Pollice Verso

Nach einem extrem zerfahrenen Start hat das Team sich dann doch noch halbwegs gefunden. Trotz individueller Patzer, die zur zwischenzeitlich sicher erscheinenden Niederlage geführt hätten, kam so etwas wie beharrlicher Siegeswille auf, ein Drang, die selbst erzeugten Probleme in den Griff zu bekommen. Und dann machte ausgerechnet der Mann, der vorher für den Treffer des Gegners in der Arena gesorgt hat, den entscheidenden Punkt. Was für ein Abend. Keine Agatha Christie hätte den Mörder spannender entlarven können.

Fußball-Deutschland ist erleichtert, beobachtet aber La Mannschaft weiterhin recht skeptisch. Auf der einen Seite ist das Spiel gegen Schweden gut, denn es bedeutet noch ein weiteres Spiel, bevor uns Brasilien mit einem 7:1 dann nach Hause schicken wird. Auf der anderen Seite ist das Spiel natürlich schlecht, weil wieder alle nur auf den Rasen gucken oder auf Rudys blutende Nase. In sämtlichen Hauptmedien sind die Online-Titelseiten heute bedeckt mit ausschließlich einem Thema: Fußball.
Ob der Ball rund genug war, der Rasen zu kurz, die Hosen zu eng, die Mannschaft so gut, der Müller zu schlecht, die Schweden zu angepißt – alles wird durchdiskutiert. Jeder noch so sinnlose Kleinscheiß wird in fotobestückten Artikeln verwurstet. Römische Cäsaren wären über Brot und Spiele zusammen mit Massenmedien so unfaßbar begeistert gewesen, es gäbe das Römische Reich heute noch. Wobei das in gewisser Weise tatsächlich der Fall ist.

In der Zwischenzeit haben sich die deutschen Parteien in seltener Einmütigkeit mal eben 25 Millionen Euro gegönnt. Aus der Staatskasse natürlich, denn woanders kriegen Parteien Gelder in der Höhe ja nicht zusammen. Wie immer wird das sportliche Großereignis im Hort des Bösen, regiert vom Dämonen Putin, dazu genutzt, möglichst viel Scheiß zu bauen, denn daheim keiner mitbekommt. Es gucken ja alle Fußball.
Da kann man schon mal verpassen, daß das Europaparlament sich gerade selbst als die unnötige Demokratiesimulation bestätigt hat, die es eben auch ist. Denn das Parlament hat das sogenannte Leistungsschutzrecht auf europäischer Ebene nicht etwa abgelehnt, sondern einfach durchgewunken.
Dem unwissenden Leser sei erläutert, daß es sich hierbei um eine Aktion unter vornehmlicher Führung des Axel-Springer-Verlags handelt. Die hat dann in Deutschland vor einer Weile eben dieses „Leistungsschutzrecht“ durchgesetzt. Es besagt, daß große Suchmaschinen wie Google den Verlagen Geld zahlen sollen, wenn die Suchseite von Google News beispielsweise kleine Textauszüge – Snippets genannt – anzeigt, die zum Artikellink gehören. Denn der Artikel ist die Leistung, die da geschützt werden soll. Alleine hier kommt man in Verbindung mit „Springer-Presse“ schon aus dem Lachkrampf nur schwerlich heraus.

Daraufhin war Google etwas indigniert. Als Spanien dann vor einer Weile beschloß, ein ähnliches Gesetzesvorhaben durchzusetzen, nahm Google spanische Medienerzeugnisse einfach aus seinem Suchindex heraus. Deutsche übrigens auch. Woraufhin die BlödZeitung weinte, ihre Werbeeinnahmen gingen massiv zurück. Woraufhin wieder ein Anwalt der Springer-Presse vor einem Gericht erläuterte, daß ja der Hauptzweck des Verlages nicht etwa Journalismus sei, sondern eben Werbung. Da ging es zwar um den Einsatz von Add-Blockern im Browser, aber die Argumentation ist diesbezüglich überaus interessant. Kassandra hatte diese Nummer irgendwo in den Tiefen des Blogs schon einmal erwähnt.

Während deutsche Fans in russischen Stadien pfeifen, weil zwei Spieler vermeintlich undemokratische Regierungen unterstützt haben, tötet der Springer-Verlag das Internet. Goebbels wäre begeistert über heutige Massenmedien.

