Blick über den Tellerrand

Nachdem in den USA der Klimaschutz vom Präsidenten persönlich auf offener Straße mit dem Messer niedergestochen wurde, geht Kalifornien da einfach mal eigene Wege und schließt…ein Klimaabkommen. Mit China.
Scheinbar hat bisher niemand Donald Trump gesagt, daß die USA ein Staatenbund sind. Föderalismus, wenn man so will. Und das Kalifornien die bei weitem strengsten Umweltgesetze der USA hat, ist auch nichts neues. Erfolglos, übrigens.
Denn trotzdem kann man in L.A. nicht atmen und trotzdem pumpen Farmer im Central Valley das Wasser schneller aus dem Boden, als es jemals nachfließen kann, ganz zu schweigen davon, daß es aus kalifornischen Regenfällen nachflösse.
Das geht inzwischen so weit, daß die ersten Farmer ihre Pfirsiche und Mandeln getötet haben und auch andere Dinge anbauen außer Avocados. Wie beispielsweise – Kaffee.
Ich halte auch diese Feldfrucht angesichts ihrer Ansprüche an ein gleichmäßiges Klima mit mittelprächtig reichhaltigen Niederschlägen für zweifelhaft in einem Halbwüstenstaat wie Kalifornien. Aber nun ja – hier wird auf Kunden gezielt, die acht oder zwölf Dollar für Kaffee ausgeben können. Pro Tasse, nicht pro Pfund.
Die Möglichkeit, so etwas anzubauen, ergibt sich übrigens auch aus der Tatsache, daß in Indonesien, Brasilien und anderswo die Ernteerträge weggebrochen sind. Wegen anhaltender Trockenheit in diesen tropischen Gebieten.

Aber trotzdem ist das Abkommen durchaus nachvollziehbar. Denn immerhin verursacht China derartig viel Dreck, daß schon länger ganze Wolken aus Smog über den Ozean treiben. Den Pazifischen Ozean, das ist nicht so eine Badewanne wie das Mittelmeer. Und diese Wolken treiben bis nach Kalifornien.
Es gibt übrigens in Kalifornien eine Unabhängigkeitsbewegung. Schon mehr als einmal habe ich gelesen, daß Kalifornien ohne die USA ja die Nummer Sechs der weltweiten Industriestaaten wäre. Oder Nummer Sieben. Auf jeden Fall wohl in den Top Ten. Nun ja – ohne die Goldtöpfe aus Washington für die innovativen Unternehmen wie Google, Facebook, Snapchat und anderen Digitalmist sähe die Lage anders aus, denke ich. Trotzdem gewinnt diese Bewegung seit der Wahl Trumps an Zulauf. Mit der Begründung, man wolle halt mit den Innovationen kalifornischer Unternehmen nicht Washington finanzieren.
Das Ende der USA wird nicht von außen kommen, sondern von innen. Der neue Präsident ist gerade dabei, Dinge zu säen, die ihm nicht gefallen würden in seinem Garten.

Auch woanders stehen die Zeichen auf Krise. In Arabien nämlich. Da haben die Saudis, die Ägypter, Bahrain und VAE doch glatt Katar zur persona non grata erklärt.
Katar hat eine Fläche von etwa 11.000 km², das sind grob fünf Saarländer. Die Einwohnerzahl rangiert irgendwo knapp unter der von Berlin. Außerdem hat Katar noch etwas, daß weder das Saarland noch Berlin besitzen: Jede Menge eigenes Erdgas und Geld. Viel Geld.
Die Schulen sind kostenlos, Bedürftige erhalten monatliche feste Regelsätze, auch die medizinische Versorgung ist der eines Drittweltlandes wie etwa den USA weit überlegen und kostet ebenfalls nichts. Weswegen in dem weltbekannten, demokratisch-freiheitlichen Utopia auch die Fußball-WM 2022 stattfinden soll. Wenn es dann noch eine gibt.

