We never had Paris

Das kleine pelzige Alien, das auf dem Kopf – und offenbar auch im Kopf – von Donald Trump lebt und die USA regiert, hat es wieder getan: In tiefer Verzweiflung, das die Weltpresse seinen ab-so-lut grrrrrrrrroßartigen Besuch in Europa und beim G7-Gipfel nicht mit dem gebührenden Lob überschüttete und diese lächerlichen Rußland-Vorwürfe endlich mal ruhen ließ, hat das Trumpeltier das Pariser Klimaabkommen gekündigt.
Oder besser, es hat gesagt, es will einen besseren Deal haben. Das wäre dann in Trumps Welt eine Vereinbarung, in der die USA alles kriegen und alle anderen es bezahlen müssen. Und noch dafür dankbar sein, versteht sich.
Seitdem dieser Typ, für mich ja wenig überraschend, die Herrschaft über die bröckelnden Reste des amerikanischen Imperiums übernommen hat, sehe ich seinem Treiben zu. Mit einer Mischung, die irgendwo zwischen angeekelt und fasziniert liegt, versuche ich zu verstehen, welche Art dementen Wahnsinns das eigentlich ist, die sich da vor aller Augen im Oval Office covfefe.

Jetzt will er also das Klima nicht mehr retten, der Donald. Was ich wenig verwunderlich finde, hat er doch aus seiner geistigen Unfähigkeit keinerlei Hehl gemacht im Wahlkampf. Und außerdem liegt er mit seiner antiwissenschaftlichen Vollignoranz ja völlig auf der Linie der Partei, der er offiziell angehört und die sich immer mehr fragt, wie sie diesen Sith-Lord der Verblödung wieder loswerden könnte, ohne selbst dabei draufzugehen. Kassandra sagt: Vergeßt es, Jungs. Das wird nicht klappen.
Was bedeutet, der nächste Präsident könnte einer wie Mike Pence sein, der dann vermutlich direkt nach seinem Amtseid zu einem neuen Kreuzzug ins Heilige Land aufrufen würde. Was dann in der Besetzung Saudi-Arabiens endet oder so in der Art. Der Vizepräsident ist nämlich ein noch viel gefährlicherer Spinner als das Alien. Auch ein Typ wie Ted Cruz und andere christlich-fundamentalistische Vollspinner sind nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Ich bin also ausdrücklich dafür, den aktuellen Präsidenten weder zu erschießen noch per Impeachment aus dem Amt zu jagen. Die Alternativen sind einfach noch furchtbarer, selbst wenn man die eigene Vorstellungskraft dazu schon stark strapazieren muß.

Die Begründung des prototypischen Idioten ist ebenfalls sehr schön geeignet, diese Art des Nicht-Denkens zu illustrieren, die uns erst in die Situation gebracht hat, in der so etwas wie das Pariser Abkommen COP21 überhaupt notwendig geworden ist.
Donald Trump wirft unter anderem China und Indien vor, daß die ihre CO2-Emissionen weiterhin steigern dürften, die USA ihre aber senken müßten. Das sei „ein schlechter Deal und schlecht für Amerika“.
Das ein Land wie die USA diverse Jahrzehnte lang der einzige fette CO2-Verschmutzer gewesen ist und daher eben einiges an Vorsprung hat, was die emittierte Menge in Tonnen angeht, besonders pro Kopf der Bevölkerung, ist natürlich für jemanden wie Trump völlig unerheblich. Außerdem kommt in dem Satz nur einmal sein Name vor, deswegen liest er das vermutlich nicht, selbst wenn es ihm jemand aufschreiben würde. Wie – das wußte keiner?

