brexit noch die Wahl des Donalds zum Inhaber des wichtigsten politischen Ablenkungsjobs des Planeten haben die superschlauen Demoskopen vorhergesehen. Dazu muß man eben Blogger in der Bambushütte am Rande der Gesellschaft sein, da hat man weniger Scheuklappen auf dem Neocortex. Versager, allesamt.
Zweifellos werden also auch dieses Jahr kluge Umfragen versuchen, die AfD in den Bundestag hineinzuschreiben – oder heraus, je nach Ausrichtung – aber auch hier ist meine Vorhersage klar: die geistig greisen Damen und Herren der völkischen Frontalverteidigung werden in das Parlament einziehen im September. Und dann zusehen müssen, wie Angela Merkel weitere vier Jahre alternativlos regiert, denn was außer einer Großen Koalition sollte im deutschen Herbst 2017 schon rauskommen an der Wahlurne?
Die einzig spannende Frage für mich persönlich ist hier, ob diese politische Zombiepartei, deren einzig halbwegs aufrechte Vertreterin Leutheuser-Schnarrenberger heißt, es wieder zurück schafft an die Fleischtöpfe der Macht oder eben nicht.
Da ein Großteil der „Wirtschaftsexperten“ dieser marktradikalen Politpeinlichkeit inzwischen zu den Völkischen Beobachtern der Pseudoalternativen abgewandert ist, habe ich da immer noch die Hoffnung, daß dieser Wurmfortsatz deutscher Politik endgültig als operiert gelten kann, wenn sich der Staub der Wahlnacht über das Land legt Ende September.

Auch sonst wird uns das Jahr 2017 mit nicht weniger Streß und Chaos einheizen als das vergangene Jahr, dieses seltsame, sich im Kopf irgendwie schmierig anfühlende Zwanzigsechzehn.
Denn Donald Trump wird in wenigen Tagen, traditionellerweise am 20. Januar, als Präsident der USA endgültig vereidigt werden. Falls ihn nicht vorher einer erschießt. Seine Ehefrau beispielsweise, irgendwer muß es ja tun.
Mit einer Regierungsmannschaft, die den Höhepunkt des kapitalistischen Lobbyismus darstellt und in ihrer arroganten, weltfremden Bestechlichkeit sogar die EU-Kommission wie eine Bande Schüler der Heilsarmee aussehen läßt, wird dieser Mann alles in seiner Macht stehende tun, um die Lange Dämmerung für das amerikanische Imperium so richtig in Schwung zu bringen.
Natürlich weiß Donald Trump das nicht, denn wie die meisten der Schauspieler auf der politischen Bühne ist er sich der Tatsache nicht bewußt, daß er wie ein Sandkorn den Fluß der Geschichte hinuntertreiben wird, auch wenn er noch so lange behauptet, er sei der Staudamm.

Trump ist ein guter Punkt zum Einhaken für das auch in diesem Jahr wieder wichtigste Thema, das den Grundrhythmus unserer Zivilisation bestimmt: Energie.
Schon jetzt ist klar, wohin unter diesem Mann die Reise Amerikas gehen wird. Nämlich in den Abgrund.
Donald Trump wird jeden Nationalpark anzapfen, jeden Stein umdrehen, wenn es gerüchteweise Öl darunter geben könnte und selbst noch unter dem letzten Parkhaus Amerikas nach Gas fracken lassen, denn dieser Mann ist das amerikanische Gegenstück zu Alexander Gauland.
Ein alternder Typ, der sein Land in eine Zeit zurückbringen will, die so in der Form niemals existiert hat. Außer im Kopf des Wahnwichtels, der da gerade große Reden schwingt, um seine Wählerstimmen zusammenzuscharren.
Bei Herrn Gauland ist es ein irgendwie fiktives Deutschland der 50er Jahre, in dem niemand schwul war. Dafür wurde man nämlich eingesperrt. Fürs lesbisch sein übrigens nicht, glaube ich.
Es war auch niemand arbeitslos. Kunststück in einem Land nach dem Weltkrieg, in dem kein Stein mehr auf dem anderen stand und das mit Amerikas Marshallplan im Allerwertesten modernste Fabriken hochziehen konnte. Es gab auch keine Nazis mehr. Klar, die waren ja auch alle wieder in der CDU. Oder in Südamerika. Oder drüben im Osten.
Außerdem mußte auch keiner neben schwarzen Fußballern wohnen, die auch noch die Frechheit hatten, in Deutschland geboren zu werden. Denn damals war Deutschland Weltmeister, wie heute auch. Aber die Bälle waren noch aus Blei und die Schuhe aus Beton.

Die politische Ignoranz wird in diesem Jahr neue Höhepunkte erreichen. In den USA wird sie sogar Präsident.

