Vernetzlich

„Er wußte nicht, daß das beharrliche Geräusch eine Reihe hinter ihm das Ende von allem bedeutete: Es würde keine Fortsetzung mehr geben, sehr bald würde es überhaupt keine Filme mehr geben. In der Reihe hinter Larry hustete ein Mann.“
Stephen King, The Stand

In Drogeriemärkten sind Hygieneprodukte ausverkauft, Nachschub ist laut Aussage des Personals nicht zu erwarten. Kein Wunder. Ein nicht unerheblicher Teil irgendwelcher feuchten Tücher wird vermutlich in China hergestellt. Marktradikale FDP-Wähler, deren Empathie und Liberalismus anderen sonst die freie Wahl überlassen möchte, ob sie von Hartz IV jetzt essen oder heizen wollen, oder die Wahl, welche Alters- und Gesundheitsvorsorge sie sich genau nicht leisten können, stehen weinend vor diesen leeren Regalen und beschweren sich über die Kräfte des Marktes, die immer alles optimal verteilen.
Es sei denn, man kommt erst abends um 20:00 in die Drogerie, weil man vorher noch ein paar Leben in Drittweltländern mit Aktienschiebereien nachhaltig versauen mußte.
Auch über den völlig frei nach Angebot und Nachfrage gestalteten Preis einer Flasche Sterilium – ein gängiges Desinfektionsmittel in Praxen und Krankenhäusern – erheben sich bittere Beschwerden.
Als wären 99 Euro nicht etwa ein Schnäppchen für Leute, die sonst beim Essen gehen alleine für die erste Flasche Wein das Doppelte berappen. Kluge Menschen lachen solche Volldeppen aus. Kluge Menschen kaufen destillierten Alkohol in Flaschen. Stroh-Rum hat auch 80 Volt, das langt zum Desinfizieren von behüllten Viren allemal. Prost, Gemeinde. Im Zweifel ist er im Gegensatz zu Sterilium sogar trinkbar.

Das neue Virus aus China, das eigentlich gar nicht so neu ist, sonst wäre sein offizieller Name nicht SARS-CoV-2, setzt der Absurdität der Dinge in den letzten Wochen die Corona auf. Rufe nach sofortiger Hilfe durch den Bundesgesundheitsminister werden laut, sollte die persönliche KiTa oder die Schule der Kinder schließen und man nicht zur Arbeit können. Das ist ja ohnehin des Deutschen schlimmster Albtraum. Die Welt geht unter, und dadurch kommt man dann nicht ins Büro. Wie soll man da alle anderen anstecken?
Warum sich Menschen hier gegen eine Rente mit 85 wehren, wie Friedrich Merz sie einführen wird nach seiner Machtübernahme mit der „AfD“, erscheint immer rätselhafter. Der Deutsche stirbt doch offenbar gern an seinem Arbeitsplatz.
Vorher aber kauft er offensichtlich vorwiegend gerne Nudeln und Dosenfutter. Auch Wasser in Flaschen ist gerade sehr beliebt. Aber gut, diese Idiotie ist ja schon länger Normalität. Keiner der unprofessionellen Hamsterkäufer scheint in der Lage zu sein, im Baumarkt Spiritus zu kaufen. Dabei weiß doch jeder, daß auch der Strom ausfallen wird, wenn die Apokalypse hereinbricht, nachdem die Aliens gelandet sind. Außerdem kann man Brennspiritus verdünnen und zum Desinfizieren benutzen. Bitte. Gern.
Mich stimmt besonders besorgt, daß die Panikikinfizierten allesamt Wahlrecht haben. Oder eben womöglich so einen Alien-Reptiloiden aus den 90ern wie Friedrich Merz irgendwie gut finden. Das ist doch bereits symptomatisch genug, da kann was im Kopf nicht stimmen. Dieser Mann klingt in etwa so modern und zukunftsweisend wie mein 56K-Modem, sobald er nur den Mund aufmacht.