Offizielle Stimmen des Weißen Hauses haben neulich den Trick bekanntgegeben, den sie benutzen, um Donald Trump dazu zu bringen, etwas zu lesen: Man erwähne möglichst oft seinen Namen, dann bleibt er dabei. Was aber nicht zwingend bedeutet, daß er den Text dann auch versteht.
Damit ist über die psychologische Tiefe dieses Herrn dann auch alles gesagt, denke ich. Wobei „Abgründigkeit“ wohl das bessere Wort wäre.
Wer einen Präsidenten, der nichts liest, in dem nicht alle dreißig Sekunden sein Name auftaucht, für untragbar hält: Ich muß unweigerlich daran denken, daß die Sicherheitsberater von Präsident Reagan diesem Mann tatsächlich Cartoons gedreht haben, um ihn über die Sicherheitslage der Nation und der Welt zu informieren, weil Reagan nach Aussage seiner Berater nicht dazu zu bewegen war, „überhaupt etwas zu lesen“.
Der Typ, der neben dem atomaren Fußball schläft, bekommt Cartoons gedreht. Von seinem Beratungsteam im Weißen Haus. In den 80ern, wohlgemerkt. Da war ja die Sowjetunion noch das Reich des Bösen und die Russen über diesen Typen im Weißen Haus so beunruhigt, daß sie jederzeit den Knopf hätten drücken können. Heute ist das Reich des Bösen Geschäftspartner des Präsidenten.
Es gibt weitere Unterschiede. Reagan wurde von seinem Stab „in Wolle eingepackt und die Presse auf Rufentfernung gehalten oder noch weiter weg.“
Donald Trump brüllt der Presse und der Welt regelmäßig Sachen ins Gesicht, unbeachtlich der Entfernung. Hätte es damals schon Internet, Twitter und Facebook gegeben, Donald Trump erschiene uns vermutlich wie ein letztes Licht tiefer Intellektualität in seiner von der eigenen Realitätsignoranz gebeutelten Partei.

Es gibt auch Gemeinsamkeiten.
„Reagan“, so schreibt sein Biograph Lou Cannon, „war wohl der einzige Präsident in der Geschichte der Republik, der seine Wahl als Möglichkeit ansah, endlich mal auszuspannen.“
Nun ja, Mr. Cannon kannte ja Donald Trump noch nicht.
Während Reagan ein gutes Jahr seiner ersten Amtsszeit auf seiner Farm verbrachte, war Donald Trump in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit gefühlt 93 Tage auf seinem aus Goldfaden gestrickten Domizil Mar-a-Lago, um sich dort beim Golfspielen zu erholen. Schon mehrfach wurde das Alien zitiert mit Sätzen, die sich bitter darüber beklagen, wie schwer doch der Präsidentenjob ist. Das jetzt gut vier Wochen alte Interview von Trump sagt aber eindeutig alles.
Ist halt auch blöd, wenn es Gerichte gibt, die einem Präsidenten einfach widersprechen können. Sowas behindert doch das freie Unternehmertum! Skandalöse Sache!
Auch das ist übrigens ein Unterschied zu Reagan. Als der sein Amt antrat, waren die USA tatsächlich noch eine Republik. Nach seiner Amtszeit nicht mehr.
Schon vor einer Weile kamen zwei Professoren in einer Studie zu dem Schluß, daß die Reichen die Politik der USA bestimmen, während John und Jane Doe wenig zu sagen haben, allen Wahlen zum Trotz. Oder gerade wegen der Wahlen, denn natürlich wählt das tumbe Volk zielgerichtet immer diejenigen, die entgegen seiner Interessen arbeiten werden. Was dadurch erleichtert wird, daß dieser Aspekt üblicherweise für beide Kandidaten gilt. Die USA sind eine Oligarchie, heißt es als Schlußfolgerung.
Was übrigens dasselbe ist, das auch im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gestanden hätte, wären diese Passagen nicht auf Drängen von Andrea Nahles (ehemalige SPD) aus dem Papier entfernt worden.

Sagt über ihn, was ihr wollt, aber Nixon wollte den Scheiß-Job wenigstens haben. Trump will ihn nicht.

Der Präsident der USA ist also bereits jetzt schon sehr amtsmüde, dabei hat er noch nicht mal richtig angefangen.
„Say what you want about Nixon, but at least he wanted the fucking job“um hier mal John Oliver zu zitieren.
Vielleicht hätte man den G7-Gipfel auch einfach in Mar-A-Lago abhalten sollen, beim Golfen. Denn da scheint Donald Trump sehr wohl den Klimawandel als Bedrohung zu erkennen. In Irland möchte der alte Halunke nämlich gerne eine Mauer bauen – irgendwer sollte diesen Fetisch von Trump mal näher beleuchten – um damit einen seiner Golfplätze zu schützen. Und zwar vor dem Klimawandel und dessen Folgen, so heißt es explizit in der Begründung.
Wieder einmal erweist sich die Nicht-Gedankenwelt im Kopf von Trump also als sehr flexibel, was die Integration von Realität ins eigene Trumpoversum angeht.