Dummerweise besteht die Staatsführung Katars darauf, den Iran zu mögen, ganz im Gegensatz zu den arabischen Nachbarn. Was eventuell daran liegen könnte, daß das gigantische Gasfeld unter dem Persischen Golf, aus dem Katar seinen Reichtum bezieht, eben auch ein iranisches Gasfeld ist. Denn der Iran liegt auf der anderen Wasserseite. Außerdem herrscht im Land der sunnitische Islam als Staatsreligion, auch das unterscheidet Katar vom Saarland. Oder Berlin.
Das ist dieselbe Richtung des Islam, die auch der Nachbar Saudi-Arabien bevorzugt. Der Unterschied ist, daß sich Katar mit seiner schiitischen Bevölkerung auf Ruhe geeinigt hat, in Saudi-Arabien werden die Schiiten hingegen systematisch schon seit Jahrzehnten unterdrückt.

Bei den Nachbarn der Saudis und der Katari, dem Land Bahrain, ist es wieder etwas anders. Hier herrscht eine sunnitische Minderheit, nämlich das Herrscherhaus, über ein schiitisches Volk. Was dazu führte, daß im Rahmen des „Arabischen Frühlings“ 2011 die Saudis Truppen nach Bahrain entsendet haben. Auf Anfrage der dortigen Regierung. Sonst wäre den Herrschern nebenan ihr Land wohl um die Ohren geflogen.
Man könnte so sagen, daß saudische Truppen bereits an der Nordwestgrenze Katars stehen. Außerdem führen die Saudis seit geraumer Zeit einen Krieg im Jemen. Dieser Konflikt ist trotz fadenscheiniger Begründung nichts anderes als ein Stellvertreterkrieg mit dem Iran. Im Grunde ist dieses Land, im Gegensatz zum Nachbarn eines der ärmsten der Welt, inzwischen eine Kampfzone mit verhungernder Bevölkerung.
Wer also geglaubt hat, diese Blockade von Katar sei eine diplomatische Krise, hat sich geirrt. Ich hatte mal irgendwo gesagt, was das Wesen einer Krise ausmacht.

Die Blockade von Katar wird begründet mit der Unterstützung von – Terrorismus. Nun, wenn ich den Saudis eines glaube, dann auf jeden Fall, daß sie islamistische Terroristen erkennen, wenn sie welche sehen. Schließlich waren die Jungs von 9/11 saudische Staatsbürger, jedenfalls größtenteils. Der Vorwurf ist aber durchaus gerechtfertigt, denn tatsächlich finanziert Katar solche Jungs wie den „Islamischen Staat“. Andererseits finanziert Saudi-Arabien in Syrien Gruppen, die sich vom Islamischen Staat nur dadurch unterscheiden, daß sie die Fusselbärte vom IS für zu weiche Muttersöhnchen halten in ihrer Behandlung von Ungläubigen.
Der wahabitische Islam ist einfach noch radikaler als alles andere in dieser Religion. Und er ist die Staatsreligion des Öllandes und besten Freundes westlicher Politiker, Saudi-Arabien.

Was Donald Trump nicht daran gehindert hat, sofort per Twitter sein Lob zu spenden für die Blockade. Oder besser, sich mal wieder selber zu loben, denn schließlich war der beste Präsident aller Zeiten kurz vorher bei seinen Kumpels in Riad und hat gesagt, man müßte mal was gegen diesen Terrorismus tun. Anstatt dann aber Donald Trump zu verhaften, haben die Saudis eben die Idee mit der Blockade Katars gehabt.
Sein Außenminister Rex Tillerson war gestern allerdings völlig anderer Meinung.
„Die Isolation Katars muß sofort beendet werden“, sagte der ehemalige CEO von Exxon Mobil. Außerdem sprach er von humanitärer Katastrophe. Was Blödsinn ist, denn Katastrophen sind niemals humanitär. Aber auch richtig, denn Katar ist eines der reichsten Länder der Welt. Was bedeutet, die haben nichts zu essen. Die haben nur Geld. Und Wüste. Und Klimaanlagen.
Nach meinen persönlichen Erkenntnissen muß Katar etwa 127,3% seiner Lebensmittel und Versorgungsgüter importieren – ich muß das noch mal nachrechnen. Aber außer Wüstensand hat dieses Land nur noch abartige Temperaturen zu bieten, die man bedauerlicherweise nicht exportieren kann.
Eine Stunde danach zwitscherte der Präsidenten-Account, daß Katar seit Jahren den Terror finanziere und die Blockade total toll sei. Soweit dann also zu einer politischen Linie der USA.