Jedenfalls wurde diese Weigerung des amerikanischen Unternehmens, dem weltbedeutenden und tiefsinnigen Journalismus eines Springer-Verlags den gebührenden Tribut zu entrichten, selbstverständlich als Affront aufgefaßt. Was tut man, wenn jemand, der einem diverse Hunderttausend Werbeopfer zuschanzt durch seinen Suchindex, dafür nicht auch noch Geld bezahlen will?
Genau, man verabschiedet ein Gesetz, daß den uneinsichtigen Gegner dazu zwingen soll, gefälligst auch auf die eigenen Seiten zu verlinken. Praktische Sache. Wenn man nicht zahlen will für eine Leistung, die gar keine ist, dann wird man eben dazu verpflichtet, das angebliche Produkt auch anzubieten, damit sich daraus eine Zahlungspflicht ableiten läßt. Natürlich hat Google das lächerliche Kläffen des deutschen Zwerpinschers, der ihm da ans Bein zu pissen versucht, beharrlich ignoriert. Und auch zu Recht.

Diverse Verlage schlossen sich Springer an, die meisten allerdings faßten sich an den Kopf, ganz besonders die Online-Redaktionen. Aber die wurden dann auf Linie gebracht, nämlich vom damaligen Innenminister und von so großartigen Typen wie Günther Oettinger auf EU-Ebene, der ja damals noch Digitalkommissar war.
Der Mann, der jetzt auf Europa-Ebene für das Leistungsschutzrecht gesorgt hat, heißt Axel Voss und ist natürlich in der CDU. Was auch sonst.
Was herausgekommen ist, nach zahlreichen sogenannten „Kompromißvorschlägen“, ist eine Totalzensur des Internets. Denn es sollen auch große Plattformen wie Youtube und andere dazu verpflichtet werden vor dem Upload irgendwelcher Dinge zu prüfen, ob die nicht womöglich urheberrechtlich geschützt sind.
Das bedeutet natürlich auch, daß man diese Inhalte durchsuchen muß, was von einem automatischen System erledigt wird. Ist etwas verdächtig, erscheint es einfach nicht. Da natürlich ein großer Anbieter sichergehen möchte, nicht eventuell gegen Urheberrechte zu verstoßen, wird im Zweifel eben auch ein unbedenklicher Beitrag nicht erscheinen.

Gegner des Gesetzes bezeichnen es als „Linksteuer“. Warum?
Weil auch in einem Link natürlich bereits eine Vorschau angezeigt wird, nämlich die auf einen verlinkten Artikel. In Form der Überschrift zum Beispiel. Dummerweise besteht das Internet zu einem sehr großen Teil aus diesen Links. „Keine Sorge“, sagt die Politik, „niemand hat die Absicht, eine Abmahnung wegen Links zu verschicken.“
Bedauerlicherweise rangiert für Kassandra die Glaubwürdigkeit einer derartigen Aussage von Politikern, die ein vierstelliges Paßwort für sicher halten, knapp unterhalb des absoluten Nullpunkts. Arschlöcher wie Springer-Verlage haben immer die Absicht, anderen ans Bein zu pinkeln, wenn sie das können. Viel zu oft haben Entscheidungen von ahnungs- und verstandeslosen Politikern in den letzten zwanzig Jahren ihren Fallout auf normalen Bürgern abgeladen, ohne daß es einen der angeblichen Entscheider interessiert hätte. Hinterher ist es wieder keiner gewesen.
Das angebliche Leistungsschutzrecht ist bisher in Deutschland ein absoluter Versager, deswegen hat man es jetzt in Verbindung mit einem permanenten Durchsuchungsbefehl in europäisches Recht umgemünzt. Nur falls sich noch einmal jemand fragt, warum digitale Dinge in Deutschland nicht recht vorankommen wollen. Diese völlige juristische Absurdität, diese an klebriger Widerlichkeit nicht zu überbietende Lex Springer, hat das EU-Parlament nicht nur nicht verhindert, sie haben es genehmigt. Oder besser, der zuständige Ausschuß hat es genehmigt, das Parlament entscheidet erst Anfang Juli darüber. Allerdings entscheidet dieses Parlament üblicherweise nicht gegen die Ausschüsse.