Aber ich würde mir da an Donalds Stelle nicht zu sehr den Kopf zerbrechen. Falls die Pseudowissenschaften, wie er die Klimaforschung nennt, eventuell doch recht haben sollten, dann spielt in Irland bald keiner mehr Golf. Denn es gibt einen Grund, warum im westlichen Irland Palmen wachsen oder das Klima allgemein ganz erträglich ist. Es ist derselbe Grund, aus dem europäische Winter bis nach Mitteleuropa hinein auch oft erträglich sind und nicht regelmäßig im September beginnen, mit minus 40 Grad einhergehen und man auf dem zugefrorenen Rhein Schlittschuh laufen kann. Dieser Grund heißt Golfstrom.
Wer den Film „The day after tomorrrow“ kennt, in dem Roland Emmerich mal wieder New York untergehen läßt – irgendwer sollte diesen Fetisch von Regisseuren mal näher untersuchen – der weiß ganz genau, was ohne Golfstrom passiert. Dann wird es nämlich kalt. Schweinekalt. An der Ostküste der USA ebenso wie in Mittel- und Westeuropa.
Denn das, was wir Golfstrom nennen, ist nur ein Teil eines Strömungssystems, das den gesamten Globus umfaßt. Ich hatte das mal irgendwo erwähnt.
Jedenfalls transportiert diese Strömung mehrere Dutzend GigaTerawatt an Wärmeenergie über die Ozeane zu uns. Während der Strom auf die Südspitze Grönlands zufließt, schnüren sich große Warmwasserwirbel von ihm ab, die dann über den Atlantik nach Europa driften. Diese Dinger heißen bei Klimatologen und Wetterfröschen „Eddies“. Und die wiederum bringen Südfrankreich sein mildes Klima ebenso wie Köln oder Mainz weiter im Innern des Kontinents.

Angetrieben wird die Pumpe, die diese globale Strömung erzeugt, von subtilen Unterschieden in Wassertemperatur und Salzgehalt. Die schlechte Nachricht ist: Gelangt zuviel Süßwasser in den nördlichen Atlantik, wird diese Pumpe womöglich ausfallen und der Strom auch. Wir wissen, daß so etwas passieren kann, weil es in der Erdgeschichte schon passiert ist. Emmerichs Film ist an dieser Stelle wissenschaftlich durchaus korrekt. Und es sieht ganz danach aus, als würde der Golfstrom sich schon seit Jahrzehnten abschwächen.
Dieser Effekt könnte sich massiv verstärken, denn auch Grönlands Eiskappe schmilzt sehr viel schneller, als man das noch vor zehn Jahren selbst im schlimmsten Szenario vermutet hätte. Der New Yorker hat einen schönen Artikel dazu.
Gelangt aber viel mehr Süßwasser viel schneller als gedacht in den Nordatlantik, während gleichzeitig noch viel schneller als gedacht die Temperaturen am Nordpol steigen und wir somit noch viel schneller auf einen eisfreien Pol im Sommer zusteuern, wird das mit dem Klimawandel und dem Golfstrom das Golf spielen in Irland noch viel schneller unmöglich machen, als Donald Trump Mauern bauen kann.

Und in Florida übrigens auch. Denn da liegt Mar-A-Lago und es gibt keinen Bundesstaat der USA, der von einem ansteigenden Meeresspiegel mehr betroffen wäre als dieser.
Aber das macht ja nichts, denn der Gouverneur des Staates hat schon vor einer Weile allen Verwaltungsstellen verboten, den Begriff „Klimawandel“ oder nahe Verwandte in irgendeinem offiziellen Zusammenhang zu nennen. Denn natürlich gehen Probleme weg, wenn wir uns nur die Finger in die Ohren stecken und laut genug LaLaLa trällern. Weiß ja jeder.
Ich fände es passend, wenn Trumps superschöne Residenz mal von einem Hurrikan weggeweht würde oder einfach absäuft. Florida wäre um so passender, als Miami womöglich die erste Stadt sein wird, die die USA an den Klimawandel verlieren – falls man New Orleans nicht dazuzählen möchte.
Natürlich bestehen die Politiker und Oligarchen von Miami in kühler Ignoranz darauf, daß es hier nichts zu sehen gibt. Bitte gehen Sie weiter. Derweil schwappt den Bewohnern in einigen Teilen der Stadt, speziell in Miami Süd, Coral Gables und Miami Beach in schönster und zunehmend nerviger Regelmäßigkeit der heraufdrängende Ozean schon um die Füße.