All das ist keine Krise. Es läuft darauf hinaus, den Iran politisch zu isolieren. Denn die Iraner sind Schiiten, also Ungläubige. Und die Iraner haben im Ersten Golfkrieg gegen den Irak gekämpft und sich erdreistet, nicht zu verlieren. Das war der Krieg, den ein sympathischer Hoffnungsträger namens Saddam Hussein vom Zaun gebrochen hatte. Und der dafür mit amerikanischen Waffen ausgestattet wurde. Die wiederum wurden bezahlt mit Milliarden Dollar, die aus Saudi-Arabien kamen. Die Typen da unten hassen sich schon seit Jahrzehnten, das ist bei denen so Tradition.
Und die USA wollen das Land fertigmachen, weil der Iran es gewagt hat, keine Atomwaffen zu bauen. Sondern einen Deal zu machen. Mit den USA übrigens. Einen Vertrag. Und dann halten die sich auch noch dran!
In den Augen von Donald Trump ist das natürlich ein unhaltbarer Zustand. Einfach Verträge abzuschließen und sich dran halten? Das ist ja absurd. Und Verträge auch noch, die schlecht sind für die USA. Skandal! Wobei mir einfällt – warum eigentlich?
Ich wüßte jetzt nicht, daß die USA größere Gebietsabtretungen mit Teheran vereinbart hätten im Atomdeal.
Oder das in Amerika ab sofort nur noch iranische Kopftücher verkauft werden dürften. Die die meisten iranischen Frauen sowieso nicht tragen. Übrigens haben die Iraner gerade einen neuen Präsidenten gewählt. Es ist der alte. Ein eher gemäßigter Typ mit einem gewissen diplomatischen Sachverstand. Fachpersonal, das einem anderen Land durchaus auch gut zu Gesicht stünde.

Um das klarzustellen: Weder der Iran noch Katar genügen meinen persönlichen Ansprüchen an eine freiheitliche Demokratie. Die einen richten noch mehr Leute hin als die USA oder die Saudis. Und in Katar herrscht der Emir mit seinem „Beraterstab“ über das Land. Es gibt kein Parlament oder andere Dinge. Nur eine Verfassung, die dieses autokratische Rumgeherrsche ernsthaft eine Deomokratie nennt. Wahlen gibt es da ebensowenig wie bei den Saudis.

Ich frage mich, was jetzt passiert, wenn die Regierung Katars – also der Emir und seine 40 Räuber – im Iran um Unterstützung nachfragt, weil die Nachbarn sonst angreifen könnten.*
Die Türkei hat jedenfalls schon mal angekündigt, Truppen nach Katar zu entsenden.
Was sich da unten zusammenbraut, ist keine Krise. Die Glut dieses Feuers schwelt schon so lange, daß man sich eigentlich wundern muß, daß es nicht schon früher zu dieser Situation gekommen ist.
Jetzt möchte Saudi-Arabien mal wieder von seinem eigenen Mist ablenken und dazu sucht man sich natürlich den Nachbarn aus, der mit dem Iran diplomatisch nicht auf Kriegsfuß steht. Wenn die Saudis wirklich Terroristen jagen wollten, müßte die gesamte Staatsführung sich morgen selber öffentlich im Stadion enthaupten.

Für Kassandra wird die Situation besonders dadurch interessant, daß eben ein guter Teil des saudischen Ostens nicht nur die sunnitische Bevölkerung enthält, sondern auch eine Menge Raffineriekapazitäten.
Die Luftwaffe Katars ist nicht gerade zahlreich, aber sie hat Übung beim Bombardieren von Dingen in der Wüste. Denn diese Luftwaffe hat Stellungen des IS bombardiert, im syrischen Bürgerkrieg. Und zwar auf Seite der USA.
Wenn eine Handvoll Mirage 2000 über einer großen Raffinerie der Saudis auftauchen sollte, könnten die Ölpreise schneller wieder steigen, als man das denken sollte.
Was eine auch nur kleine Verringerung des Energieflusses für die Weltwirtschaft bedeutet, haben wir in den 70er Jahren gesehen. Brennende Raffinerien in einem bewaffneten Konflikt auf der arabischen Halbinsel sind nicht das, was westliche Supermarktpreise gut finden.