Es gäbe noch so viele Dinge zu berichten abseits des Fußballs – hahaha.
Das sich die USA aus dem UN-Menschenrechtsrat zurückgezogen haben zum Beispiel. Klar ist ein Gremium, in dem ein Land wie Saudi-Arabien den Vorsitz führen darf, ein mieser Witz. Aber es ist sicherlich kein Zufall, daß dieser Rückzug in dem Moment erfolgt, in dem Kinder an der Südgrenze der USA von ihren Eltern getrennt werden und in Käfige gesperrt. Dabei wäre das gar kein Problem, denn die USA haben die Kinderrechtskonvention der UN niemals ratifiziert.
Nachdem er mehrere Tage lang lautstark brüllend den Demokraten dafür die Schuld in die Schuhe geschoben hatte, sie blockierten im Kongress eine Änderung der Gesetze und gefährdeten so die Sicherheit der USA, beschloß der Präsident dann völlig überraschend, das man das wohl doch nicht machen müsse und läßt die Kinderlein ab sofort mit ihren Eltern in Lager sperren.
Übrigens ganz ohne Zustimmung irgendwelcher Demokraten, denn die Republikaner halten die Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses, die man dafür braucht. Selbst eine demokratische Mehrheit hätte eine „executive order“ des Präsidenten nicht verhindern können, die jetzt auch erlassen wurde.
Man sollte allerdings nicht glauben, daß Trump aus plötzlicher Empathie so gehandelt hat. Ihm ist wohl aufgefallen, daß weinende Dreijährige, die auf Twitter die Staatssicherheit gefährden und Frauen vergewaltigen und plündern, im Fernsehen politisch nicht wirklich gut rüberkommen.
No shit, Sherlock!

Ob dieser Praxis verstieg sich der ehemalige NSA-Chef Michael Hayden, der in meiner persönlichen Bestenliste der verlogensten Wichser des 21. Jahrhunderts problemlos in die Top 10 kommt, dazu, ein Bild zu posten, das einen hohen Wiedererkennungswert hat, nämlich Auschwitz.
Der US-Justizminister widersprach daraufhin vehement mit der Bemerkung, daß die Nazis ja versucht hätten, die Juden im Land zu halten. Ach so. Dann ist ja alles gut.
Dieser Mann, der die anlaßlose Überwachung quasi des gesamten Planeten immer vehement verteidigt hat und einmal weinerlich beleidigt sagte, die Menschen wüßten die NSA als „nationalen Schatz“ gar nicht zu würdigen, findet also, daß die USA sich da irgendwie scheiße verhalten.
Gerade erst hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, daß der Betreiber des größten deutschen Internetknotens, des DE-CIX in Frankfurt, sich nicht dagegen wehren darf, wenn der BND die gesamte dortige Kommunikation ausleitet und überwacht. Wo kämen wir da auch hin, wenn die deutschen Geheimdienste nicht weiter alles überwachen dürften? Ich frage mich, ob die dann demnächst auch Leistungsschutzrechte bezahlen müssen eigentlich.

Unterstützung erhielt Mr Hayden von James Clapper, ehemaliger Direktor des DNI, das ist die Koordinierungsstelle aller 17 US-Geheimdienste. Ja, siebzehn Geheimdienste. Fox Mulder arbeitet eben nur für einen.
Mr Clapper, der in meiner erwähnten Liste problemlos unter die Top 5 kommt, machte sich ebenfalls Sorgen, allerdings weniger um die Kinder. Es geht ihm vor allem um das Ansehen der USA in der Welt. Nun ja, an diesem Punkt hätte ich den ehemaligen Geheimdienstler problemlos beruhigen können, glaube ich. Wenn das eine Arschloch dem anderen zutwittert, es solle sich nicht so offensichtlich wie ein Arschloch benehmen, damit man weiter so tun kann, als wäre man keines – wie tief kann ein Land noch sinken?
Inzwischen wird offensichtlich, daß die US-Behörden auch wohl nie vor hatten, diese getrennten Familien wieder zusammenzuführen. Es gab weder ein brauchbares Registrierungssystem noch sonst etwas. So etwas wäre den Nazis allerdings nicht passiert, da bin ich mir sicher. Auch die Tatsache, daß man zuerst Eltern und Kinder trennt, um diese dann als „unbegleitete Minderjährige“ in einem anderen System zu verwalten, sagt als Praxis schon alles.
Im Wirtschaftsmagazin „Forbes“ wird allen Ernstes vorgeschlagen, man könne ja moderne Technik als Chance nutzen, um „tragischerweise getrennte Familien“ wieder zusammenzuführen. Muß man eben einen DNA-Test machen. Vielleicht ist nach unten doch einfach alles offen, wenn sich die dünne Fassade der Zivilisation auflöst.

