Die Zukunft ist smart

„Es ist erschreckend offensichtlich geworden, daß unsere Technologie unsere Menschlichkeit überflügelt hat.“
Albert Einstein

Dem Ölland mit den „größten Reserven der Welt“ fehlt es an Sprit. So schreibt es die FAZ über Venezuela. Ja, Venezuela, nicht etwa Saudi-Arabien.
So weit dann zu „Reserven“. Oder „Öl“. Erstens ist venezolanisches „Öl“ ein fieses Zeug voller Schwefel und relativ zäh. Kein Vergleich mit dem, was früher so aus dem Boden sprudelte, wenn man einen Stock in einen Tümpel im Sumpf gerammt hat. Das war so in den 50er Jahren. Was Venezuela heute fördert, fällt unter „Schwerstöl“. Das heißt nicht umsonst so.
Zweitens muß man eben dieses zähe Zeug gründlich und langwierig raffinieren, um was daraus zu machen. Benzin, beispielsweise. An eben diesen Kapazitäten mangelt es dem Land gewaltig. Das angebliche Ölland muß einen Großteil des Benzins importieren. Voll nützlich, dieses ganze Öl, wenn man keine Raffinerien hat.
Ach ja – drittens hat man die venezolanischen Reserven vermutlich das letzte Mal bewertet, als der Ölpreis bei 115 Dollar lag. Denn „Reserven“ bedeutet grob: Alles, was aussieht wie Öl und eventuell ökonomisch ausgebeutet werden kann zu aktuellen Bedingungen. Im Grunde müßten also die „Reserven“ von allem – denn das Prinzip gilt für alle Rohstoffe – regelmäßig neu bewertet werden. Die meisten Länder tun das aber nicht. Aus Gründen.

Venezuela gehört zum Beispiel zur OPEC und dieser Laden legt seine Förderquoten fest im Verhältnis zu den Reserven, die ein Land angibt.
Öl, Kohle, Gas, Eisenerz und andere Dinge sind nur dann „Reserven“, wenn sie auch ökonomisch nutzbar sind. Alles andere fällt definitionsmäßig unter „Ressource“. Die großen Ölgesellschaften der Welt haben schon Anfang 2014 und davor dank so horrend teurer Methoden wie Fracking mit Verlusten gearbeitet. Das war vor dem Rückgang der Preise um gute 60 Prozent. Sollte jetzt eine Firma wie – sagen wir mal, Exxon Mobil – gezwungen sein, die eigenen Investitionen neu zu bewerten, dann würde der Wert des gesamten Konzerns um eben diese Prozente sinken. Denn plötzlich wäre mein Öl in den Büchern eben mit realistischen Werten verzeichnet. Das wäre allerdings für börsennotierte Großkonzerne der Energiebranche ziemlich unangenehm. Deshalb verzichtet man großzügig auf derartig kleinliche Bilanzierungsregeln. Immerhin hat man das bei den Großbanken ja auch getan. Wenn man früher miese Papiere ausgelagert hat, um sie dann aus den eigenen Büchern zu streichen und so zu tun, als sei alles tiptop in Ordnung, war das Bilanzbetrug. Heute ist es längst gängige Praxis.

Im Moment fördern sich die größten Ölländer der Welt allesamt in den finanziellen Ruin. Unter anderem natürlich auch Venezuela, denn dieses Land braucht nach verläßlichen Schätzungen einen Ölpreis von etwa 85 Dollar pro Barrel, um profitabel arbeiten zu können. Dieser Preis ist aber seit dem Herbst 2014 nicht mehr existent und auch derzeit nirgendwo in Sicht. Die Wahrscheinlichkeit, daß Venezuela also an den zu niedrigen Ölpreisen stirbt und sich in einen failed state verwandelt, steigt quasi seit gut zweieinhalb Jahren täglich. Wie Griechenland, nur eben mit Öl. Von irgendwelchen ökologischen Aspekten oder der Tatsache, daß auch Bergbau nicht mit Hamstern betrieben wird, reden wir da mal gar nicht. Prost, Gemeinde!