Die Netznazis der „AfD“ sammeln sich ebenfalls bereits seit Tagen und husten ihren üblichen Schwachsinn in die Gegend. Der große Hit „Grenzen schließen“ tauchte quasi zeitgleich mit den ersten illegalen Viren in deutschem Luftraum auf.
Auf meinen Vorschlag, die Wähler des blauen Naziclubs zu versammeln – immerhin vertritt diese Partei das Volk™ und das ist ja zahlreich – um sie an die Grenze abzukommandieren, damit sie dort einreisende Viren kontrollieren und notfalls auch vor Ort erschießen, hat das Bundesinnenministerium bisher leider nicht reagiert. Schade.
Dabei sind unsere tapferen Vaterlandsverteidiger doch genau für solche Dinge immer zu haben. Jetzt hätten sie mal etwas Positives für die Nation tun können – beispielsweise am Coronavirus sterben – und da gibt ihnen keiner die Gelegenheit. Gut, bedenkt man seine Aussagen in der Vergangenheit, hätte Seehofers Horst natürlich mitkommen müssen, damit das Virus seine Obergrenze einhält. Und Seehofer gehört durch Alter und Vorerkrankungen eindeutig zur Risikogruppe.

Es muß einfach mal gesagt werden: Menschen können auch nicht rechnen. Irgendwelche Behauptungen, das Virus hätte eine Letalität von 10 Prozent, sind nichts weiter als uninformierter Schwachsinn. Jetzige Angaben sind immer nur eine Momentaufnahme. Die tatsächliche Letalitätsrate einer Krankheit bedeutet schlicht, die Anzahl aller Verstorbenen durch die der Infizierten zu dividieren, sonst nichts. Wann sich jemand infiziert hat oder wer schon wieder genesen ist, ist für diese Berechnung vollkommen irrelevant. Was überall auftauchende virologische Experten in Kommentarforen nicht daran hindert, exakt darüber ständig zu lamentieren, daß die ganzen Epidemiologen und sonstigen Mediziner alles falsch machen. Merke: Wenn ich zu blöde bin, eine simple Definition zu verstehen und zu benutzen, dann sind natürlich diejenigen Schuld, die sich diese linksgrünversifften Zahlen ausgedacht haben.
Überhaupt haben wir unsere Zahlen ja von den Arabern geerbt, letztlich stammen die sogar aus Indien. Deswegen finde ich, daß nationalistische oder sonstwie realitätsbefreite Tölpel mit diesem migrantischem Material nicht umgehen sollten. Für alle anderen gelten einige schlichte Tatsachen.

Alle fünf Minuten wird uns eingehämmert, wir sollen nicht in Panik verfallen. Vor lauter hysterischen Beruhigungsinformationen möchte man gar nicht mehr aus dem Haus gehen.

„Wir werden alle stöööörben!“
Das stimmt. Aber nicht unbedingt heute. COVID-19, wie der neue Virenstamm auch genannt wird, ist eventuell tödlich. Wenn man Pech hat. Es hat eine recht lange Inkubationszeit. Das heißt auf altrömisch „Brutzeit“ und bezeichnet den Zeitraum, den eine Krankheit von der Infektion bis zu dem Moment braucht, in dem der Infizierte erste Symptome zeigt, sie also offiziell ausbricht.
„Wir werden trotzdem alle stöööörben!“
Ja. Natürlich. Immer noch. Aber nicht unbedingt gleich morgen.
Ein weiterer Punkt an dem neuen Virus ist, daß in sehr vielen Fällen die Krankheit anscheinend symptomlos verläuft. Der Patient merkt also so gut wie nichts davon, daß er krank ist. Anders gesagt: der Verlauf der Krankheit ist in ziemlich vielen Fällen mild. Hühnersuppe, Tee, Sofa, Decke und Netflix-Abo sollten zum Auskurieren problemlos genügen. Es darf auch Bio-Huhn ohne Antibiotika sein. Die wirken nämlich nur gegen bakterielle Infektionen. Ich empfehle eine Handvoll älterer Filmwerke, wie beispielsweise „Contagion.“
„Wir werden trotzdem aaaaalleeeee stöööörben!“
Jaaa-haa! Das hatten wir bereits geklärt. Das ist im Rahmen der Entropie eindeutig unvermeidlich. Aber nicht unbedingt übermorgen.
Ein dritter Punkt am neuen Virus ist: Obwohl Patienten nichts bemerken, sind sie in diesem Stadium trotzdem bereits infektiös. Das mag jetzt wenig positiv klingen. Ist es auch nicht. Andererseits hilft es dabei, von panischer Twitterhysterie in zenmäßige Tiefenentspanntheit hinüberzuwechseln.