Man könnte auch darüber berichten, daß heute in der Türkei gewählt wird. Und zwar sowohl Präsident als auch Parlament. Es sieht im Vorfeld so aus, als könnte Erdogan diese Wahl eventuell sogar verlieren. Aber ich vermute, er kann sich da auf die Unterstützung der in Deutschland lebenden Wahltürken verlassen. Die finden ihn ja toll.
Erdogan selbst hat diese Wahlen vom Zaun gebrochen, um seine Macht weiter auszubauen. Denn der neue Präsident soll noch mehr Machtbefugnisse bekommen als ohnehin schon vorhanden sind. Im Grunde ist das, was sich der kranke Mann am Bosporus so vorstellt, eine völlige Entmachtung des Parlaments. In einem Land, in dem noch immer Ausnahmezustand herrscht nach dem angeblichen Putsch. Allerdings ist diese Nummer mit Neuwahlen zum Ausbau der eigenen Macht neulich schon einmal gründlich schiefgegangen. Grüße nach London von dieser Stelle.
Kassandra sieht ein entscheidendes Problem: Sollte das unwahrscheinlich anmutende Ereignis eintreten und Erdogans AKP die Mehrheit im Parlament verlieren oder er sogar nicht mehr Präsident sein nach diesen Wahlen, wird er das Ergebnis auch anerkennen?
Dieser Mann hat in seinen Reden noch gestern davon gesprochen, daß man Wahlfälschungen besonders in den „Terrorgebieten im Südosten“ unterbunden habe. Gemeint sind damit die Regionen der Kurden, die ja in den letzten Monaten von Erdogans Panzern erfolgreich plattgemacht wurden. Wer heute aus Türkisch-Kurdistan kommt und wählen will, muß zwanzig Kilometer zu Fuß durch Polizeigürtel antraben. Viel Spaß. Das ist der Mann, mit dem unsere Kanzlerin Deals abgeschlossen hat.
Die Türkei wird sich also entweder bald offiziell in eine Diktatur verwandeln oder unter Kriegsrecht stehen, schätze ich. Oder beides.

Über eben dieser Kanzlerin brauen sich dunkle Wolken zusammen. Der Streit in der CDU/CSU, dieser unseligen inzestuösen Dauerverbindung in der deutschen Politik, scheint sich zuzuspitzen. Nachdem beide Parteien mehrere Jahrzehnte immer wieder ihre diametralen Ansichten in wichtigen Punkten geleugnet haben, damit die in Bayern gefangenen Wahlberechtigten weiter nur die CSU wählen konnten, scheint ein Ende der Heuchelei bevorzustehen.
Der Bundesheimatminister hatte bereits verkündet, daß er bezüglich seines „Masterplans Migration“ keine Richtlinienkompetenz der Kanzlerin anerkennen wird. In das gleiche Horn stieß vorher auch bereits ein Markus Söder. Der Unterschied ist, daß Söder Ministerpräsident Bayerns ist. Seehofer ist Bundesminister und als solcher darf er sein Ressort selbständig verwalten. Allerdings „innerhalb der Richtlinien“, die vom Regierungschef festgelegt werden. So und nicht anders spricht es das Grundgesetz. Dieser Chef wiederum heißt noch immer Angela Merkel und hat gar keine andere Wahl, als den Heimat-Horst rauszuwerfen, sollte sich Seehofer erdreisten, öffentlich gegen die klaren Ansagen der Regierungschefin zu verstoßen.
Wäre ich Kanzler, würde dieser populistische Tattergreis exakt fünf Minuten später vor der Tür meines Büros stehen, ohne seinen Ministerposten. In der Zeit schicke ich schon mal das Entlassungsgesuch per Fax ins Schloss Bellevue. Tatsächlich hat Seehofer die Kanzlerin sogar gewarnt, ihn zu entlassen. Wegen weil Regierungskoalition und so. Wahrscheinlich hat er das Memo nicht gekriegt, daß Minister eben sehr wohl vom Chef entlassen werden können.
Sollte Seehofer seine Aufstandsnummer durchziehen, hat Angela alternativlos gar keine Wahl, als ihn achtkantig nach München zu feuern. Womit sich diese Regierung als recht kurzlebig erweisen würde.