Doch verzagen wir nicht, denn die Lösung ist bereits in Sicht. Und sie lautet: Technologie.
Nach Aussage eines Herrn namens Vinton G. Cerf ist das alles überhaupt kein Problem, denn wir werden in Zukunft in Smart Cities wohnen. Ist ja auch irgendwo logisch. Wenn jetzt schon die Phones smart sind und die Watches auch alle, ist businessmäßig ja nur logical, die Cities demnächst mal upzugraden, und zwar asap.
Und wem jetzt die Ohren bluten, der arbeitet nicht in der Werbe- oder Modebranche, ist deshalb womöglich gegen Bullshit noch nicht vollkommen resistent und hat eventuell eine Möglichkeit, seine Seele noch zu retten, verehrte Brüder und Brüderinnen.
Dieser Mr Cerf ist jetzt nicht irgendwer, sondern einer der Väter des Internets, das ich hier und jetzt gerade benutze. Denn das kleine dreckige Hurenkind hat ziemlich viele Väter. Cerf jedenfalls war einer derjenigen, die in den 70er Jahren diverse Protokolle entwickelt haben, denn dieses Internet, das heute alle mit ihrem smarten Phone benutzen, ist eigentlich ein recht protokollarischer Haufen. In Cerfs Falle arbeitete er Ende der 60er bereits am militärischen Vorläufer des Internet, dem Arpanet. Wir erinnern uns, das zentralisierte und dank technologischer Idioten wie der Telekom, Google oder AT&T in seiner Nutzbarkeit ständig unbrauchbarer werdende Weltnetzwerk war mal eine dezentralisierte, robuste Infrastruktur, die auch nach einem atomaren Weltuntergang noch funktionieren sollte. Fallout 4 läßt grüßen.
Das Protokoll, das letztlich jedoch Mr Cerfs Berühmtheit begründete, ist TCP/IP, das steht für transmission control protocol und Internet protocol. Sagen wir mal, andere haben sich die Straßen ausgedacht, aber der Typ hat die Methode gefunden, sie auch zu asphaltieren. Ohne diese Protokolle wäre das Internet schlicht nicht existent. Der hier verlinkte Artikel ist übrigens gnadenlose Werbung für Google und nicht als solche gekennzeichnet, eine Methode, die in der Onlinewelt mehr und mehr einreißt.

Jedenfalls empfiehlt Mr Cerf hier als Maßnahme gegen dieses furchtbar anfällige Internet der Dinge – man hat das schon mal gehört – tatsächlich und unerwarteterweise Standardisierung und Zentralisierung. Also statt digitalen Gadgets, die jeder einzeln mit dem smarten Phone ansteuert, eben zentrale Verwaltung durch den Hersteller und standardisierte Protokolle. Exakt die Methode, die auch das normale Internet schon seit ewigen Zeiten immer sicherer gemacht haben.
Außerdem geht es um die smarten Cities, die demnächst mal ihren Zustand selber erkennen sollen und entsprechend regeln. So wie Google künstliche Intelligenzen den Stromverbrauch in seinen Rechenzentren senken läßt. Klingt doch prima.
Wird nur leider nicht funktionieren, denn ein Stromverbauch ist recht linear. Entweder er fällt oder er steigt. Wobei Version A für die KI gut ist und Version B für die KI schlecht. Das Training ist also recht simpel.
Eine ganze Stadt mit Verkehrsströmen, Wohnungsheizungen, Kommunikationsverbindungen, Abwasser, Brauchwasser und Stromversorgung ist ein völlig anderes Lied. Aber dazu haben wir ja demnächst smart grids und auch smart meter, das sind die digitalen Stromzähler. Also, die Stromzähler, von denen man in den Niederlanden gerade rausgefunden hat, daß sie derartig smart sind, daß sie falsche Werte messen. Sehr falsche Werte. Und dreimal darf man raten, in welche Richtung falsche Werte gemessen wurden.
Das sind dann übrigens auch dieselben Dinge, die eventuell zentral gesteuert werden mit Standardprotokollen. Da wünsche ich der smarten Zukunftsstadt als jemand, der sich zumindest ein bißchen mit digitaler Sicherheit auskennt, sehr viel Spaß. Prost, Gemeinde!

Bild 1: Die smarte Stadt der Zukunft
Alles ist mit allem vernetzt und alles ist grün. Und voll hip. Und automatisch gesteuert. Und sauber. Schon morgen wird es soweit sein. Übermorgen spätestens.