Zum Glück hat inzwischen das FBI herausgefunden, was da genau passiert ist auf der arabischen Halbinsel. Wie konnte es zu dieser völlig überraschenden Entwicklung kommen?
Aussage des FBI: Die Russen waren es!
Natürlich. Wie konnten wir alle diesen offensichtlichen Zusammenhang übersehen?
Irgendwelche Experten des FBI behaupten ernsthaft, daß die Russen Nachrichtenmeldungen in Katar manipuliert hätten. Diese wiederum hätten eben den Iran „zu positiv“ dargestellt in den Augen der Nachbarstaaten – also der saudischen Führungsclique. Und die haben dann deshalb die Beziehungen zu Katar eingestellt und die anderen Staaten mit ins Boot geholt.
Ich muß schon sagen, diese Fähigkeiten von Vlad Putin, die ganze Welt per Knopfdruck seinem Willen zu unterwerfen, beeindrucken mich doch enorm. Respekt!
Wie dieser Sith-Lord der Moderne schwer kalkulierbare politische Ereignisse manipuliert und seine Schergen überall hat, das ist geradezu unfaßbar. Dieser Mann muß nicht nur eine, nicht zwei, nein, mindestens drei flauschige weiße Katzen besitzen, die ständig gestreichelt werden.
Allein schon dieser Schachzug, einen völlig durchgeknallten, irrlichternden Demenzpatienten ins Weiße Haus zu manipulieren und so die Außenpolitik der USA für Rußland sehr viel übersichtlicher zu gestalten – völlig genial. Ich wäre da ja nicht drauf gekommen.

Nach der Manipulation durch die Russen bei der Bundestagswahl wird dann bestimmt auch dieser Sozialistenführer Schulz Deutschland nach seinem Wahlsieg im Herbst mit einem radikalen Gerechtigkeitsprogramm in den Ruin treiben und so einen weiteren Gegenspieler des Zaren eliminieren, während verhungernde Multimillionäre schwerreiche Rentner und Mindestlöhner im Park überfallen müssen, um noch einen Kanten Brot zu erhaschen. Ich nehme an, das FBI wird das dann beweisen.

Falls die ehemalige SPD es überhaupt noch bis zur Wahl schafft. Denn wenn die Prozente so weiter absacken, wird es im Herbst eng mit der 5-Prozent-Hürde. Schon vor zwei Jahren twitterte Nils Schmid, er hoffe sehr, daß sich die Labour Party in England jetzt nicht in die Bedeutungslosigkeit bewege. Da war gerade ein Jeremy Corbyn zum Chef der Partei gewählt worden. Das ist der Mann, der gerade in Großbritannien bei der Neuwahl einen Prozentsatz geholt hat, für den die deutsche SPD jederzeit morden würde..
Völlig verblüfft darüber, daß eine sozialdemokratische Partei mit einem Sozialdemokraten als Anführer und einem sozialdemokratischem Programm in einer Wahl massive Stimmengewinne verzeichnet, kündigte Martin Schulz seinen Besuch bei Jeremy an.
Ich denke, ich weiß schon, was Mr Corbyn seinem deutschen Kollegen sagen wird. Nicht einmal der Guardian fiel auf diese Ankündigung rein und kommentierte, daß Herr Schulz sich wohl eher von Jeremy Corbyn ein paar Tips holen wolle und nicht umgedreht.
Ach ja – falls einer nicht wissen sollte, wer Nils Schmid ist: Der leitet die ehemalige SPD in Baden-Württemberg und hat bei den Landtagswahlen im letzten Jahr stolze 12 Prozent geholt. Soweit dann zur Bedeutungslosigkeit.