Wenn man sich in Suburbia in Everywhere, USA, mal die Häuser ansieht, diese Pappschachteln mit Plastikstuck, die man da „Bauen“ nennt, wird einem klar, daß in diesem Land schon lange Hopfen und Malz verloren ist. Was man der Flüssigkeit, die Amerikaner als „Bier“ bezeichnen, übrigens auch anmerkt.
Dieselben miesen Massenproduktionshäuser stehen überall, im Sunshine State Florida wie auch im Norden, an den Großen Seen oder so. Ist dann schweinekalt im Winter, aber macht ja nichts. Einfach mal auf die Idee kommen, das örtliche Wetter zu berücksichtigen?
Das geht nicht, das erschwert nämlich die Fließbandproduktion der Fertighäuser. Kapitalismus, fuck yeah! McHouses, wohin das Auge blickt. Und in Florida werden die Türme aus Stahl und Glas von derselben Klimaanlage auf zehn Grad Celsius gefrostet, die auch die stadiongroße Empfangshalle eines Donald Trump in Mar-A-Lago schattig kühl hält.
In den USA verbrauchen vier Prozent der Weltbevölkerung jeden Tag gut 25 Prozent aller globalen Ressourcen. Von Arsen bis Zink. Eigentlich sind die US-Amerikaner ein Volk von Umweltverbrechern, wenn man es so sieht. Planetarische Terroristen, könnte man sagen.

Bild 1: We’ll always have Paris. Bogart und Bergman in der unvergesslichen Szene.
Aber bei genauer Betrachtung haben wir gar keinen Grund, uns an Paris zu erinnern. Im Pariser Klimaabkommen verpflichten sich alle Länder der Erde nämlich zu – nichts. Business as usual geht einfach weiter. Ich hau dir auf die Augen, Kleines.

Nein, Donald Trump ist mit seiner ausgiebigen Ignoranz wissenschaftlicher Forschungsergebnisse und auch Ereignissen der realen Welt, die ihm nicht passen, bei weitem nicht alleine.
Sein „Ausstieg aus dem Klimavertrag“ paßt völlig in die Reihe. Erstens handelt es sich bei COP21 gar nicht um einen Vertrag, sondern ein Abkommen. Ein Vertrag wäre ja bindend und das war einer der ersten und heftigsten Kritikpunkte an dieser so hochgejubelten Klimakonferenz. Das dort beschlossene Abkommen ist nämlich nichts wert, denn niemand verpflichtet sich darin zu irgendwas. Die beteiligten Länder können tun, was sie wollen, wann sie es wollen und wie sie es wollen, um der bedrohlichen Klimazerstörung entgegenzuwirken. Oder sie tun halt nichts. Ist auch egal. Es gibt keine Überwachung, keine Kontrolle von Zielen – da es keine Ziele gibt – und auch keine Strafmaßnahmen. Wie auch, es muß ja keiner was machen, wenn er nicht will.
Ziemlich genau das steht im Pariser Abkommen drin. Und weil das so geil nichtssagend ist, haben auch so viele andere Länder unterschrieben und sind mit Begeisterung dabei. Eigentlich alle Länder. Außer Nicaragua. Und Syrien. Und jetzt die USA.
Zweitens also kann Donald Trump den Klimavertrag, den es gar nicht gibt, auch nicht aushebeln. Da ist nichts auszuhebeln.

Am wirksamsten wäre es wohl noch, wenn er die finanziellen Zusagen der USA streicht. Gut. Könnte er. Wird er vermutlich auch tun, denn Trump braucht ja alles Geld, das die US-Wirtschaft noch hergibt, um es den Reichen und Superreichen zuzuschanzen.
Jemand wie Trump hält ja die Kohleindustrie für den Retter des Landes. Ich weise ausdrücklich darauf hin, daß so ziemlich alle Firmen, die man unter „Big Oil“ und „Big Coal“ zusammenfassen kann, dagegen waren, daß Pariser Abkommen offiziell zu verlassen. Alleine das unterstreicht seine absolute Wirkungslosigkeit. Nur Mr President war dafür. Denn er befürchtet massive ökonomische Nachteile.