Denn überall, gerade in deutschen Medien, ist die Rede davon, daß man eine Pandemie noch verhindern könne. In Wirklichkeit ist das unmöglich und eröffnet den Panikmachern lediglich die Option, bald noch eine weitere Eskalationsstufe zu zünden. Dann nämlich, wenn die Fallzahlen in Europa und Deutschland denselben Verlauf nehmen werden wie in China auch. Was zuerst einmal bedeutet, stark aufwärts. Wobei natürlich kein Grund zur Panik besteht, wie uns allen seit Tagen in fünfminütig aktualisierten Livetickern versichert wird.
Insgesamt beschreiben die genannten Faktoren exakt einen Erregertyp, der Jedem mit ein wenig Ahnung von der Materie deutlich sagt: Keine Chance, die Ausbreitung über den Planeten verhindern wir niemals. Durch den geschilderten Infektionsverlauf ist aber auch klar, daß es sehr viele Menschen geben muß, die infiziert sind, das aber gar nicht wissen. Also findet die auch keiner. Wer sich nicht wirklich krank fühlt, geht nicht zum Arzt.
Darum heißt dieser Faktor „Dunkelziffer“ und dürfte aktuell etwa um den Faktor 4 höher liegen als die Anzahl offiziell Infizierter. Natürlich ist das nur eine Schätzung nach Erfahrungswerten. Rechnet man die Letalität mit dieser Anzahl an Infizierten durch, kommt SARS-CoV-2 aktuell etwa auf eine Letalität von 0,6-1 Prozent.
Das ist eher schlapp für eine tödliche Seuche, die alles Leben auf dem Planeten auszulöschen droht. Es ist allerdings auch deutlich höher als bei gängigen Saisongrippe, dieser im Netz ebenfalls zu findende Satz ist also korrekt. Letztlich wissen kann man diesen Faktor aber erst, wenn eine Pandemie abgeflaut ist. Vorher hat man quasi keine endgültigen Zahlen.
„Pandemie“, so sagt uns die griechische Vorsilbe, ist eine Epidemie, die auf jedem Kontinent vorkommt. Also rund um den Planeten. Man muß nur einmal einen Blick auf eine Seite wie flightradar24 geworfen haben, um zu wissen, daß die Pandemie in dem Moment unausweichlich war, in dem im Dezember Menschen von China aus in die Welt geflogen sind, als noch keine Sau das Virus auf dem Radar hatte.

Was man noch immer verhindern kann, ist eine ungebremste Weiterverbreitung des Virus. Hier gelten dieselben Maßnahmen wie in jedem ordentlichen Krankenhaus für das Personal oder in der Grippesaison. Hände waschen. Leuten in der verdammten S-Bahn nicht direkt ins Gesicht husten. Vielleicht auch vor dem Benutzen des ÖPNV gelegentlich mal duschen und nicht immer ein Deo benutzen, das 72 Stunden wirkt. Angeblich. Man faßt solche Dinge in einer Zivilisation zusammen als „Hygiene“ und die wurde im vorletzten Jahrhundert erfunden.
Natürlich gibt es Dinge, die einen die Pfote vor die Stirn schlagen ließen, wäre man ein Känguruh. Die Ankündigung des deutschen Gesundheitsministers Jens Spahn, man wolle ab sofort einen Vorat an Schutzanzügen, Desinfektionsmitteln und Handschuhen anlegen und habe die Anforderungen bereits an ein Beschaffungsamt weitergegeben, konterkariert die Aussage, Deutschland sei gut vorbereitet, dann doch sehr stark. Ich hatte in meiner Naivität angenommen, daß das bereits Stand der Dinge ist.
Immerhin war der Staat vor einigen Jahren in der Lage, Pharmafirmen für zwölfzig Trillionen Euro sinnlose Medikamente abzukaufen, gegen die Vogelgrippe. Die wurden anschließend erst nicht gebraucht und dann weggeworfen, da steht schließlich ein Mindesthaltbarkeitsdatum drauf. Jeder Deutsche weiß, daß sich nach Ablauf dieses Datums alles sofort in tödliches Gift verwandelt. Im Gegensatz zu derartiger Steuerverschwendung kann man Filtermasken, Anzüge, Schutzausrüstung oder Handschuhe und Desinfektionsmittel bei korrekter Lagerung auch im Jahr 2100 noch verwenden. Da hätte ich Vorratshaltung doch mal für sinnvoll erachtet.

