Kassandras Ende

Tja. Die EU hat soben das neue „Leistungsschutzrecht“ durchgewunken, das sie vor acht Wochen noch abgelehnt hatte. Der Springer-Verlag wird sich freuen. Denn der ist der einzige Laden, der davon profitieren wird.
Damit ist das einstmals als dezentrales Werkzeug und freiheitliches Instrument geborene Internet endgültig tot. Youtuber und andere dürfen sich darauf einstellen, daß ihre Inhalte in Zukunft Paket für Paket durchsucht werden. Denn anders sind die Uploadfilter, die man da heute beschlossen hat, gar nicht machbar. Das ist schön für alle, die auf totalitäre Überwachungsstaaten stehen und immer gerne sagen, wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu befürchten.
Das sehen wir dann beim nächsten Politikerskandal wieder mal. Oder wenn die Nazis doch wieder die Macht übernehmen. Irgendwas hat man nämlich immer zu verbergen.

Da hier jede Menge Dinge von meiner Seite aus auch fachspezifisch erläutert werden, ist so mancher Artikel natürlich eine Ansammlung von Links auf diverse andere Seiten. Ist blöd, denn schon beim Drüberhuschen mit Mauszeiger werden ja die Links angezeigt. Nach juristischer Meinung ist das quasi ein Vorschauschnipsel und müßte leistungsrechtlich eventuell bezahlt werden. Wäre zumindest möglich. Könnte sein.
Und jeder weiß, was passiert, wenn Juristen „Könnte sein“ sagen. Der Verfassungsschutzchef würde vermutlich sagen: „Nach meinem Gefühl ist diese Bedrohung der Blogosphäre nicht authentisch.“

Nun – von mir gibt es jedenfalls kein Geld. Um es deutlich zu formulieren, speziell und ganz besonders in Richtung Springer-Verlag und dessen Chefredaktion: Am Arsch könnt ihr mich!
Immerhin kann man sich so den breitbandigen Ausbau sparen, der seit anderthalb Jahrzehnten ohnehin nicht vorankommt in diesem digitalen Entwicklungsland hier. Was auch Schuld gewisser Großkonzerne ist, die permanent Zucker in den Allerwertesten geblasen bekommen haben für keinerlei Leistung und dann auch noch beleidigt sind, wenn man ihre Mondpreise nicht bezahlen will. Ich nenne da jetzt keine Namen. Aber Hauptsache, wir haben die altertümlichen Kupferleitungen ausgereizt bis zum Arsch und damit Kasse gemacht.

Dieser Blog schließt also hiermit seine Pforten. Bis auf Weiteres oder auch endgültig, das muß sich dann noch erweisen. Aber ich hatte es ja angekündigt. Für dieses Internet möchte ich mit keinerlei Content mehr beitragen. Wenn wir eine Regierung haben, die aus technologisch minderbemittelten Kretins besteht, die sich von unfähigen Konzernen auf der Nase rumtanzen und Steuergelder für nichts aus der Tasche ziehen lassen – bitte. Ich könnte mich jetzt darüber aufregen, aber ich tue es nicht mehr. Jedenfalls nicht in diesem Internet.

Kassandra dankt allen Lesern, Leserinnen, LeseriXen und sonstigen transgeschlechtlichen alphabetisierten Lebensformen, die den dürren Worten des Schreibers bis hierhin ab und zu gefolgt sind. 185 Beiträge haben sich bis hierhin angesammelt. Ich verneige mein Haupt in alle Himmelsrichtungen und schlage meine Stirn demütig in den Staub für die Geduld und diverse Kommentare. Peace!


Titelbild von Nate Beeler für den Columbus Dispatch.

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2 Kommentare zu „Kassandras Ende

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