Bei Donald Trump ist diese Fiebervision das Amerika der 50er und 60er Jahre.
Das Amerika der Heckflossen an Cadillacs, die so groß waren, daß die Kisten 30 Liter Sprit auf hundert Kilometer verbrauchten und man sich auf dem Rücksitz nicht nur von einer, sondern gleich drei Schulfreundinnen einen blasen lassen konnte. Zusätzlich wäre da noch Platz für einen Kameramann gewesen, wären Kameras vor 60 Jahren nicht noch größer gewesen als das verdammte Auto.
Ein Amerika, in dem Schwarze noch Neger waren und gefälligst im Bus hinten zu sitzen hatten, der Vietnamkrieg natürlich von den gottlosen Kommunisten niemals gewonnen werden konnte und John Wayne noch mit geföhntem und offen getragenem Brusthaar durch den radioaktiv verstrahlten Staub Nevadas ritt und nicht etwa ein Wladimir Putin durch die russische Taiga.
Überhaupt gab es damals einen aufrechten Mann wie Joseph McCarthy, der mit seinen Komitee gegen „antiamerikanische Umtriebe“ so nah an Hitler und Goebbels dran war, daß die importierten Naziwissenschaftler in den besagten verstrahlten Wüsten keinen Unterschied zu ihrem ehemaligen Führer entdeckt hätten.

Jetzt ist dieses Amerika weniger fiktiv und von Demenz überschattet als das Deutschland im Kopf eines Herrn Gauland. Allerdings krankt es am gleichen Problem. Es wird sich nicht wiederherstellen lassen, indem man einfach versucht, die Menge an fossilen Rohstoffen zu erhöhen, die wir in unserer Zivilisation so verbrennen.
Die Spielregeln sind auf dem Planeten Erde des Jahres 2017 fundamental anders als auf dem Planeten, den es seit etwa 1971 nicht mehr gibt. Das war das Jahr, in dem die USA ihr persönliches Peak Oil hatten. Nie wieder sind seit damals so viele Barrel gefördert worden in den Vereinigten Staaten, zum damaligen Zeitpunkt etwas über 11 Millionen pro Tag.
In völliger Verkennung dieser Tatsachen wird Donald Trump versuchen, die amerikanische Kohleindustrie zu retten, das hat er ja bereits angekündigt. Ich wünsche ihm dabei sehr viel Spaß, aber mit Sicherheit keinen Erfolg. Denn den wird er nicht haben. Die Kohleindustrie ist nicht mehr zu retten.

Die Ernennung eines Befürworters exzessiver Kohleförderung wie Scott Pruit zum Chef der Umweltschutzbehörde EPA spricht eine ganz klare Sprache. Donald Trump selbst glaubt an „clean coal“, diese von der Industrie in die Welt gesetzte Legende, daß man Kohle aus dem Boden holen und verbrennen könne, ohne damit irgendwie die Erdatmosphäre mit zuviel an CO2 zu belasten. Rauchen Sie außerdem auch diese gesunden Zigaretten, denn Tabak enthält Vitamine!
Was Donald Trump auf dem Spielfeld der Energiepolitik für Verwüstungen anrichten wird, kann man sich mit normalem Tabak wirklich nicht mehr schön rauchen. Da muß was anderes her.
Ich weise alle Leser ausdrücklich darauf hin, daß die Amerikaner selber schuld sind am Krieg mit Kanada und den Hungeraufständen des Jahres 2023, ebenso an den Klimaflüchtlingen aus Kalifornien und von der Golfküste. Nur für den Fall, daß die USA um internationale Hilfe ersuchen sollten, wenn es soweit ist.

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Der neue US-Präsident bei seiner Amtseinführung am 20. Januar 2017.
Die Rede zur Lage der Nation dürfte sehr spannend werden. Vermutungen der Finanzmärkte lassen auf ein Bauprogramm für Todessterne schließen.

Donald Trump kann es versuchen, aber auch er wird den Gesetzen des Marktes und der Physik nicht entkommen. Die Tatsache, daß es keinen idealen Preis mehr gibt, bleibt weiterhin bestehen.
Auch 2017 wird der Gesamtenergiegehalt unserer globalen Zivilisation weiterhin abnehmen. Was, ganz nebenbei bemerkt, der Grund dafür ist, daß eben diese Welt wirtschaftlich vor sich hin dümpelt, statt dank billiger Energie ein dynamisches Wachstum hinzulegen. Das Zeitalter des Wachstums ist vorbei und es wird nicht wiederkehren.