Smart Cities sind also das nächste große Ding, sagt Mr Cerf. Sagen auch andere, die neulich den Vorschlag diskutiereten, doch den ganzen lästigen Autoverkehr einfach unter die Erde zu verbannen.
Ich stelle mir in diesem Moment gerne vor und versuche zu berechnen, wie lange alleine die Bauarbeiten für ein solches Projekt in einer Stadt wie Berlin dauern würden. Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, daß im Jahre AD 5395 keine Autos mehr herumfahren und in Berlin schon gar nicht, denn dafür wird die Stadt dann einfach zu weit unter Wasser liegen. Aber lange nicht mehr so gelacht.
Der – nach eigener Aussage nicht ganz ernst gemeinte Vorschlag – des unterirdischen Autofahrens bringt offenbar den erwarteten Widerspruch hervor. Aber alle Antworten von Car-Sharing-Betreibern, Fahrrad-Vermietern…oh, Verzeihung…Bike-Sharing-Anbietern natürlich, und anderen Typen laufen darauf hinaus, die Stadt mehr zu vernetzen. Überall Sensoren, die messen sollen, wo gerade Bedarf herrscht an vielen Fahrrädern, zum Beispiel. Damit man die da vermieten kann, wo es gerade nötig ist.
Aber wie kommen die da eigentlich hin, die Fahrräder? Ich nehme an, irgendwer müßte sie fahren. Aber wie kommen die Fahrer dann wieder zurück zur Firma? Mit dem Fahrrad?
Sie könnten natürlich auch einen der flexibel geplanten Busse der Verkehrsbetriebe nutzen. Da schlägt wirklich ernsthaft ein Berliner Startup namnes door2door vor, die Verkehrsbetriebe könnten die Routen von Bussen ja in Zukunft „flexibler planen“ und Leute von ihrer Haustür abholen.
Auf so eine hirnverbrannte Idee kann auch nur eine von diesen total hippen Internet-Einhornfirmen kommen, in denen frisch gebackene BWL-Typen mit Lederkrawatten und Hipsterbart ihre Mitarbeiter mit selbstoptimierten 16-Stunden-Tagen optimal ausbeuten, um ihre Version eines ethisch und sozial verantwortungsvollen Kapitalismus zu verwirklichen.
Wer hat da gerade gelacht?

Flexible Busfahrten in der SmartCity® von morgen. Mit Rollator und Lasso den ÖPNV jagen gehen. Was für ein hirnverbrannter Albtraum.

Ich habe da vielleicht was nicht verstanden, aber in einer Stadt wie Berlin gibt es eine Menge Haustüren. Und eine „Flexibilisierung“ bedeutet nichts anderes als das, was es in der schönen neuen Digitalwelt immer bedeutet. Mehr Arbeit an sinnlosem Mist.
Denn mit dieser Methode kann es sein, daß heute ein Bus vor meiner Haustür hält. Aber morgen eben nicht, weil es da nicht genug Bedarf gibt. Außer meinem eigenen, natürlich.
Stattdessen ist die Haltestelle, die man dann vermutlich in Smart Move Point oder so umbenannt hat, eben dreihundert Meter die Straße runter, vor der Haustür des Altersheims, denn die haben gerade Bedarf.
Woher weiß ich dann, wo und wann der Bus fährt? Natürlich von der coolen App auf meinem Smartphone, die vermutlich vom eben genannten Startup produziert wird und die auf allen Versionen von Android läuft außer natürlich der letzten, vorletzten und der neuesten, denn die haben ja nur Phones von Google. Alle anderen Phone-Hersteller müssen da immer erst rumfummeln und außerdem kriege ich für meine Kiste keine Updates mehr fürs Betriebssystem.
Was auch schon deswegen nicht geht, weil ich persönlich gar kein smartes Phone besitze. Mein Telefon ist so dämlich, daß es nur Telefonieren kann. Und SMS verschicken. Es hat Tasten und ein winziges Display, auf dem ein paar Informationen auftauchen können und das auf Berührung exakt gar nicht reagiert, von beleidigt verschmierten Fingerabdrücken abgesehen. Außerdem hält sein Akku bei Nichtbenutzung schlappe zwei Wochen. Echt total dämlich, das Teil.