Das SARS-CoV-2 nicht gerade ein apokalyptisches Killervirus ist, hindert es nicht daran, eine Menge Schaden anzurichten. Ein einziger Hai, so sagt man, genügt völlig, um 200 Meilen Küste von Badenden zu freizuhalten. Mit dem Virus verhält es sich ähnlich.
In Spanien wurde der Mobile Worl Congress in Barcelona abgesagt. Vom Veranstalter selbst, denn es waren so viele Aussteller abgesprungen, daß es sich einfach nicht mehr gelohnt hätte. mit den letzten drei Firmen auch noch ein Sit-In zu veranstalten. Es ist die größte Messe dieser Art weltweit. In diesem Jahr allerdings nicht. Das ist natürlich furchtbar, denn es bedeutet, daß die absolut lebensnotwendige Digitaltechnik 5G bedauerlicherweise erst später unser Leben verschönern wird. Tragisch!
Die ITB in Berlin wird nicht stattfinden, der Welt größte Zusammenkunft der Reiseverunstalter. Gerade die Terrourismusbranche ist von SARS-CoV-2 an ihrer Achillesferse getroffen worden.
Tourismus in globalen Zeiten beruht darauf, daß möglichst umfangreiche Menschenmengen sich frei um den Erdball karren lassen. Ob in Fliegern zur Besichtigung der bröckelnden Pyramiden oder in Kreuzfahrtschiffen, um den letzten großen Seeeismassen der Antarktis beim Abtauen zuzusehen, während der Schiffsmotor röchelnd schwefelhaltiges Schweröl verbrennt, das bei der Abfahrt die Pinguine tot umfallen läßt. Tourismus bedeutet heute nicht anderes als geregelte Massenmigration als Saisonaufgabe, damit sich Deutsche in Indien darüber beschweren können, daß es für 50 Milliarden Besucher pro Jahr am Taj Mahal nur ein Dixieklo gibt.

Exakt das ist bei einer Pandemie aber nicht mehr der Fall. Der Rattenschwanz des viralen Hais zieht sich wie eine Blutspur durch die hochverdichtete, globalisierte Wirtschaftswelt unserer Tage. Welche Ökonomen hatten doch gleich immer behauptet, grenzenlose Globalisierung sei das einzig Wahre?
Grenzen werden geschlossen. Visa werden plötzlich verlangt, wo es vorher keine gab. In Deutschland müßten Passagiere, die einem Zug entsteigen, in dem ein infektiöser Verdachtsfall mitgereist ist, sogenannte Ausstiegskarten mit ihren persönlichen Daten ausfüllen. Dieser bürokratische Akt macht es später nachvollziehbar, auf welchem Platz die Klimaanlage einen mit dem Virus verseucht hat, hindert aber niemanden daran, in den nächsten vierzehn Tagen noch ein weiteres Fußballstadion voller Menschen anzustecken.
In Häfen stapeln sich Containerware, weil die Abfertiger krank sind oder die Empfänger urplötzlich mehrere Kilometer extra an Begleitpapieren für die Fracht anfordern müssen, um deren virologische Unbedenklichkeit zu sichern. Was sich oft als unmöglich herausstellt, weswegen dann Großmessen abgesagt werden.
Messeaussteller sind die einen, andere aber bauen solche Messen auf. Die haben nun Kunden, die massenweise Aufträge stonieren. Firmen für Eventmanagement, wie sich das oligopolisierte Mafiageschäft mit Theaterkarten, Kurzurlaubsreisen oder Eintrittskarten für das nächste große Konzert oder den nächsten Kabarettabend heutzutage so nennt, stehen plötzlich in der Gegend rum und müssen den von ihnen versklavten Künstlern mitteilen, daß niemand zu ihren Konzerten kommen will. Oder kann, je nachdem, ob eine Regierung weitere Quarantänemaßnahmen verhängt oder nicht.