Diese Tatsache ist ebenso schlicht wie ihre Auswirkungen auf unsere Welt massiv sind und sein werden. Natürlich werden Politiker allerorten diese Erkenntnis weiterhin vollständig ignorieren und die Börsen ebenso. Wenn jemand hier kurzfristig mit Aktien spekuliert – ich denke mal, daß der Höhenflug des halluzinierten Wohlstands sich durchaus noch eine Weile fortsetzen wird. Es gibt also jede Menge Papiergeld zu gewinnen, nur Mut.
Während die Realität vieler Menschen zunehmend anders aussieht als krakelige Linien auf Börsen-Dashboards und Jubelmeldungen in Pressemitteilungen, werden diese Linien in diesem Jahr sicherlich den einen oder anderen Rekordstand erreichen. Das ändert aber nichts daran, daß Donald Trump über die größte finanzielle Kernschmelze präsidieren wird, die es in der Wirtschaftsgeschichte jemals gab.
Kassandra wagt an dieser Stelle eine mittelfristige Prognose: Die USA werden gezwungen sein, ihre Öl- und Gasindustrie zu verstaatlichen.
Diese Verstaatlichung wird um so schneller erfolgen, je mehr „Erfolge“ der neue Präsident mit seiner Energiepolitik feiern wird. Diese Verstaatlichung kann offen erfolgen oder heimlich. Das wäre dann eine „Marktbereinigung“ oder „Konsolidierung“ oder „Förderung einheimischer Industrien“ oder „Sicherung amerikanischer Arbeitsplätze“ oder eine Kombination dieses Bullshit-Marketing-Neusprech in irgendeiner Form. Aber dieses Ereignis wird stattfinden. Je mehr Trump, desto schneller. Vielleicht schafft er es, sich vom Gong retten zu lassen, wenn man die Statistiken schnell genug fälschen kann. Aber das ist dann Thema für Zwanzigzwanzig, sollte ich dann noch bloggen.

Auch Rekorde nach unten sind natürlich jederzeit möglich, immerhin ist Politik gleich Wirtschaft und umgekehrt und die Politik ist ein sicherer Kantonist des Wahnsinns in diesen interessanten Zeiten, in denen wir leben.
Die Türkei beispielsweise stemmt sich gegen ihren ökonomischen Abstieg, der sich in steigender Inflation, steigender Arbeitslosigkeit und sinkendem Kurs der Landeswährung ausdrückt. Schon mehrfach hat die Regierung ihre Landsleute aufgefordert, vorhandene Dollars oder Euros in Lira umzutauschen, um so den Kurs zu stützen.
Für einen Präsidenten wie Erdogan sind das natürlich alles antitürkische Verschwörungen, da bin ich mir vollkommen sicher. Der kranke Mann am Bosporus hat im letzten Jahr mehrfach bewiesen, daß seiner Paranoia keine Grenzen gesetzt sind. Kaum sah es so aus, als würden die Kurden im Konflikt gegen den „Islamischen Staat“ im Nachbarland Syrien an Boden gewinnen, mischte sich Erdogans Türkei in die Kämpfe ein.
Der seltsame Putschversuch im Sommer tat dann sein übriges, die Wiedereinführung der Todesstrafe wird bestimmt nicht lange auf sich warten lassen. Natürlich ist das alles der Wille des Volkes, schon klar. Das es in einer Demokratie möglicherweise auch explizit Aufgabe eines Parlaments oder Präsidenten sein könnte, den Willen des Volkes nicht zu befolgen – auf die Idee kommt wieder keiner.
Denn das Volk ist manchmal auch nur ein Haufen grölender Idioten und der Wille dieses gruseligen Haufens etwas, das niemand ernst nehmen kann, der auch nur ansatzweise mit den Wertvorstellungen des Humanismus Kontakt hatte in seinem Leben. Aber da besteht natürlich bei einem Staatschef wie Erdogan keine Gefahr.
Ich bin mal gespannt, wie lange es dauern wird, bis der Besitz ausländischer Währungen ein eindeutiger Beweis dafür ist, daß man der Gülen-Bewegung angehört. Also ein Terrorist ist. Überhaupt war diese Gülen-Bewegung derartig weit verbreitet, daß ich mich wundere, wie Erdogan überhaupt Präsident werden konnte. Lehrer, Universitätsprofessoren, Journalisten dutzender Fernsehsender und Tageszeitungen, Putzfrauen im Parlament, Straßenfeger und Kindergärtnerinnen – das Netzwerk der Gülen-Bewegung ist wahrlich überall und Zehntausende, wenn nicht gar Millionen Türken gehören ihm an.
Der Tod der türkischen Demokratie ist also längst eingetreten. Im Jahr 2017 wird die Leiche so richtig zu stinken beginnen und die Beziehungen dieses Landes zur EU sicherlich sehr erheiternd gestalten. Die ganze Nummer geht schon so weit, daß türkische Soldaten in den USA oder türkische Staatsbürger in Deutschland glatt politisches Asyl beantragen.

Das ist ein bißchen doof für die Bundesregierung, also die Kanzlerin. Denn die übliche Methode, einen windigen Deal abzuschließen und dann Gras über die Sache wachsen zu lassen, wird in diesem Falle nicht funktionieren. Wenn aber schon eine unverbindliche Ressolution des Bundestages, die den Völkermord an den Armeniern auch einen solchen nennt, in Erdogans Augen Unterstützung des Terrorismus darstellt – was wird ann erst los sein, wenn hordenweise Kurden in Deutschland Asyl beantragen und bekommen?
Vermutlich wird Erodgan dann Berlin bomardieren lassen, immerhin nach Istanbul und Ankara die drittgrößte türkische Stadt der Welt. Irgendwo in Kreuzberg leben bestimmt terroristische Kurden oder Anhänger von Gülen oder beides.
Aber ich hatte ja schon letztes Jahr erwähnt, daß Frau Merkel besser mal nach Athen geflogen wäre statt nach Ankara.