Eventuell hätte ihm jemand sagen sollen, daß sogar Indien, dieser Staat, der sich auch so fett industrialisieren möchte wie China, bereits dabei ist, jede Menge Kohlekraftwerke zu streichen oder den Bau zu stoppen. Eben dieses Indien hatte noch vor zwei, drei Jahren die heimische und billige Kohle als den Retter der Stromversorgung des Subkontinents angepriesen und dementsprechend solche Projekte vorangetrieben. Jetzt setzt Indiens Regierung eher auf „grüne“ Energietechniken wie Solar, Wind und Wasser.
Die Begründung ist durchaus witzig: Indien möchte damit „nachhaltiges Wirtschaftswachstum“ erzeugen. Und das ist auch durchaus richtig. Die regenerativen Energien haben ganz eigene Probleme, auf die ich noch einmal zurückkommen werde, aber ein ökonomischer Aspekt ist auf jeden Fall korrekt: es handelt sich hier um einen Wachstumsmarkt. Und die regenerative Energieerzeugung erfordert technologische Erkenntnisse, Entwicklungen und auch Forschung.
Überall winken Patente und überall winkt inzwischen großes Geld. Und die Entstehung von Arbeitsplätzen. Irgendwer muß Solarfabriken bauen. Irgendwer muß sie warten und betreiben. Irgendwer muß kontrollieren, ob sie gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Irgendwelche Länder werden bei diesen Entwicklungen die globale Führung übernehmen.
Deutschland beispielsweise ist in Sachen Energietechnik durchaus führend, dank großzügiger Subventionen durch den energetischen Otto Normalverbraucher an die notleidenden Industrien. Die sich natürlich die Gewinne aus ihren mit öffentlichen Geldern geförderten Forschungen später alleine einsacken werden. Dänemark hat eine Menge Expertise zu bieten. China und auch Indien werden folgen bzw. tun es bereits. Kapitalismus, fuck yeah!
Die USA haben sich entschieden, nicht dabei sein zu wollen. Dem Präsidenten sind Kraftwerke, in denen nicht Fossiles verbrannt wird, offensichtlich unheimlich. Zauberei und Hexenwerk. Na gut. Dann eben nicht.

Wenn Präsident Trump irgendwelche Gelder streicht – auch gut. Dann müssen sich die anderen G19 – denn das sind ja auch die reichen Länder der Erde – zusammensetzen und mal die Zahlen betrachten. Die paar hundert Millionen, welche die USA streichen, müssen dann eben die Europäer und Japaner tragen, also die reichsten Länder, und auf der anderen Seite China als größter Verschmutzer. Das kriegt man hin, wenn man es will. Schon stehen die USA vor der Tür, neben dem Schild „Hunde bitte draußen bleiben“, im Regen. Oder im Nebel, wie Bogart und Bergman in Casablanca.

Wenn die USA nicht mitmachen wollen, müssen sie eben alleine spielen. Wir brauchen das dicke amerikanische Pöbelkind für nichts.

Dann beschließt man auf EU-Ebene zusätzlich noch ein paar Regularien bezüglich CO2-Emissionen und damit erzeugten Produkten. Nach dem Motto: „Wer viel Dreckt macht, zahlt am Ende drauf“ – und schon wieder stehen die USA im Regen. Oder im Smog ihrer zahlreichen Kohlekraftwerke.
Natürlich wäre das total unfair für einen Präsidenten wie Trump. Der will ja auch die Autobauer des Bösen vom US-Markt verbannen. Also die deutschen Autobauer.
Vermutlich hat er das Memo nicht gelesen, in dem drinsteht, daß deutsche Autohersteller Werke in den USA unterhalten, in denen Amerikaner arbeiten. Echt voll böse. In Spartanburg produziert BMW beispielsweise mit 8.000 Arbeitnehmern gute 1.400 Fahrzeuge täglich. Gut, für einen Präsidenten, der vermutlich glaubt, daß im Bergbau unter Tage noch mit Hacke und Schaufel gearbeitet wird, ist derartige Effizienz vermutlich unvorstellbar. Da muß man sich nur mal amerikanische Automodelle ansehen. Meine Idee wäre es ja, einfach geilere Autos zu bauen als die Konkurrenz. Das würde auch dem Geist des freien Wettbewerbs entsprechen, den ein Donald Trump so liebt. Sofern er vor allem Amerikas Freiheit betont und natürlich steuerfrei ist.
Auch meine Idee eines CO2-Zuschlags für Amerikas wundervolle Industrieprodukte müßte eigentlich die Zustimmung des Präsidenten finden. Schutzzölle findet er ja prima und keinen Freihandel will er auch, sonst hätte er ja TPP nicht gekündigt oder den NAFTA-Vertrag neu verhandeln wollen.