Bild 1: Rassismus in Dosen. Kaum reisen ein paar Viren ein, ohne der AfD vorher den Ariernachweis zu zeigen, drehen in Deutschland alle durch. Sofort sollen wieder alle Grenzen geschlossen werden. Der Rassismus feiert fröhliche Urständ und die Diskriminierung macht nicht einmal vor Eintopf halt.

Es ist aktuell keine besonders schlaue Idee, unbedingt ins Staatstheater zu gehen, um Turandot zu hören oder so was. Wenn auch nur einer hustet, bricht im zweiten Akt spätestens eine Massenpanik aus. Da sich nur hochbetagte Ex-Politiker, reiche Geschäftsleute oder halbseidene Angehörige der örtlichen Unterwelt Theaterkarten leisten können, die etwas taugen, wird in solchen Lokalitäten eigentlich immer gehustet. Beim Altersdurchschnitt deutscher Bevölkerung liegt die Wahrscheinlichkeit, daß es selbst ohne Coronavirus nicht mehr alle Zuschauer nach einer dreistündigen Kulturveranstaltung lebend aus dem Gebäude heraus schaffen, sehr viel höher als die auf einen Vierer im Lotto.
Wer eine japanische Begleitung dabei hat, wird vermutlich schon am Eingang abgewiesen. Erste Menschen glauben bereits, das neue Virus wird durch Blickkontakt übertragen. Auf Twitter fordern krokodilstränige Faschisten gewisser Parteien, Deutschland müsse seine Grenzen zu Italien schließen. Bedauerlicherweise gibt es kein Virus, das vorzugsweise exakt solche Leute ausrotten würde.
Überhaupt müssen sofort alle Grenzen, Flughäfen, Bahnhöfe und Hosenställe sofort geschlossen werden, schon um den Tod von Kindern zu vermeiden, tönt es aus gewissen Kreisen, die aber natürlich keine Panik verbreiten wollen. Natürlich nicht. Niemand käme auf die Idee, daß Angehörige von Parteien, deren Hobbies Volksverhetzung, rassistische Haßreden, Demokratieuntergrabung und Faschismusförderung sind, jemals wegen irgendwas Panik verbreiten wollten.
Daher auch oft der Hinweis auf die Kinder. Blöd nur, daß diese gar nicht zu den bevorzugten Opfern des Virus gehören. Noch blöder, daß natürlich schon längst Kinder gestorben sind. Nur eben nicht in Deutschland, weswegen sie die angesprochene Klientel nicht interessieren. Ein aufgemotztes Schnupfenvirus ist aktuell dabei, mehr zur Rassismusaufklärung zu leisten, als es der Verfassungsschutz in 50 Jahren jemals hinbekommen hätte.

Auch in Sachen Klimaschutz hat SARS-CoV-2 bisher mehr geschafft als jede Bundesregierung der letzten vierzig Jahre. Durch den Zusammenbruch der Tourismusbranche wäre es möglich, das dieses Jahr noch diverse Fluglinien endgültig den Löffel abgeben müssen. Ganz besonders amerikanische, denn in den USA fliegen gefühlt die Hälfte aller großen Luftfahrtgesellschaften unter Chapter 11, also Gläubigerschutz. Was heißt, sie haben vor Jahren faktisch Pleite angemeldet, weswegen sie heute auf keinerlei Arbeitszeitregelungen achten müssen oder ihren Angestellten womöglich Gehälter bezahlen, die für mehr als einen Burger pro Monat reichen.
„Gläubigerschutz“ bedeutet in den USA nämlich, daß ein derartig abgesicherter Konzern tun und lassen darf, was er will. Hauptsache, er stirbt nicht, sondern verdient weiterhin Geld. Für die Gläubiger natürlich. Wenn dabei alles andere dran glauben muß, ist das egal. Nichts kann wichtiger sein als shareholder value, ist ja klar.
Für die Verringerung des CO2-Ausstoßes der Industriegesellschaft ist der sofortige Tod des kommerziellen Luftverkehrs hingegen eine ganz hervorragende Idee. Wer in Zukunft im 21. Jahrhundert fliegen will, soll sich gefälligst einen Albatros mieten.