A propos Athen. Das ist ja nun die Hauptstadt von Griechenland und ich hatte vorhergesagt, daß dieses Land in Sachen Schuldenkrise wieder in den Schlagzeilen auftauchen würde. Nun ja – es hat eine Weile gedauert und solche Dinge wie die völlig barbarische Zerstörung Aleppos waren in den Nachrichten lauter. Aber so ein bißchen recht hatte ich doch.
Der Chef des Landes, Alexis Tsipras, wollte vor Weihnachten tatsächlich Geld ausgeben. Der Plan war es, den Rentnern in Griechenland Geld in die Hand zu drücken. Und zwar etwa 600 Millionen Euro. Also, nicht für jeden Rentner, schließlich geht es ja um Menschen und nicht um Banken. Als Gesamtsumme halt. Und auch nur für alle, die weniger als 850 Euro pro Monat bekommen. Einleuchtende Begründung: Diese Rentner hätten bisher die Hauptlast der Sparmaßnahmen getragen.
Da hatten die Gläubiger in Brüssel sofort wieder Schaum vor dem Mund. Denn womöglich hat Griechenland dieses Geld gar nicht. Wo kämen wir denn da hin, wenn Länder Geld ausgeben, das sie gar nicht haben? Für die Bevölkerung auch noch? Wo doch jeder weiß, daß die Banken das Geld brauchen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Also haben die demokratisch unlegitimierten Bewacher des griechischen Finanz-KZ derartig ungerechte Maßnahmen verboten und die Schuldenerleichterungen in Frage gestellt.
Ich finde diese Scheingefechte immer wunderschön. Denn es sei angemerkt, daß es sich bei „Schuldenerleichterungen“ um nichts anderes handelt als irgendwelche Maßnahmen, die einen als Bilanzbuchhalter einer Bank unmittelbar in den Knast befördern würden. Anders gesagt, die „Erleichterungen“ ermöglichen es Griechenland und seinen Gläubigern, weiterhin so zu tun, als sei das Land nicht völlig pleite. Was es wiederum den Gläubigern ermöglicht, auch in Zukunft „Sparmaßnahmen“ durchzusetzen, die wiederum dazu führen, daß diese Gläubiger mit dem Ausbluten der Reste der griechischen Volkswirtschaft weiterhin Geschäfte machen können.

Im Jahre 2009 übrigens beschloß eine deutsche Kanzlerin eine Abwrackprämie für vollkommen intakte und betriebsfähige Autos, die niemandem nützlich war außer der Autoindustrie. Kostenpunkt waren damals 5 Milliarden Steuereuronen.
Im Gegensatz zu einem griechischen Rentner, der das bißchen Geld sofort für Feuerholz und Oliven ausgibt – und somit gemäß unserer herrschenden Wirtschaftstheorie einen ökonomischen Mehrwert erschafft – hat die deutsche Autoindustrie mit dem Geld nichts gemacht. Außer ihre steigenden Profite runterzurechnen, um nicht so viele Steuern zahlen zu müssen.
Man kann sich jetzt also kurz fragen, welche Idee für eine Volkswirtschaft sinnvoller ist. Man könnte sich auch einfach mal fragen, was denn wohl Gebrauchtwagen- und Schrotthändler so von Frau Merkels Idee gehalten haben. Von irgendwelcher Ökologie, weil man die abgewrackten Autos ja neu kaufen und die vorher einer herstellen muß, rede ich an der Stelle mal gar nicht.
Aber normalen Menschen Geld in die Hand drücken, damit die das wieder ausgeben? Nein, das geht nicht, da muß man an die Märkte denken.

Auch 2017 wird fortschreitender Klimawandel die ‚Finanzkrise‘ und globale Wirtschaftsschrumpfung auf mittlerer Flamme weiter köcheln.

Das mit dem Feuerholz ist übrigens keine Satire. In Griechenland schneit es nämlich. Wie neulich in der Sahara auch. Im deutschen Winter hat es der Glühwein noch nicht so recht unter den Gefrierpunkt geschafft.
Das paßt zum restlichen Bild im Jahr 2016. Denn je weiter man nach Norden kommt, desto wärmer wird es im Moment. Am Nordpol sind die Temperaturen deshalb konsequenterweise aktuell etwa 20°C höher als sie es normalerweise sein sollten. Anders gesagt: Es ist Tiefwinter und am Nordpol taut’s.
Die Geschwindigkeit der Veränderungen in der Arktis ist allgemein viel höher, als man das je angenommen hatte. Die Wissenschaftler kommen da schon kaum noch hinterher. Aktuell schaufelt eine Art zerrissener Jetstream warme Luft an den Nordpol, was zu der, diplomatisch gesagt, ungewöhnlichen Wetterlage führt. Da kommt Donald Trumps Idee, die 60er Jahre wiederzubeleben, gerade rechtzeitig. Damals waren Eisbären noch richtige Eisbären und der Nordpol war noch ein richtiger Nordpol und nicht so ’ne feuchte Pussy wie heutzutage.
Dabei ist das kein einmaliges Ereignis. In letzten Jahr war es nämlich ganz ähnlich. Gut, es ist immer noch eindeutig kalt genug für einen Glühwein am Nordpol. Aber eigentlich sollte es so kalt sein, daß einem der in der Tasse einfriert.
Kassandra wagt auch hier mal eine mittelfristige Prognose: Entgegen früherer Ansagen, der Nordpol werde bis 2045 im Sommer eisfrei sein, wird dieser Zustand bereits bis 2020 eintreten. Darauf wette ich ein Fäßchen Glühwein. Ich würde den sogar trinken, wenn ich die Wette verliere.