Es gibt einen einfachen Grund, warum man heutzutage Busse nach einem Fahrplan fahren läßt und die Menschen zu sogenannten Haltestellen kommen, um sich da einsammeln zu lassen: Es funktioniert.
Es mag 11 Uhr sein und wenig los, aber der Bus kommt eben trotzdem. Denn auch die dann fünf Pasagiere möchten gerne mobil sein und in die Innenstadt kommen. Und zwar jetzt. Nicht dann, wenn alle anderen das wollen, also „Bedarf“ da ist.
Das liegt daran, daß der grantelige Typ, der dieses irre Blog schreibt und in einer Bambushütte wohnt, Menschen oft nicht leiden kann. Oma Müller mit ihrem Elektroroller paßt ohnehin in keinen vollen Bus, schon gar nicht, wenn der Meier aus der Nummer 47 mit seinem Rollator auch noch zusteigen will. Also fahren wir eben jetzt.
Ich finde es auch ganz prima, daß mein Zug sich an einen Fahrplan hält und tatsächlich pünktlich um 13:41 auf dem Gleis zu finden ist, an dem er laut Plan auch sein sollte. Dann kann ich da einsteigen und es mir vollkommen am Arsch vorbeigehen lassen, ob da jetzt noch 143 andere Personen ein-oder aussteigen wollen in dem Moment. Die Minutenangaben können manchmal etwas abweichen, aber gerade beim Fernverkehr muß ich mich jetzt ausnahmsweise mal positiv aus dem Fenster lehnen und sagen, daß die Züge, die ich so benutze, sich doch durch eine prozentual recht hohe Zuverlässigkeit auszeichnen. Gut, als ich das letzte Mal von Berlin zurückkam, standen wir ausgerechnet auf den letzten Kilometern eine halbe Stunde dumm rum. Aber erstens ist das Nahverkehr und zweitens brannte es neben der Strecke, da kann die Deutsche Bahn normalerweise nichts für.

Die smarte Stadt mit ihrer sensorischen Vernetzung wird nichts weiter erlauben als die endgültig lückenlose Überwachung ihrer Bewohner, auch in den ehemals eigenen vier Wänden. Es ist nichts smart daran, die wirklich immer entscheidende Frage nicht zu stellen und auch zu beantworten. Sie lautet: Funktioniert das?
Und sehr oft ist die Antwort eben Nein. Oder so kompliziert und mit weiteren Kosten verbunden, die dann wieder die Gesamtgesellschaft tragen muß, daß es sich im Grunde nicht lohnt, den Gedanken weiterzuverfolgen.

In Japan beispielsweise ist Kernkraft jetzt wieder sicher. Denn in Osaka hat ein Hohes Gericht das Wiederanfahren zweier Reaktoren genehmigt. Japan kehrt also sechs Jahre nach Fukushima wieder zum alten Kurs zurück. Unsere Bundeskanzlerin würde das sicherlich begrüßen. Die wollte auch schon mehrfach auf alte Kurse zurückkehren.
Japan ist auch das Land, das die Antwort gefunden hat auf die Probleme einer überalternden Gesellschaft. Sie lautet: Technologie.
Denn nachdem ja die „Industrie 4.0“ längst realisiert ist und mit der mobilen Technik und Datenbanken und Sensoren und allem anderen natürlich auch alles perfekt funktioniert, präsentiert das Land seine Vison der Gesellschaft von morgen: Society 5.0
Das ist so überzeugend, man möchte augenblicklich in dieses Land auswandern. Was aber nicht geht, denn die Politik Japans läuft diesbezüglich auf ein einfaches Motto hinaus: Keine Einwanderung möglich. Da bauen wir doch lieber Roboter und vernetzen alles mit allem. Ich werde die katastrophalen Folgen dieses Experiments aufmerksam verfolgen.