Je länger das Virus seine Bahn um den Planeten zieht, desto besser für den Planeten. Bei normalen Verlauf eines üblichen epidemiologischen Szenarios dürfte die Weltwirtschaft noch bis Ende April mit dem Coronavirus gut beschäftigt sein. Mindestens.
In den USA hat Donald Trump soeben erst verkündet, daß natürlich die dortigen Spezialisten alles wunderbar im Griff haben. Kassandra hält das für zweifelhaft. Die Begründung ist simpel: Das beschissene Gesundheitssystem der USA.
Wer jetzt Fieber kriegt, geht nicht zum Arzt. Geschweige denn geht er in ein Krankenhaus und läßt sich auf Corona testen. Denn das könnte ihn womöglich 1.000$ kosten. Oder 3.000. Das kommt drauf an, welche Mondphase gerade anhängig ist, welcher Wochentag, ob der Chefarzt der Azubine, die er vögelt, am Wochenende noch neue Bestechungsgeschenke kaufen will und außerdem vom Sternzeichen. Der Azubine, nicht des Patienten, sonst wäre es zu einfach.
Die allermeisten Amerikaner, so stellte vor einer Weile eine Studie fest, können nichts stemmen, das mal eben in einem Haushalt den Einsatz von 500 Dollar an Barmitteln erfordern würde. Geschweige denn eine Arztrechnung in oft nur mit dem Würfel zu bestimmender Höhe. Wegen einer Krankheit, die man vielleicht gar nicht hat. Nein. Wer jetzt in den USA Fieber kriegt, kauft sich eine Flasche Bourbon und drei Sorten Opiate im Drugstore, betäubt sich und fährt am nächsten Tag wieder 50 Meilen zum Burger braten, um seine Keime fleißig an alle Kunden zu verteilen. Das geht aufs Haus.
Donald Trumps Aussage, das US-Gesundheitssystem sei auf SARS-CoV-2 vorbereitet, ist also schon deswegen Unsinn, weil die USA gar kein Gesundheitssystem haben, das über den Standard der Westsahara hinausginge. Auch hier werden in den nächsten Wochen also weitere Fälle auftauchen und auch weitere Tote hinzukommen.
Trumps Reaktion entspricht der von autoritären Regimen oder Diktaturen: Man benutzt massive Ressourcen, um sich Blamagen vor dem Ausland zu ersparen, statt Menschen zu retten. Cover-your-ass-Taktik ist Programm. Die Wahrheit ist, daß Old Donald ausgerechnet dem Center for Desease Contral and Prevention (CDC), dem Helden eines jeden in den USA gedrehten Seuchenapokalypse-Films, einen Großteil der Mittel gestrichen hat, die zur Pandemiebekämpfung gedacht waren. Klar, die waren auch noch von Obama genehmigt worden. Auch hier zeigt die systematische Zerstörung von Organisationsstrukturen durch den aktuellen Präsidenten Wirkung. Ebenso wie in vielen Ministerien mangelt es an erfahrenen Experten, die in der Lage wären, die Lücken zu füllen, die ihre Vorgänger hinterlassen haben. Die Trump-Administration hat noch immer tausende von Stellen nicht neu besetzt. Die Ernennung des Religionsfanatikers und Vizepräsidenten Mike Pence zum obersten Gesundheitswächter ist bezeichnend. Pence gehört zu den antiwissenschaftlichen Vollidioten, die weder an Evolution noch an die Existenz von Viren „glauben“.