Aber der Schneefall in eigentlich traditionell eher wärmeren Gegenden zeigt deutlich, daß eben nichts mehr so ist, wie es mal war. Oder wie man immer dachte, daß es sei. Außer in Italien. Da ist nämlich die uralte Traditionsbank Monte dei Paschi immer noch pleite und muß jetzt ganz überraschend gerettet werden. Natürlich, nachdem der Finanzminister im Sommer noch lautstark das Gegenteil behauptet hatte. Das hatte er allerdings auch erst behauptet, nachdem man mit der EZB konferiert hatte, damit die den Deckel übernimmt.
Macht aber alles nichts, denn da Matteo Renzi sein Referendum zur Verfassungsreform neulich verloren hat, wird in Italien vermutlich im Frühjahr neu gewählt. Zumindest nehme ich das an. Der Staatspräsident war zwar dagegen und hatte Renzi eine Weiterführung der Amtszeit empfohlen. Aber Renzi hat eigentlich nur eine Chance, die Macht nach seinem Rücktritt nicht völlig aus der Hand zu geben, und die heißt eben Neuwahl.
In diesem Land bleibt also alles beim alten. Es ist nicht weniger pleite als Griechenland und die Banken können noch immer nichts, außer Steuergelder in die Heizung zu schaufeln. Moral von der Geschicht: Solange Banken immer schön gerettet werden, ist das gut für die Märkte. Und was gut für die Märkte ist, ist immer gut für ein Land. Auch wenn es darüber verhungern muß.
Das wäre dann Regierung Nummer 67 seit Ende des Zweiten Weltkriegs, wenn ich das grob überschlage. Auch die Verweildauer italienischer Regierungen bleibt also erhalten. Sollte beim Pleite-Nachbarn Griechenland dieses Jahr eine Neuwahl fällig werden, wird da nichts beim alten bleiben. Denn nachdem die Griechen jetzt alle Optionen durch sind, werden sie beim nächsten Mal zweifellos die Faschisten wählen. Irgendwann ist es halt genug mit marktkonformer Demokratie.

Überhaupt hat die ganze EU dieses Jahr ganz schön die Wahl. Beispielsweise auch in Frankreich, da steht im Mai die Neuvergabe der Staatspräsidentschaft an.
Nachdem Franz Holländer, trotz seines Namens der aktuelle Amtsinhaber, es nicht geschafft hat, den Franzosen ein Hartz-IV-Programm deutscher Prägung aufs Auge zu drücken, weil Franzosen nämlich gegen so einen Scheiß auch mal demonstrieren, holt der Neoliberalismus jetzt zum großen Doppelschlag aus.
Denn als neue Hoffnung gegen die rechtslastige Marine le Pen, dieses ungeliebte Kuckuckskind der französischen Marianne, präsentiert sich in letzter Zeit ausgerechnet ein Mann namens Francois Fillon. Das ist in etwa so, als würden sich Horst Seehofer und Alexander Gauland als schwules Paar zusammen klonen lassen und Bundeskanzler werden wollen. Und das mit dem Versprechen, linksliberale Sozialpolitik zu machen. Aber natürlich erst, nachdem man alle Ausländer und speziell Muslime in Lager gepackt hat, um sie überwachen zu können.
Etwa in dieser Gestalt präsentiert sich das Programm des Mannes, der da als „konservative“ Hoffnung herumgereicht wird, auch und gerade in deutschen Medien. Übrigens hat Herr Gauland den französischen Geistesbruder schon ausdrücklich gelobt, das sollte Warnung genug sein.
Das Ganze läuft im deutschen Qualitätsjournalismus nach dem klaren Motto: „Wenigstens ist er nicht Le Pen“.
Es ist nur so, daß gerade eine Präsidentschaftskandidatin in den USA mit dem gleichen Prinzip gescheitert ist. „Trump ist noch schlimmer als ich“ war eben als Argumentation nicht überzeugend genug. Man darf also gespannt sein, was der Mai alles neu machen wird.

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Die IMS Europa im Jahr 2017: Weiterhin unbeirrt auf Kurs. Volle Kraft voraus! Was soll denn auch schon schiefgehen?