Hier in Europa sind wir noch nicht ganz soweit. Hier ist zwar die Kernkraft auch völlig sicher, ganz besonders in der Schweiz oder in Frankreich. Unter der herrlichen Überschrift „Fessenheim wird stillgelegt“ proklamiert die deutsche Staatspresse die Abschaltung des maroden Reaktors, die Präsident Franz Holländer schon zu Beginn seiner Amtszeit zugesichert hatte.
Das Fessenheim erst abgeschaltet werden soll, wenn der neue Reaktor in Flamanville in der Normandie ans Netz geht, erfahren wir erst aus den Unterzeilen. Die korrekte Überschrift wäre also „Fessenheim bleibt auf unbestimmte Zeit am Netz“.
Angesichts der steigenden Baukosten und immer längeren Verzögerungen für den so modernen Reaktor in Flamanville könnte das eine Laufzeitverlängerung bis Ultimo sein. Diverse Anlagen in Frankreich sind völlig überaltert und müßten vom Netz, aber das Land bezieht gute 75 Prozent seines Stroms aus Kernkraft. Auch hier ist schön erkennbar, was es bringt, auf dem alten Kurs zu bleiben.
Aber es gibt da andere Energieträger, die uns etwas Sorge bereiten. Öl zum Beispiel. Denn das wird aus der Nordsee gefördert und – na ja, das Geschäft lief mal besser für die Konzerne. Der Markt und so – siewissenschon.
Deshalb darf jetzt der Steuerzahler nicht nur den Aufbau der Ölplattformen in der Nordsee bezahlen, sondern auch den Abbau. Was 120 Milliarden Euro kosten soll. Oder besser „bis zu“. Da kann man sich schon mal drauf gefaßt machen, daß die Rechnung am Ende höher ausfallen wird. Übrigens ist diese Summe deutlich höher als die Gelder, die in Deutschland offiziell von den Atomlobbyisten für einen Rückbau der AKWe veranschlagt wird. Gut, es gibt mehr Plattformen in der Nordsee als AKWe in Deutschland. Aber ich bin mir völlig sicher, daß diese Aktion auch im dreistelligen Milliardenbereich landen wird. Denn das eine ist nuklearer Müll. Das andere einfach nur Müll.

Während uns die Folgen der Technosphäre auffressen, wird als Lösung mehr Technologie vorgeschlagen.

All diese wunderbaren Preisschilder kleben auf Technologien, an denen Konzerne Milliarden verdient haben und manche Einzelmenschen ebenfalls. Jetzt, wo die gesellschaftlichen Kosten offensichtlich werden, gibt man die Rechnung per Externalisierung an uns alle weiter. Dabei fahre ich nicht mal Auto. Und wenn ich die Kisten auf dem Supermarktparkplatz so sehe, denke ich mir, der Sprit müßte eigentlich fünf Euro pro Liter kosten. Scheint eindeutig noch nicht teuer genug zu sein.
Doch wir können beruhigt sein. Unsere Technologie ist vollkommen sicher.
Außer, man wohnt in der Präfektur Fukushima natürlich. Aber diese Dinge werden von irgendwelchen esoterischen Baumknutschern eben oft übertrieben. Es gibt gar keinen Grund zur Besorgnis. Und natürlich auch keinen Grund, irgendwem für irgendwas Schadensersatz zu bezahlen. Denn es ist ja nichts passiert. Wobei selbst die hochentwickelten japanischen Roboter da anderer Meinung sein könnten. Die sterben nämlich in der Strahlung des havarierten AKW auch sehr schnell. Aber noch haben Roboter ja keine Meinung.

Der letzte Titel der ZEIT lautete „Für immer jung“. Die Erbsenpistole der Demokratie brachte einen Titel „Sind wir bereit für die perfekte Zukunft?“ und ein Interview mit dem israelischen Historiker Yura Noah Harari, der glaubt, wir Menschen werden durch Technologie bald Götter sein. Denn damit erreichen wir dann die nächste Evolutionsstufe. Als hätte Evolution Stufen. Oder würde auf Technologie beruhen.
Mythopolis ist gar nicht die Stadt von Morgen. Mythopolis ist die Stadt von heute. Mitten in den Trümmern unseres falschen Weltbildes wollen wir noch immer nicht wahrhaben, daß mehr von der alten Methode nicht funktionieren wird.