In Großbritannien bleibt derweil alles bei der Alten – also der Premierministerin Theresa May. Weit entfernt davon, sich nach dem Wahldebakel vom Donnerstag auch aus dem Amt zu entfernen, präsentierte sie stolz ihre neue Regierung. Es ist die alte, sieht man von ein, zwei Weggefährten ab, die verzweifelt schreiend davongelaufen sind.
Der Unterschied ist, daß die Tories jetzt keine – wenn auch dünne – absolute Mehrheit mehr haben im Parlament, sondern sich von der DUP dulden lassen müssen. So sehen Sieger aus. Die DUP, das sind diese Typen aus Nordirland, die fanatisch für die Union sind – für die Union von Großbritannien, nicht etwa eine Union von Nordirland und der Republik Irland.
Man könnte sie auch als konservative, steifärschige Empire-Verehrer bezeichnen, die gerne wieder von Victoria regiert werden möchten und sich vermutlich jeden Abend aus Freude eine Darmspülung mit Earl Grey verabreichen. Heiß, natürlich.
Diese Leute mögen keine homosexuellen Ehen und sind gegen jegliche Abtreibungsmöglichkeit. Sie haben eine Kampagne für den Brexit geführt, möchten aber trotzdem eine „naht- und reibungslose“ Grenze zu Irland haben. In Sachen Klimawandel stehen sie auf einer Stufe mit dem Trumpeltier. Und geführt werden sie von einer Frau, deren Vater mal angeschossen wurde. Von der IRA.

Unweigerlich fällt mir die Regierung Israels ein, diese Bande aus schurkenstaatlichen Betonköpfen, die seit nunmehr zwei Jahrzehnten von den ultrarechten Splitterparteien in ihrer gesamten Regierungspolitik in eine extreme Richtung gezwungen werden. Wobei sie die auch willig mitlaufen. Der israelische Zustand ist etwa so, als würde der nächste Bundeskanzler mit den Stimmen der Reichsbürgerpartei gewählt werden, während er eine Minderheitsregierung mit den Grünen führen muß. Der britische ist nicht so viel besser seit Donnerstag.
Aber Ms May hat kein einziges Wort über verlorene Wahlen verloren.
Außerdem passen die Unionisten gut zu einer Premierministerin, die ja neulich schon sagte, sie werde alle Menschenrechte plattmachen, wenn die ihrer „Anti-Terror-Gesetzgebung“ zuwiderlaufen. Das war noch vor der Wahl, aber wer schon nicht merkt, daß er die gerade krachend verloren hat…
Großbritannien erfüllt bereits jetzt die Definition eines Polizei- und Überwachungsstaats und hat in London die höchste Kameradichte der Welt. Aber offenbar ist das noch nicht genug.
Aber auch da besteht keinerlei Gefahr. Sollte sich jemand bei den UN beschweren, landet das beim Menschenrechtsrat. Und dessen Vorsitz wird geführt vom Botschafter Saudi-Arabiens. Das paßt zur Kommission für Frauenrechte – offenbar sind Frauen keine Menschen, deswegen muß man das extra regeln – in der ebenfalls Saudi-Arabien den Vorsitz führt.

Ach ja – was übrigens diesen Klimawandel angeht, da habe ich auch mal einen netten Zeitungsartikel zu gefunden.
Hier wird klar die Befürchtung geäußert, daß die Verbrennung von 2 Milliarden Tonnen Kohle pro Jahr doch einige unangenehme Wirkungen auf die Erdatmosphäre haben dürfte. Ich bitte besonders, das Datum der Veröffentlichung zu beachten.

Genau um diesen Klimawandel geht es dann auch demnächst wieder in einer Stadt, die nah am Wasser gebaut hat: Nein, nicht Miami. Hamburg.
Da ist nämlich G20-Gipfel demnächst. Nachdem es die CDU nicht geschafft hat, die gesamte Stadt zur grundgesetzfreien Todeszone erklären zu lassen, wird der Gipfel wohl doch nur unter den normalen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Deswegen kostet er dann nur hundert Millionen oder so in der Art.
Allerdings soll immer noch die halbe Stadt unter ein Demonstrationsverbot fallen. Denn natürlich machen Demos nur dann Sinn, wenn diejenigen nichts davon mitkriegen, gegen die man da demonstriert. Ist ja logisch. Finden auch die AfD und die CDU in Hamburg. Da wächst sehr schnell zusammen, was zusammengehört in dieser Stadt.

Selbst einigen der eingesetzten Sicherheitskräfte scheint dieses Gebaren der Weltführungkräfte allmählich zu stinken. Und zwar sogar gewaltig.

Ich bin nicht zur Polizei gegangen, um dafür zu sorgen, dass Menschen in überteuerten Anzügen noch teurer essen und Konzerte besuchen können, um das Ganze noch mit wichtigen politischen Anliegen zu rechtfertigen. Ihr Gelage erinnert mich bereits jetzt an Festlichkeiten in mittelalterlichen Burgen, während der gemeine Pöbel vor der erleuchteten Burg stehen muss.
Ich finde es eine bodenlose Frechheit, wie ignorant dieses Treffen geplant und gegen den Willen hunderttausender Menschen durchgesetzt wird.