Im selben Monat wird auch in Deutschland gewählt. Der Landtag. Im bevölkertsten Bundesland von allen, nämlich NRW. Ich nehme an, daß die ehemalige SPD hier schon mal einen Ausblick auf ihren Untergang im September erhalten wird, während widerwärtige Pöbelgestalten, die mit Frau Petry liiert sind, dann ihr Gehalt vom Staat beziehen werden, den sie am liebsten abschaffen möchten. Das Ganze dann unter der Vortäuschung, irgendwie den „kleinen Mann“ zu vertreten. Voll sexistisch, übrigens. Was ist mit den kleinen Frauen?
Eben. Die AfD ist halt eine Mogelpackung für die ganz Frustrierten, die sich von Fakten nicht wirklich beeindrucken lassen wollen. Was diese Ansammlung politischen Strandguts nicht daran hindern wird, im Herbst zweitstärkste Partei im Bundestag zu werden. Was wiederum daran liegen wird, daß die ehemalige SPD eben doch keine zwanzig Prozent mehr bekommt.
Aber sobald die CDU ihrer Kanzlerin den Dolch in den Hosenanzug gerammt hat, können dann endlich überall Kameras angebracht werden. Damit kriegen wir die irren Islamisten bestimmt. Wobei – das hätte man auch in Sachen Berlin schon hingekriegt, wenn der BND nicht so sehr damit beschäftigt wäre, deutsche Computer mit Bundestrojanern zu verseuchen, damit man das Volk dabei überwachen kann, wie es Pornos ins Internet hochlädt. Derart hochwichtige Aufgaben haben natürlich Vorrang. Auch der Verfassungsschutz wird dann mehr Geld kriegen und mehr Kompetenzen. Dann kann er demnächst rechtsradikale Terrorzellen direkt unterstützen und muß nicht mühselig über V-Männer arbeiten und hinterher Akten schreddern.

Falls das jemand für die üblichen Beschwerden von links hält, was Datenschutz und Bürgerrechte angeht: In den USA wird am 20. Januar ein Präsident vereidigt, der das gesamte Überwachungsgeraffel übernimmt, das ein George W. Bush angeschafft hat. Ausgebaut wurde der Orwell-Staat dann von Barack Obama, dem schon alle nachweinen. Es ist derselbe Barack Obama, der jetzt noch schnell ein Gesetz eliminieren läßt, mit dem Muslime in den USA einem Registrierungszwang unterlagen.
Ja – das, was Donald Trump im Wahlkampf als völlig unmöglich und faschistisch vorgehalten wurde, nämlich sein Spruch, alle Muslime müßten registriert werden, existiert längst. Die Ausführung dieses Gesetzes wurde 2011 eingestellt, das soll hier nicht unterschlagen werden. Aber das Gesetz an sich existierte bereits und nichts würde einen Trump daran hindern, es notfalls noch einmal neu zu entwerfen.
Dies nur als kleinen Hinweis für alle, die immer sagen, sie hätten ja nichts zu verbergen. Das ist nämlich immer davon abhängig, wer gerade so regiert in einer Demokratie.

Auch ein Mann wie Amri, der Killer-Tunesier vom Berliner Weihnachtsmarkt, wurde nicht von einer Kamera erschossen. Sondern von zwei italienischen Polizeibeamten, die einfach ihren Job gemacht haben. Im Gegensatz zu deutschen Behörden, die sich damit rausreden wollen, sie hätten ja keine gesetzliche Handhabe gehabt, um was zu machen. Was Schwachsinn ist, denn diese Grundlagen sind sehr wohl vorhanden. Da hatten wieder mal ein paar Ressortleiter nur keinen Bock. Ist ja auch schön, denn da kann man hinterher mehr Geld fordern, mehr Kompetenzen und mehr Überwachung immer und überall.
Amri flüchtete übrigens über die Niederlande und dann nach Frankreich. In unserem Nachbarland herrscht noch immer Ausnahmezustand. Erwischt hat ihn trotzdem keiner, dazu mußte der Mann erst in Mailand aus dem Zug steigen. Sollten weitere Anschläge vor den französischen Wahlen stattfinden, wird zumindest der Ausgang dieses Ereignisses leicht vorhersehbar sein.

In Polen protestieren derweil weiterhin Anhänger der Opposition gegen die gewählte Regierung. Mit Besetzung des Parlamentsgebäudes. Und es geht dabei nicht nur um rein politische Opposition. Der heimliche Staatschef Kaczyński hat das dann auch folgerichtig als versuchten Putsch bezeichnet. Da fühle ich mich gleich wieder an den kranken Mann am Bosporus erinnert. Überall in Europa und anderswo ist deutlich zu sehen, das die Demokratie noch schneller verschwindet als das Eis am Nordpol. Nicht nur Weimar Amerika wird sich 2017 weiter manifestieren. Auch Weimar Europa ist dabei, mehr und konkretere Gestalt zu gewinnen.

Kassandras Fazit für 2017: Same shit, different year. Davon aber mehr und in Farbe. Die miesen Zeiten von heute werden die guten alten Zeiten von morgen sein.