Das hätte übrigens auch den Vorteil, daß Europa und speziell Deutschland seinen Dreck nicht mehr einfach nach China auslagern kann und dann über andere meckern – oder sich selbst loben. Man müßte hierzulande mal eine Energiepolitik betreiben, die auch Sinn ergibt.
In einer Gegend wie Garzweiler könnte sich Donald Trump mal anschauen, wie Bergbau heute aussieht. Ob in den USA das sogenannte mountaintop removal oder in Deutschland strip mining, beides verwüstet die Umwelt völlig.
Im ersten Fall passiert genau das, was der Name sagt. Man sprengt einem ganzen Berg die Rübe weg, um an Kohle ranzukommen. In Garzweiler baggert man in der Horizontalen erst das Gestein weg, das über einer Kohleschicht liegt, dann eben die Kohle. Vor allem ist diese deutsche Kohle Lignit. Also Braunkohle. Im CO2-Klimaschutzwunderland Deutschland unter Regentin Angela der Alternativlosen baggern wir was aus dem Boden, das etwas besser ist als feuchter Torf. Wenn ich mit dieser Scheiße meinen Kamin befeuern würde, den ich nicht habe, käme die Polizei bei mir vorbei. Während Deutschland 190 Millionen Tonnen Braunkohle verbrennt in jedem Jahr, kritisiert Frau Merkel Donald Trump dafür, daß er dem unverbindlichen Wischwasch von Paris nicht mehr beipflichten möchte.

Das ist wohl auch der Grund, warum ein ominöser „Berliner Kreis“, nach Presseberichten eine konservative Splittergruppe der CDU im Bundestag, gestern dafür plädiert hat, doch einfach die schönen Seiten des Klimawandels zu sehen und endlich mit Feinstaubwerten, Dieselskandalen und anderen Dingen aufzuhören. Stecken wir uns die Finger in Ohren und singen LaLaLa. Dann wird bestimmt alles gut. Neulich erst habe ich in einer Studie gelesen, daß die Anhänger sogenannter konservativer Parteien im Schnitt dümmer sind als die der anderen Schattierungen. Auch hier wundert mich das Ergebnis nicht.
Trotzdem bin ich darüber etwas erstaunt, hatte ich doch angenommen, daß alle „konservativen Gruppierungen“ in der CDU längst weggelaufen wären, um Mitglieder der AfD zu werden. Wie immer möchten auch diese Konservativen entgegen ihrer Bezeichnung nichts erhalten außer ihrem eigenen, verkorksten Weltbild, in dem man dauerhaft in den See hineinscheißen kann, um den alle wohnen und in dem alle angeln, ohne daß die Fische irgendwann mit dem Bauch nach oben schwimmen. Und wenn, sind die Fische schuld.

Bild 2: Eine der gefühlt 37.000 Brücken in Coral Gables in Florida.
Angelegt in den 1920ern, durchziehen unzählige Kanäle das wässrige Land und erlauben das Verlassen des eigenen Grundstücks mit dem eigenen Boot. Des eigenen teuren Grundstücks. Bis zu dem Tag, an dem die Boote nicht mehr durchkommen. Hier wird früher oder später eine Immobilienapokalypse beginnen. Plink!