Die smarte Stadt mit smarten Sensoren und gottgleichen Einwohnern in der Gesellschaft 5.0 ist also das nächste große Ding – nach was?
Alle tun so, als seien in Bezug auf Künstliche Intelligenz oder Auto-Autos nur noch ein paar kleine Feinarbeiten notwendig und dann tickt das alles.
Das ist techo-optimistischer Bullshit. In der Realität sind unsere Hardware und auch und gerade die Software global von recht lausiger Qualität. Die permanente Vernetzung zum angeblichen „Internet der Dinge“ ist ein bißchen so, als würden wir in die Rigipswand die neueste Tresortür einbauen, die es gibt, und dazu immer mehr Schlüssel verteilen.
Irgendwann hackt dann einer den Kühlschrank, der den Thermomix hackt, der sich zum Router weiterhangelt, der dann den digitalen Stromzähler ausknipst. Oder das verdammte Ding sechsmal schneller rotieren läßt. Viel Spaß dann beim Protestieren gegen die nächste Stromrechnung. Ganz besonders, wenn in der vernetzten Smart City dann der Strom automatisch abgeschaltet wird. Und am Ende bricht die ganze Hütte unter ihrem eigenen digitalen Gewicht zusammen.

Bild 2: Die wahre smarte Stadt von morgen
Grün – ja. Vernetzt auch. Nur eben nicht mit digitalem Spielzeug oder mit Menschen. Unsere Zivilisation wird einige spektakuläre Ruinen hinterlassen.

Künstliche Intelligenz. Wie wollen wir etwas künstlich nachbauen, das wir beim Menschen nicht annähernd begreifen?
„Smart“phones und „Smart“ Watches lassen sich auch nur verkaufen, weil Menschen mit zunehmender Geschwindigkeit zu verblöden scheinen. Alle regen sich auf über demnächst pflichtgemäß eingebauten GPS-Notrufsysteme in Autos. Oder heißen die schon smart cars?
Aber das jeweilige IFön27 oder so wird bereitwillig als Navigationssystem benutzt. Oder zur automatischen Bezahlung der Mautgebühren, die demnächst fällig werden, damit man endlich den Autobahnbau in Deutschland privatisieren kann.
In der Öffentlichkeit glotzen alle unentwegt aufs Display, aber dann fragen sie sich, wie spät es ist. Denn zum Ablesen der öfffentlichen Uhr – am Bahnhof zum Beispiel oder am Turm des Doms in der Innenstadt – müßte man ja den Kopf heben. Außerdem müßte man natürlich analoge Uhren lesen können, eine Fähigkeit, die bei unter 20jährigen scheinbar auch bereits verloren geht. Gut, man könnte auch clever sein und die Uhr des smarten Phones ablesen. Doch dazu müßte man womöglich sieben Sekunden lang WhatsApp oder Facebook verlassen und was ist, wenn gerade dann was passiert und man es nicht sofort kommentieren kann?
Alle haben das smarte Phone in der Hand und die Stöpsel im Ohr, sind aber zu doof, um mal auf Google Maps nachzusehen, wo man sich in der neuen Stadt grad verlaufen hat.
Das sind die Menschen, die dann später KI-Forscher werden wollen und sollen? Da mache ich mir um smarte Städte mal null Sorgen. Prost, Gemeinde!

Falls noch irgendwer glaubt, all das, was ich hier so blogge aus der Bambushütte am Rande der Gesellschaft hätte nichts mit der Realität zu tun – ich hatte mal irgendwo erwähnt, was shifting baselines sind. Und in diesem Zusammenhang auf Menschen in China verwiesen, deren Models auf dem Laufsteg schon mit Atemschutzmasken erscheinen. Ich hatte ebenso vorhergesagt, daß diese Dinge bald zum modischen Accessoire erhoben würden. Nun, es ist soweit. Das ging ja fix.
Sehr bald werden aus den Designermasken Massenprodukte werden und alle werden damit rumlaufen. Atemmasken für Frauen, für Männer und für Kinder. Bald auch mit anschließbaren Sauerstoffpatronen für zwischendurch. Ich wette hier und jetzt fünfzig Mäuse darauf, daß sich diese Nummer genau so entwickeln wird.
Und dann werden die ersten Pornos in China auftauchen – made in Hollywood vermutlich – in denen die Aktuere keine Atemschutzmasken tragen, weil das als besonders öbszön gilt oder besonders verrufen oder gefährlich. Natürlich erst, nachdem vorher alle eine getragen haben. So wie es heute Pornos gibt, in denen ausdrücklich geraucht wird oder die Models Schambehaarung haben. Prost, Gemeinde!