Auch 2017 werden uns politischer Wahnsinn und schleimige Heuchlei, serviert an Doppelmoral und Volksverarschung, weiterhin erhalten bleiben. In so ziemlich allen Ländern Europas und auch bei allen deutschen Parteien, seien sie bereits im Bundestag oder nicht.
Immmer mehr wird klar, daß Europa nicht nur ökonomisch getrennt ist, nämlich in Nord und Süd. Denn das war ja bereits vor Einführung des Euro kein Geheimnis. Nein, das Jahr Zwanzigsechzehn hat deutlich gemacht, daß die EU auch in Ost und West weiterhin gespalten ist. Die Länder des ehemaligen Warschauer Pakts haben eine völlig andere Auffassung von Freiheitsrechten ihrer Bevölkerung oder auch Menschenrechten allgemein, als das westlich der Oder-Neiße-Grenze der Fall ist. Aller Heuchelei zum Trotz macht sich hier doch ein qualitativer Unterschied bemerkbar. Die Gesamtzukunft des Gebildes EU ist also auch für 2017 weiterhin negativ mit Tendenz zum Absturz.

In den USA wird ein Präsident das Land über Twitter regieren und ist schon mal dabei, sich mit den Chinesen anzulegen. Denn einer muß ja schuld sein, wenn das kohlebefeuerte Schiff „Greater America“ noch im Hafen kläglich absaufen wird.
Wenn Trump alles fracken läßt, was nicht bei Drei auf dem Baum ist, wird der Stoff, aus dem unsere Zivilisation gebaut ist, erst recht weiterhin billig bleiben.
Das wiederum ist nicht nur schlecht für die USA, die Trump retten möchte, sondern auch schlecht für Rußland. Hier sehen zwar die Wirtschaftsdaten besser aus, aber noch immer ist die Inflation deutlich über allem, was man bei uns so hinnehmen würde. Und an der Abhängigkeit von fossilen Exporten ändert auch ein Wladimir Putin nichts. Da geht es den Russen nicht besser als Saudi-Arabien.
Zwar ist die saudische Kriegskasse noch gut gefüllt, aber die Einschnitte im Etat, durch fehlende Öleinnahmen bedingt, machen sich bemerkbar. Das Haus Saud, diese autokratische Horde fanatischer Islamistenförderer, verstrickt sein Land derweil immer tiefer in den Krieg im Jemen, der täglich teurer wird und letztlich auch nicht zu gewinnen ist. Früher oder später werden die Umstände der Langen Dämmerung das Regime in Riad zu Fall bringen.
Israel ist derweil stinksauer darüber, daß der große Bruder USA nicht wie immer eine UN-Resolution mit Veto belegt hat, in der essentiell drinsteht, daß die Siedlungspolitik der Regierung scheiße ist und diese Regierung aus faschistoiden Betonköpfen besteht, die den Frieden in Nahost gefährden. Israels Premierminister bestellte daraufhin die Botschafter von 12 Ländern ein. Es wird gerüchtet, daß Netanjahu im Vorfeld anderen Regierungen gesagt haben soll, wenn sie gegen Israel stimmten, wäre das eine Kriegserklärung.
Auch in Nahost wird uns 2017 also nichts Neues erwarten, da ist sich Kassandra sicher.

Wenigstens woanders redet man über Klimaverbesserungen. In Marakesch zum Beispiel, das liegt in Marokko. Dort haben 47 Staaten ihre Absicht erklärt, beizeiten völlig auf fossile Brennstoffe verzichten zu wollen.
Außer Deutschland. Der Umweltmusterschüler mit den Autokonzernen, die beim Abgas bescheißen, hat sich dank seines Wirtschaftsministers wieder unbeliebt gemacht. Denn Sigmar Gabriel findet Kohle so toll, daß er sie weiter beibehalten möchte. Wenn das Donald Trump wüßte. Lobbyismus, fuck yeah!
Ob aus den Versprechungen der Konferenz was wird, lasse ich dahingestellt.
Aber allein diese Ankündigung macht völlig klar, daß es nicht nur die globale Fördermenge ist, die den Ölpreis beeinflußt. Auch die Entwicklung der Nachfrage ist wichtig und die scheint eher schwach zu sein und zu bleiben.
Immer mehr zeigen sich die Symptome der Grenzen des Wachstums auch in alltäglichen Ereignissen.
Die Entscheidung der OPEC, ihre Fördermenge zu senken, führte beispielsweise nicht zu dem deutlich steigenden Preis, den sich Wirtschaftsjournalisten schon jubelnd versprochen hatten. Wird sie auch nicht. Und das, obwohl auch Nicht-OPEC-Staaten mitmachen, Rußland als wichtigster Förderer allen voran.