Insgesamt hat der Flüchtlingsstreit, der weitaus mehr ist als ein solcher, inzwischen eine Eigendynamik angenommen, die ein Seehofer nicht mehr wird steuern können. Denn weigert er sich, seine großspurigen Ankündigungen wahr zu machen, geschützt von einer politisch üblichen, wachsweichen Formulierung von irgendwelchen zukünftigen Absichten, um den eigenen Arsch bedeckt zu halten, wird Söder ihm sofort wieder im Nacken sitzen. In Bayern ist Landtagswahl im Oktober und die CSU muß noch rechter sein als die AfD, denn die greift zu viele Stimmen ab. Tut Seehofer das, was er gesagt hat, ist er fünf Minuten später nicht mehr Minister. Und das völlig zu Recht.

Die Kanzlerin versucht derweil verzweifelt, kräftig für ihre „europäische Lösung“ zu werben, die ebensowenig Substanz hat wie Seehofers Masterplan. Den hat übrigens noch gar keiner gesehen, wie sich herausgestellt hat. Der sogenannte Plan besteht wohl aus einem mehr oder weniger substantiellen Vortrag, den Horst mal gehalten hat. In Wirklichkeit wirbt Frau Merkel aber gar nicht für eine Lösung in der angeblichen Flüchtlingskrise. Sie versucht, Europa dazu zu überreden, ihr den kanzlerlichen Hintern zu retten. Warum Europa das allerdings nach der Merkel-Nichtpolitik der letzten 12 Jahre tun sollte, entzieht sich meinem Verständnis.
Jedenfalls ist Angela völlig alternativlos nach Italien gefahren und nach Frankreich, den Ländern, die volkswirtschaftlich und migrantenmäßig nach Deutschland die größten Brocken sind.

Allerdings gibt es da ein paar kleine Probleme. Italiens Innenminister Salvini, ausländerfeindlicher Vertreter der neuen lechts-rinks-Regierung in Rom, läßt gerade Flüchtlingsschiffe vor der Küste zurückweisen und sagte: „Wir können keinen mehr aufnehmen!“
Das ist schlecht für Deutschland, denn die afrikanischen Flüchtlinge arbeiten gerne als Sklaven auf Tomatenplantagen. Womöglich werden die jetzt teurer für uns. Die Tomaten, nicht die Sklaven. Furchtbare Sache.
Außerdem war Salvini sich einig mit Österreich, das ja auch eine quasi-faschistische Regierung hat und Soldaten an die Außengrenzen der EU schicken möchte. Bayern hat seine Verbundenheit zu Österreich daraufhin gleich betont und plädiert ebenso wie Seehofers Masterplan und auch Italien für Aufnahmezentren – am liebsten außerhalb Europas. Der Witz ist nur, daß die davon betroffenen afrikanischen Staaten davon gar nichts wissen. Ich hoffe, das mit den Außengrenzen klärt sich zumindest, bevor Österreich seine Soldaten losschickt. Sonst bewachen die am Ende noch die Pyramiden.
Die Visegrád-Staaten, das sind die ehemaligen Länder hinter dem Eisernen Vorhang, also Polen, Tschechien, Ungarn und die Slowakei, wollen ohnehin niemanden irgendwo reinlassen, schon gar nicht in ihre Länder. Auch Frankreich und sein reformfreudiger Neoliberalist en marche stellen sich nicht auf die Seite von Angela. Denn auch Emmanuel Macron möchte geschlossene Flüchtlingslager in Europa. Der Übergang von der Willkommenskultur zur Abschreckungskultur ist somit eigentlich beschlossene Sache.