Mit zunehmender Digitalisierung und Komplexifizierung wird sich unsere Welt der Zukunft allmählich in eine Billigversion von Shadowrun verwandeln.
Wer das nicht kennt: Es handelt sich hier um eine fiktive Welt, die aus einer Mischung aus Cyberpunk und Magie besteht. Cyberpunk wiederum bezeichnet eine Zukunftsvariante, in der Menschen sich mit digitalisierten Bauteilen selber „verbessern“.
So existieren beispielsweise neuronale Schnittstellen, mit denen man sich direkt mit einem Computer verbinden kann und dann in einer Art virtuellen Version des Internets Aktionen ausführen. Zum Beispiel, die Sicherheitsmaßnahmen einer Firma zu hacken. Objekte der Realität erscheinen hier als virtuelle 3-D-Objekte, jedes Gebäude und letztlich jeder Mensch haben quasi eine weitere, virtuelle Ebene, die sie überlagert. Die Grundvariante stammt aus den 80er Jahren und wurde begründet von den Neuromancer-Romanen eines Typs namens William Gibson.
Klingt seltsam, ist in Form von VR und „Augmented Reality“ aber bereits Teil der Gegenwart. An den Implantaten wird gearbeitet.
Bezeichnend für Shadowrun und auch Cyberpunk ist aber, daß Konzerne hier die Welt beherrschen und nicht etwa Regierungen. Konzerne sind reicher als ganze Länder und auch nicht wirklich an Gesetze gebunden, da sie eben transnational agieren und oft auch virtuell. Alles Science-Ficiton-Gedöns?
Nun ja, es gibt Gründe, warum eine Firma wie Starbucks in Großbritannien keine oder kaum Steuern zahlt oder die europäische Zentrale für Facebook in Irland liegt. Und was Gesetze und große Konzerne angeht, das reicht für einen eigenen Artikel.

Auch Dänemark sieht das ganz ähnlich. Unser kleiner Nachbar im Norden betrachtet digitale Internet-Konzerne wie Google, Facebook oder Apple seit neulich als eine Art eigener Nation. Das ist nicht zwingend positiv, zeigt aber den Stellenwert, den wir der digitalen Welt inzwischen einräumen müssen.
Apple ist übrigens der Konzern, der weder das Mobiltelefon noch den digitalen Walkman erfunden hat, dafür aber trotzdem gerne gottgleich verehrt wird.
Und eine Firma, die gerade exemplarisch dafür kämpft, daß Kunden selbstverständlich kein Recht darauf haben, eines der tollen, absolut smarten Lifestyle-Produkte, die sie beim Konzern erworben haben, auch reparieren zu lassen. Der Landmaschinenhersteller John Deere hatte vor einiger Zeit in den USA mit dieser „Geschäftsmethode“ begonnen und seine Agrarökonomen Verträge unterschreiben lassen, in denen die Reperatur von John-Deere-Traktoren ausschließlich durch Fachwerkstätten geregelt war.
Teure Fachwerkstätten mit wenig Personal, fehlenden Ersatzteilen und natürlich in der falschen Entfernung vom Kunden.
Was interessant wird in Verbindung mit der Tatsache, daß ein Drittel aller Amerikaner laut Befragung nicht wüßte, wo sie im Notfall mal eben 2000 Dollar auftreiben sollten. Wobei es nicht einmal um Bargeld geht. Nein, es geht natürlich vor allem um die Vergabe von Krediten. Und diejenigen, die im Notfall einen bräuchten, bekommen keinen.
Aber immerhin: 59 Tomahawk-Marschflugkörper abfeuern auf einen Flugplatz in Syrien, das geht immer noch. Bei einem Stückpreis von etwa 800 Mille sind das schlappe 48 Millionen Euro für einen Angriff. Das ist mal keine schlechte Rechnung für ein Essen. Vermutlich können die Bewohner der USA sich das dann demnächst auch nicht mehr leisten.
Das paßt wiederum zu Meldungen, die bereits etwas älter sind und die besagen, daß die Praxis des Schuldturms längst wieder Einzug gehalten hat in den USA.
Wenig verwunderlich aus meiner Sicht, denn ich vermute, daß so manches der zuständigen Gefängnisse, wenn nicht sogar alle, von Privatfirmen betrieben werden.
Es paßt auch wunderbar zu neuen Meldungen, die verkünden, das sich gerade die Superreichen der Welt darauf vorzubereiten scheinen, am Tag des Untergangs der Zivilisation in den privaten Bunker zu flüchten.
Ich finde diese Einstellung herrlich naiv. Außerdem zeigt sie ganz klar den festen Glauben an den Mythos der menschlichen Einzigartigkeit. Denn natürlich kann unsere Zivilisation nur mit einem apokalyptischen Knall enden, weil…ja, weil sie eben unsere Zivilisation ist. Das wir einfach aus Dummheit auf die Fresse fallen oder weil uns die Naturgesetze die Schuhbänder verknoten und wir dann nicht mehr hochkommen – daran denkt keiner.
Wenn der letzte Tag jemals kommen sollte, wird nichts die unterbezahlten, militärisch geschulten und bewaffneten Wächter der Superreichen daran hindern, diese Idioten einfach zu erschießen und sich selber das Nest abzugreifen, das sie bewachen sollten. Und exakt das wird dann auch geschehen.