In Florida wird der längst nicht mehr auf zwei Grad begrenzbare Klimawandel das Ende der Welt nicht mit einem Knall einläuten oder mit einem Wimmern, um das gestreßte Gedicht von Eliot noch einmal zu zitieren.
Es wird mehr ein „Plink“ sein. Dieses Geräusch, das Küstenbewohner aus Häfen kennen, in denen viele kleine Schiffe der Sechs- bis Zwölf-Meter-Klasse rumliegen, und in denen der Wind die Drähte der Segelboote an die Masten tingeln läßt.
Dieses Geräusch wird nämlich signalisieren, daß in Coral Gables, einem Vorort von Miami, der in den 1920er Jahren als „Venedig Floridas“ gestaltet worden ist, eben solche Boote nicht mehr unter den zahlreichen Brücken hindurch passen werden, die diese Gegend durchziehen.
Was wiederum daran liegt, daß der Wasserspiegel in der Region im Moment mit etwa einem Zoll pro Jahr steigt, das sind 2,54 cm.* Das Floridas Süden im Durchzugsgebiet der üblichen Hurrikans liegt, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sicherlich auch nicht weniger Energie mit sich tragen werden, steigert den zukünftigen Wert dortiger Immobilien dann auch nicht.
Sobald das erste „Plink“ ertönt, und damit klar wird, daß man in Zukunft das Meer nicht mehr wird erreichen können, weil das Meer längst zu einem kommt, werden die Käufer unwillig sein zu kaufen, die Kreditgeber unwillig, Kredite zu vergeben und dann wird die Apokalypse ihren Lauf nehmen.

Zumindest in Florida. Bis dahin kaufen die Oligarchen, die behaupten, es gäbe nichts zu sehen, bereits höher gelegenes Gelände.
Was im südlichen Florida ziemlich genau 15 amerikanische Füße bedeutet. Das sind also in korrekten Einheiten etwa fünf Meter und stellt in der Gegend bereits einen „mountaintop“ dar, also eine „Bergspitze“. Kein Scherz.
Es ist nahezu unmöglich, die Widerwärtigkeit von Personen zu erfassen, die auf der einen Seite behaupten, es gäbe keinen Anstieg des Meerespiegels und keinen Klimawandel, um damit den Wert ihrer küstennahen Besitztümer zu erhalten – und die weiterhin direkt am Wasser neue Gebäude hochziehen – während sie auf der anderen Seite die höheren Lagen aufkaufen, damit sie die weiter verticken können, wenn das Wasser steigt. Oder um eben selber dort zu wohnen.
Auf der anderen Seite sind es Menschen, die offensichtlich glauben, daß die einzige Folge eines Anstiegs des Meeresspiegels ein paar kleine Änderungen auf der Landkarte sein werden. Was auch immer solche Deppen sich an Mar-A-Lagos auf ihren „Bergspitzen“ bauen wollen – wenn sie nicht vom ersten Sturm weggewaschen werden, dann werden sich die Anwesen dieser Unwesen ohne funktionierende Klimaanlage inmitten eines Ozeans aus Müll und Mist wiederfinden und niemand wird mehr da sein, der ihnen die notwendigen Dienstleistungen erbringt. Wie beispielsweise Hundefriseure oder Kaviar- und Schampuslieferanten. Die Dummheit solcher Humanoiden läßt sich auf der nach oben offenen Trump-Skala kaum noch wiedergeben, da muß man schon einen Kauder-Koeffizienten hinzufügen oder so.

Die ganze Welt regt sich darüber auf, daß die USA jetzt das neulich noch so gefeierte Weltrettungsabkommen sabotieren. Dabei war es immer eine Mogelpackung und business as usual geht weiter. Frau Merkels schon so oft propagierte „gemeinsame Lösung“ läuft nämlich auch in diesem Fall hinaus auf: „Wir machen mal nix“. Und damit wollen diverse Antiklimatiker dann auch begeistert weitermachen.
In Wirklichkeit ist Donald Trump nur ein Symptom für die ganze westliche Gesellschaft. Die Fortsetzung politischer Idiotie mit anderen Mitteln. Die Essenz des „Konservativen“ auf zwei Beinen. In einer Zeit, in der Ignoranz Stärke ist, kann niemand stärker sein. Wer sowas wählt, ist selber schuld.
„We’ll always have Paris“, sagt Bogart zur Bergman in Casablanca und meint damit, daß sie sich zumindest an eine wunderbare Zeit erinnern können, die sie gemeinsam verbracht haben, bevor der Weltuntergang in Gestalt des Zweiten Weltkriegs begann. Für die Welt der Zukunft wird Paris nichts sein, woran man sich gerne erinnern würde.

 

 

* Der Wert von einem Zoll pro Jahr bezieht sich auf das Ansteigen der täglichen Hochwassermarke und findet sich in diesem Artikel hier, nicht im verlinkten.

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