Das klingt so, als wäre es von mir. Der Typ ist aber Polizeibeamter und Insider. Wenn solche Leute klingen wie Sahra Wagenknecht, ist was falsch im Lande.
Wir merken uns also: Sobald die Revolution kommt, ist die erste Aufgabe, der Polizei klarzumachen, daß sie ebenso verarscht wird von den Reichen und Mächtigen, wie das beim Durchschnittsbürger auch der Fall ist. Aber Hauptsache, diese Leute bekommen ein schönes Städtchen Hamburg zu sehen und eine lächelnde Kanzlerin als Gastgeberin.
Derweil gelingt es eben dieser Kanzlerin aller Deutschen nicht so recht, eine gemeinsame Lösung gegen Donald Trump zu finden, wie es aussieht. Oder besser, dessen Ablehnung des Pariser Klimaabkommens.
Jedenfalls hat die Regierung Kanadas schon mal vorgeschlagen, man könne doch die eine oder andere Formulierung beim G20 aus der Schlußerklärung streichen. Damit der Präsident der USA die auch unterschreiben könne.
Also beispielsweise so Formulierungen, daß es ein Klima überhaupt gibt und wir das irgendwie brauchen. Im stabilen Zustand. Also dem Gegenteil von Donald Trumps Kopf.

Schön, wie aus einer völlig bedeutungslosen Sache wieder ein Politikum gemacht wird, das man bei ein paar Festessen unter Polizeischutz unbedingt besprechen muß. Da bin ich mit dem Herrn Polizisten aber eindeutig einer Meinung.
Seit zwanzig Jahren machen andere Länder auf Klimakonferenzen das, was Lobbyisten aus den USA wollen. Dies nicht reinschreiben, das nicht erwähnen, diese Maßnahme vertagen, jene Idee nicht verfolgen. Immer schön weitermachen mit business as usual.
Das ist nämlich der typische Bullshit, der bei so etwas wie einer „gemeinsamen Lösung“ rauskommt, die Frau Merkel so gerne propagiert. Am Ende macht man dann nichts, kann aber immer auf den anderen zeigen und sagen: „Die wollten halt nicht.“
Und jetzt, 25 Jahre nach dem „Earth Summit“ in Rio, hat die Industriewelt noch kein Gramm CO2 weniger rausgeblasen. Jedes Jahr war es mehr als im Jahr davor. Das ist natürlich nicht alleinige Schuld der USA, aber sie waren immer eine treibende Kraft hinter diesem selbstmörderischen Verhalten. Womöglich werden wir die Sicherheitsvorkehrungen in Hamburg doch brauchen. Denn überall da, wo Donald Trump auftaucht, gibt es hinterher Ärger. Ich sage jetzt nicht, daß der Kerl Dr. Doom ist. Ich sage nur, daß noch nie jemand Dr. Doom und Donald Trump in einem Raum gesehen hat.

Wir sollten auf den G20 alles in irgendwelche Abschlußerklärungen reinschreiben, was den Amis so richtig stinkt, und uns den sprichwörtlichen feuchten Dreck darum scherern, was dieser halbdebile alternde Showmaster-Versager im Weißen Haus davon hält oder ob er irgendwas unterschreibt. Das ist ohnehin völlig bedeutungslos. Am nächsten Tag twittert der Typ wieder was völlig anderes. Die Unterschrift der USA unter einem Papier ist nichts wert. Da kann man mal die Regierung in Teheran anrufen und nachfragen.
Wir Europäer brauchen dieses Volk und dieses Land nicht und seinen Präsidenten auch nicht. Es gab niemals einen besseren Zeitpunkt als jetzt, um einfach unter den Ländern, die was machen wollen, eine Einigung zu erzielen und auch etwas zu tun.
Ob mit oder ohne Polen oder mit oder ohne die verdammten USA.
Europa läßt sich seit zwanzig Jahren von den USA den Arsch nachtragen und die Kohlen aus dem Feuer holen, obwohl wir das längst mal hätten ändern müssen. Diese Gelegenheit ist nicht schlechter als andere. Weswegen sie auch sicherlich wieder einmal ungenutzt verstreichen wird.