China ist inzwischen zum weltgrößten Kapazitätstreiber für Regenerative Energien geworden, auch das ist natürlich für fossile Firmen ein Schlag ins Genick. Allerdings ist das auch dringend notwendig, die chinesische KP tut das nicht, weil sie die Umwelt so sehr mag.
Denn China geht einer ökologischen Katastrophe ungeahnten Ausmaßes entgegen. Vor einigen Tagen waren mehrere hunderttausend Chinesen dabei, woanders hinzufahren, weil man die Luft da, wo sie wohnen, nicht mehr atmen konnte. Die meisten der geschätzt 500 Millionen Betroffenen mußten aber bleiben, wo sie waren.
Derweil baut Chinas Regierung fleißig Waffensysteme auf den künstlichen Inseln in der südchinesischen See, mit denen China seinen Hoheitsanspruch…nun ja, zementieren will. Ablenkung von innenpolitischen Querelen durch außenpolitisches Säbelrasseln wäre nicht neu in der Politik.
Das ist dann wieder etwas, das Donald Twitter auf den Plan ruft, der dann Chinas Regierung beschimpft. Oder undiplomatisch mit der Regierung Taiwans telefoniert, das ja von China als abtrünnige Provinz betrachtet wird.
Daraufhin werden die Herren in Peking mit den drei Billionen Dollar knistern, die das Land als Devisenreserve im Koffer hat und Donald wird sehr schnell sein großes Maul halten, wenn er schlau ist. Beziehungsweise, wenn ihm einer seiner Kumpels was Schlaues rät. Kassandra sieht im Pazifikraum eine klare Tendenz zur Eskalation, denn die ersten „Verbündeten“ gehen dem US-Imperium bereits von der Fahne.

Auch der Schaukampf zwischen der Supermacht, die keine mehr ist und der, die nie eine sein wird, bleibt uns 2017 also sicherlich erhalten.
Dauerzahlungen an notleidende Banken als Vertreter des notleidenden Kapitalismus werden weiter mehr Unterstützung finden als Einmalzahlungen an griechische Rentner.
Vielleicht sollte man noch schnell zum Great Barrier Reef fliegen, bevor es endgültig an zu warmen Wasser oder zu saurem Ozean stirbt. Jedenfalls scheinen das eine Menge Leute für eine gute Idee zu halten. Katastrophentourismus der anderen Art. Auch die allgemeine menschliche Weigerung, die Zeichen der Zeit eventuell in etwas größerem Zusammenhang zu sehen oder wenigstens mal ansatzweise wahrzunehmen, wird sich in diesem Jahr fortsetzen. Da ist Kassandra absolut zuversichtlich.

Und was ist besser für ein Neues Jahr als Zuversicht bei dem, was man tut?
Kassandra wünscht ein frohes Neues Jahr. Prost, Gemeinde!

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8 thoughts on “Zwanzigsiebzehn

  1. Schön geschimpft! Aber ist es nicht etwas übertrieben, Regierungsprogramme zu kritisieren, die eine nie existiert habende Vergangenheit anstreben? Das gehört doch spätestens seit Hegel zum guten Ton der aufgeklärten Staatsphilosophie, worauf wir als Deutsche doch sehr stolz sein können.

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    1. Ach, Hegel. Hegel war ein Horst.
      Außerdem hält heute keiner mehr was von aufgeklärter Staatsphilosophie. Sonst gäbe es mehr Staatsmänner. Und Staatsfrauen. Wir haben nur Politiker. Armseliger Haufen meistens.
      Und Machiavelli war auch Staatsphilosophie.

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      1. Niccolo war ziemlich schlau und alle haben bei ihm gespickt. Unter anderem, daß man die hegelsche Staatsphilosophie in Ehren hält, in dem man autokratische Regierung von viel schlauem Getue und Rechtfertigungen ummanteln läßt. Und der größte Geniestreich ist doch, den staatsmänischen Vortänzer einzusparen und die Regierung dem Kommitee der grauen Herren zu überlassen.

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      2. und die Regierung dem Kommitee der grauen Herren zu überlassen.

        Ja, daß die Grauen Herren gesiegt haben, ist 2017 noch immer so wahr wie zu dem Zeitpunkt, an dem ich es geschrieben habe.

        Und natürlich ist das konsequent, diese Ablenker abzuschaffen und einfach selber den Laden zu führen. Wobei ich nicht weiß, ob das Genie der Grauen Herren ist oder Dummheit der Wählenden. Mit Wahlen hatte Niccolo es ja noch nicht so.

        Auch Zwanzigsiebzehn wird eine interessante Zeit sein, zweifellos 😀

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      3. Tja, Republiken sind halt nicht mehr so aktuell. Es gibt ja schon Studien, die feststellen müssen, daß die USA keine Demokratie mehr sind.

        Würden mehr Menschen die „Discorsi“ mal gelesen haben, wären derartige Studien unnötig. Nicht nur in den USA 😉

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      4. Ich wußte doch, Blogger die Weltuntergansszenarien mögen, mögen auch die Schriftsteller der Renessaince. Grade bin ich übrigens mit Wells‘ Luftkrieg durch. Bin angenehm überrascht, weil ich bisher nur „Krieg der Welten“ als Phänomen der Popkultur kann und von der Existenz eines ernsthaft denkenden Schriftstellers dahinter gar nichts wußte.

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      5. Blogger, die diesen Weltuntergang mochten, lasen auch Weltuntergänge von… 😀

        Latürnich steckt hinter Wells sehr wohl ein ernstzunehmender Denker. Typischer Userfehler, weil SF und dann später Popkultur-Verwurstung. Die interessantesten Dinger erfährt man nur durch Lesen. Beispielsweise, daß das Wort „Evolution“ bei Darwin gar nicht vor der 6. Auflage von „Origin of species“ auftaucht und er das übernommen hat und nicht selbst erfunden.

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