Nur die bisher fehlenden Fälle aus Südamerika hindern die WHO noch daran, von einer Pandemie zu sprechen. Auch gute Teile Afrikas hüllen sich bezüglich Coronavirus in Schweigen. Auch hier steckt das Gesundheitssystem dahinter, zumindest liegt die Vermutung nahe. Dazu kommt, daß sich ein solches Virus in den Bedingungen der Tropen und Subtropen nicht besonders wohlfühlt. Schmuddeliges Winterwetter mit einstelligen Graden und Schneeregen – das ist das Klima, in dem CoV-2 gedeiht und gerne in der Sonne liegt. Metaphorisch gesprochen.
Darum ist es in Ostafrika bisher vermutlich ruhig geblieben, obwohl China zu diesen Ländern Handelsbeziehungen unterhält, die sich in den letzten zehn Jahren stetig intensiviert haben. Aber Länder wie Südafrika oder Argentinien, Chile und Peru bieten auf beiden Kontinenten noch wunderbare Möglichkeiten für das Virus. Und heute ist kein Land mehr eine Insel. Mit wenigen Ausnahmen.
SARS-CoV-2 wird uns noch eine Weile weiter begleiten, da bin ich mir sicher. Ausnahmsweise ist daran auch weder Gesundheitsminister Spahn schuld oder die Bundeskanzlerin. Nicht mal die „AfD“. Auch die KP Chinas kann nichts dafür, obwohl deren Informationspolitik massiv in die Kritik geraten ist. Unter Kritik vor allem von Chinesen, wohlgemerkt.

Was wirklich zählt auf dieser Welt, ist…Geld. 30 Jahre nach Tian’anmen setzt eine winzigkleine Nichtlebensform die KP Chinas unter massiven Druck. Die Nachrichten über trauernde Aktienbesitzer, die Renditen verloren haben, nehmen mehr Raum ein als die über Menschen und Angehörige.

Es wäre nicht das erste Mal, das eine Krankheit massive politische Umwälzungen oder Veränderungen bewirkt.
Das Virus hat das Potential, die chinesische Zentralregierung weitaus mehr unter Druck zu setzen als der Aufstand der Reformer von 1989. In den USA würden sich erhöhende Krankenzahlen und einbrechende Wirtschaft womöglich zur Abwahl Donald Trumps führen. Aktuell kommen weltweit die Börsenwerte etwas in Rutschen. Wenn das noch eine oder zwei Wochen so weitergeht, wird es langsam ernst. Denn in China werden Dinge nicht hergestellt. Das bedeutet, sie werden auch nicht geliefert. Ich verweise auf die bereits genannten Seecontainer und ihre Waren. Da Chinas Industrieanlagen aktuell mehr oder weniger zum Stillstand gekommen sind, braucht das Land weniger Öl. Eigentlich weniger alles, außer Reis und Tiernahrung.
Das läßt wiederum die Rohstoffpreise fallen, denn inzwischen stellt China 17 Prozent der globalen Wirtschaftskraft dar. Der WTI-Ölpreis lag Stand Freitag bereits deutlich unter 50$/barrel. Das ist wiederum ein Preis, der selbst den größten Frackingzirkus-Teilnehmern apfelgroße Schweißperlen auf die Stirn treiben dürfte. Größere Pleiten im Energiebereich könnten dazu führen, daß die aufgepumpte Frackingblase früher platzt als erwartet.
Im Iran scheint es besonders viele Tote zu geben. Was wenig verwunderlich ist in einem Land, das seit 30 Jahren immer wieder in Grund und Boden sanktioniert worden ist. Dort wurden übrigens gerade Pseudo-Wahlen abgehalten. Die üblichen Listen wurden vorher von allen eher progressiven Kandidaten bereinigt, das Parlament ist also jetzt wieder fest in der Hand der US-hassenden Falkenfraktionen. Wahrscheinlich baut das Land also spätestens morgen eine Atombombe. Gäbe es doch bloß ein Abkommen…aber lassen wir das.
Der Sieg der Falken dürfte die Unzufriedenheit der Bevölkerung nicht geringer gestalten, sollte CoV-2 weiter Opfer fordern. Auch die Antwort der Politik auf eventuelle neue Unruhen dürfte dadurch nicht milder ausfallen. Aus Rußland hört man bezüglich des Virus gar nichts. Rußland hat kein Gesundheitssystem. Rußland hat Wodka. Und Erfahrung mit Tschernobyl.

Bild 2: Börsenfieber. Krankheiten, so winzig ihre Ursachen sind, haben ganze Reiche von der Weltkarte verschwinden lassen und andere erst ermöglicht. Krakelige Linien auf Dashboards verkünden heute Unheil wie die Orakel vergangener Tage.