Dafür konnten wir uns in unserer Besserwelt schön sonnen, in der wir weniger Dreck machen – weil der jetzt in China gemacht wird. Oder in der wir die Menschenrechte hochhalten. Wir leben im Superduper-Westen.
Hier gibt es Gesichtserkennung im Supermarkt. Damit noch mehr Großkonzerne noch mehr verdammte Daten sammeln können, um unseren Konsum zu optimieren.
Und einen Bundesjustizminister, der in der Großen Koalititon gerne Staatstrojaner überall installieren möchte und sich in seinem faschistoiden Wahn in nichts von einer Theresa May oder anderen angeblichen Führungspersönlichkeiten unterscheidet.

Ich will keine politische „Einigkeit“, die wieder absolut nichts bringt. Mit diesen Idioten kann man sich über nichts einig sein. Diese beschissene Heuchelei hängt mir zum Hals raus, um es mal deutlich zu sagen. Einigkeit um jeden Preis ist ein Haufen Mist und sonst nichts.
Wenn eine Einigung auf Basis der Trennung uns weiterbringt, dann sei es so. Da können wir doch eigentlich mal bei den USA anfangen. Man kann ja beim nächsten G19-Gipfel dann wenigstens kalifornischen Kaffee servieren. Oder den kalifornischen Präsidenten einladen.
Und eines Tages wählen dann womöglich sogar Deutsche eine Regierung mit Sachverstand in wichtigen Fragen, nachdem wir beschlossen haben, uns von den ganzen Idioten in den teuren Anzügen zu trennen. Wer weiß.

 

 

* Update:
Kaum habe ich den Satz getippt, lese ich, daß der Iran erste Flugzeuge nach Katar schickt. Mit Gemüse und Obst. Im Moment noch.

Advertisements

5 thoughts on “Blick über den Tellerrand

  1. War es nicht so so, dass Herr Trump genau weiß, wie das föderale System in seinem Land aussieht, er sich schon im Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben hat, die Bundesregierung zu schwächen, dafür von ganz Arm und ganz Reich bejubelt und gewählt wurde und dieses Vorhaben jetzt mit kühler Präzision und viel Sachverstand und innerer Logik vorantreibt? Das sieht nur unzurechnungsfähig aus, weil Bundesregierung Schwächen halt das Gegenteil der Stellenbeschreibung „President of the US“ ist…

    Gefällt 1 Person

    1. Das wäre natürlich äußerst durchtrieben von diesem weitblickenden Vorausplaner politischer Schachzüge 😀
      Wobei – irgendwas zu machen, das exakt das Gegenteil der Stellenbeschreibung ist, wäre ja für die GOP durchaus angemessenes Verhalten.

      Gefällt 1 Person

      1. Da war neulich so ein Artikel in der Zeit, wo sein Verhalten als sehr typisch und logisch für amerikanische Geschäftsleute beschrieben wurde. Mir kam es auch vorher schon vertraut vor von beruflichen Erfahrungen mit Amis, die in der Firma viel zu sagen hatten. Das war extrem Sprunghaft, situativ und es wurde auf alle europäischen Werte systematisch geschissen. Vor allem Sachwerte, Beständigkeit und Verlässlichkeit schienen die vollkommen zu ignorieren. Mit hoher Intelligenz absolut rücksichtslos auf Profitmaximierung. Und wenn mans ihnen ins Gesicht sagte, fühlten sie sich geehrt.

        Gefällt 1 Person

      2. Tja – psychopathische Züge eben. Vor einer Weile – auch bei ZON – gab es einen Artikel zu einer Studie, die klar aussagt, daß die besonders Supererfolgreichen auf CEO-Ebene bei Banken, Hedgefonds, transnationalen Konzernen und so dieselben psychologischen Züge aufweisen wie der freundliche Massenmörder von nebenan. Ethik, Empathie, moralische Grenzen und anderer Schnickschnack? Null.

        Ich habe schon immer gesagt: Wo andere Herz und Hirn haben, haben Amis ’ne Registrierkasse.

        Ich vermute, du meinst diesen Artikel?

        Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s