Jeden Tag liefert die Realität neue Beweise für den bevorstehenden Untergang unserer Gesellschaft. Aber wir nennen es tapfer weiter Fortschritt. Denn alles andere verspricht keinen Profit.

Nicht nur Länder müssen mit Öl einen Profit machen können, weil sie es sonst nicht mehr fördern. Es muß auch Menschen geben, die sich die mit fossilen Brennstoffen hergestellten Wunderdinge auch leisten können. Ich hatte das schon einmal erwähnt.
Insgesamt scheinen mir die Zeichen der Zeit, ganz unsmart gesammelt und ausgewertet, nämlich mit eigenem Denken, nicht unbedingt darauf hinzudeuten, daß ein steigender Ölpreis, wie ihn sich viele erhoffen, das Basisproblem unserer Zivilisation lösen wird. Die Sache mit der Energie. Und ohne Energie werden alle smarten Träume smarter Hipster genau das bleiben.

Nein, beim selber schlauer werden werden uns keinerlei Apps helfen. Da muß Mensch seinen Verstand schon mal selbst bemühen.
Das ganze Gadget-Brimborium heutzutage ist oft nichts weiter als eine Methode, Dinge digital schlechter zu erledigen als man sie vor fünfzig Jahren analog schon erledigt hat. Busfahrpläne mögen so altmodisch wirken wie Wahlzettel aus Papier. Aber beide funktionieren recht störungsfrei und können nicht gehackt werden.
Früher hatten Menschen mal Ahnung von der eigenen Firma und der Produktpalette und wurden vernünftig bezahlt.
Heute trifft man nach endlosem Gedudel auf irgendeinen Call-Center-Halbaffen in der Vorhölle des Kapitalismus und ansonsten verweist das Unternehmen auf seine tolle Community im Internet. Lauter verzweifelte Kunden, deren Technik nicht richtig funktioniert, werden dann auch noch als Assett vermarktet. Man muß sie halt nur „Kabelhelden“ nennen oder so in der Art.
Und am Ende jinglen mir die Telekomiker im Internet die Ohren voll und die Warteschleifenstimme sagt mir mit aller Fröhlichkeit einer Person, die exakt weiß, daß sie gerade nicht in meiner stinkwütenden Nähe ist, wo ich das tolle Angebot des Konzerns im Internet finden kann. Darum ruft man ja auch die technische Hotline an.

Und während wir noch voll vernetzt und smart in der Warteschleife hängen, furzt der sibirische Permafrost massenhaft Methan in die Atmosphäre und bereitet den feuchten Techno-Träumen der gottgleichen Menschen ein eher unrühmliches Ende. Ganz ohne Apokalypse. Shadowrun ohne Recht auf Reparatur und mit eingeschränkter Gewährleistung. Prost, Gemeinde!

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