Politische Fragmentierung, Abschottung, Nationalismus, Überwachungsstaat. Alles Symptome der Langen Dämmerung, die erwartbar waren. Sie manifestieren sich allerdings überraschend schnell.

Es ist egal, ob man Internierungslager als „Ankerzentren“ oder sonst was euphemisiert. Sie bleiben Internierungslager. Im Grunde Konzentrationslager, denn hier konzentriert sich eine größere Menge an unliebsamen Menschen.
Das Europa der grundlegenden Freiheit wird sich also auf jeden Fall in ein Europa der Zäune und Lager verwandeln. Und ebenso wie bereits jetzt aus den USA die ersten Fälle bekanntwerden, in denen Wachpersonal die Notsituation der Lagerinsassen ausgenutzt haben soll, wird das in europäischen Lagern dann auch der Fall sein. Sehr bald werden auf den Zäunen auch Selbstschußanlagen auftauchen und dazwischen Wachtürme.
Die Lange Dämmerung und ihre Symptome im Politischen nehmen schneller Fahrt auf, als selbst eine Kassandra das gedacht hätte. Ich schätze, für die zukünftigen Grenzanlagen Europas, hinter dem Minengürtel im Mittelmeer, könnte Deutschland dann gut ausgebildetes Fachpersonal zur Verfügung stellen. Da sollte noch welches da sein. Allerdings müßten wir dann erst die Regierungsfrage klären in unserem Land.

Niemand würde eine Fragmentierung der rechten und konservativen Front in Deutschland mehr begrüßen als ich. Eine bundesweite CSU würde der AfD schneller das Wasser abgraben, als sich Alexander Gauland die Badehose klauen lassen kann. Außerdem vergessen Vollidioten wie Markus Söder, daß es eine Menge Bayern-Insassen gibt, die womöglich dann CDU wählen würden. Denn die tritt ja aktuell in diesem Bundesland nicht an.
Die restliche CDU unter Frau Merkel könnte mit der restlichen SPD zur neuen Partei der mittigen Regierungssimulation verschmelzen und die FDP, die FDP mit Dosenpfand und die unfähigen Linken könnten sich dann überlegen, wem sie jeweils eine Mehrheit zubilligen wollen.
Die ehemaligen Schwestern CSU und CDU jedenfalls könnten vorerst nicht miteinander koalieren. Womöglich müßten im deutschen Parlament Gesetze von Minderheitsregierungen andiskutiert werden. Totales Chaos.

Rein demokratisch betrachtet wäre das Ergebnis fast so schön wie der Freistoß von Tony Kroos von gestern. Es gibt allerdings etwas, das Kassandra noch zweifeln läßt. Es wäre das erste Mal, daß die CSU etwas tut, das sich als gut für das ganze Land erweisen könnte.
Über all diese Dinge könnte man berichten und sogar Links auf bundesdeutsche Medienseiten setzen. Gäbe es da nicht dieses „Leistungsschutzgesetz“, das dem real existierenden Drang zum Totalitären in Europa auch noch digitalen hinzufügen wird.
Wenn die Anhänger des Totalitären gewinnen, wird dies hier vermutlich der letzte Post von Kassandra sein. Wenn sich das Internet endgültig in einen zentralisierten, vorgefilterten und dauerüberwachten Raum verwandelt, bin ich da raus. Das Parlament entscheidet, wie bereits erwähnt, im Juli. Die Blogpause wird bis dahin verlängert. Verlängerung hat ja auch aktuellen Bezug.

Der Ball rollt noch bis zum 15. Juli. Da ist dann Finale in Moskau. Das Finale in Brüssel,  Berlin und in Ankara wird aber sicherlich nicht weniger spannend. Ich wünschte, es würde auch von einer ordentlichen Mannschaft gespielt, die sich für ein gemeinsames Ziel zusammenrauft und die unter kritischer Beobachtung steht. Die politischen Finals sind allerdings alle irgendwo mit deutscher Beteiligung. Beim Fußball kann man da nicht so sicher sein.


Das Beitragsbild zeigt die Praxis des „Pollice Verso“ bei römischen Spielen. Die anwesenden Würdenträger senken den Daumen und erteilen somit den Tötungsbefehl für die unterlegenen Gegner in der Arena. Gemälde von Jean-Leon Gerome von 1872.

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