Amerikas Renten hängen am Aktienmarkt. Der normale Amerikaner zahlt Geld in eine Kasse. Wenn er Glück hat, gibt sein Arbeitgeber was dazu. Diese Beiträge können beide von der Steuer absetzen. Die Versicherungsgesellschaft zahlt dann dem fleißigen US-Tellerwäscher später seine Pension aus. Allerdings steckt die jeweilige Gesellschaft das nicht in den Sparstrumpf. Jeder US-Pensionsfonds spekuliert mit dem Geld seiner Einzahler an der Börse. Steigen die Kurse, sind die Chancen gut, daß man seinen Scheck bekommt. Fallen die Kurse…nun ja.
Ein ähnlicher Effekt zeigte sich bereits 2010, als BP den Golf volltankte. Zuerst erhob sich großes Geschrei nach milliardenschweren Straf- und Schadensersatzzahlungen. In Großbritannien verstummte das aber sehr schnell, nachdem die größten Versicherer des Landes mal nachgesehen hatten, wie viel BP eigentlich in ihren Portfolios steckt. Als sie das dann der damaligen Regierung mitteielten, wurde die plötzlich sehr zahm.
Aktuell verwalten Pension Funds in den USA etwas über 4 Billionen Dollar an Werten, davon gut 3/4 in riskanten oder hochriskanten Sparten im durchgedrehten Börsenzirkus.
Noch unter Obama wurde der Multiemployer Pension Reform Act of 2014 beschlossen, der es einer Pensionskasse erlaubt, nach Einreichen eines Antrags die Zahlungen an die Versicherten zu kürzen, wenn sich die Finanzen in „kritischem oder gefährdetem Status“ befinden. Darüber entscheidet dann das Finanzministerium. Immer mehr dieser Kassen haben solche Anträge eingereicht.
Die von der Fed, der US-Zentralbank, neulich schon wieder gesenkten Zinsen, über die Donald Trump sich so erfreut zeigte, helfen dabei auch nicht. Sie ermöglichen es der Energiewirtschaft, dank billigster Kredite weiter den Anschein von Überlebensfähigkeit aufrechtzuerhalten. Für Versicherer hingegen sind sie Gift.
Eigentlich hätte die Zentralbank die Zinsen dank der boomenden US-Wirtschaft letztes Jahr weiter erhöhen müssen. Doch der aktuelle Chef hat sich entschlossen, dem Twitter-Gepöbel aus dem Weißen Haus Folge zu leisten. Wobei es natürlich egal ist, was die Fed tut. Irgendwer wird in der nächsten Zeit ökonomisch auf der Strecke bleiben.
In den USA jedenfalls zeigt sich ganz klar der Vorteil einer völlig kapitalgedeckten Altersvorsorge, wie sie ein Herr Merz gerne auch deutschen Arbeitnehmern verordnen möchte. Ist halt blöd, wenn dann ein Virus dafür sorgt, daß der DOW in dieser Woche um satte 13 Prozent gefallen ist. Auch der DAX30, das deutsche Börsentier, mußte unfreiwillig 10 Prozent abspecken.

Gleichzeitig ist es in der Antarktis so heiß wie noch nie.
Dieselben grenzschließenden Haßwichtel, die in den asozialen Medien dafür propagieren, man solle sofort jedes Land unter einer Käseglocke verstecken, wären die ersten, die sich darüber ausweinen, daß sie bei Feinkost Krabbler keine Sternfrüchte mehr bekommen oder ihre Bananenpizza nicht mehr im Tiefkühler liegt. Dabei sind sowohl Banane als auch Pizza ja Ausländer.
Gerne wird in diesen Kreisen auch behauptet, so etwas wie Klimawandel existiere gar nicht. Oder aber, er existiere, sei aber ausschließlich gut für uns. Vermutlich, weil dann auch Bananen aus lokalem Anbau in Zukunft von deutschen Biobauern geerntet werden können. Oder waren es biodeutsche Bauern? Ich komme da bei den Rechten gerne mal durcheinander. Soeben wird verkündet, daß der aktuelle Winter der zweitwärmste in Deutschland seit immer ist. Auch etwas, das natürlich ökonomische Schäden nach sich zieht. So wie Venedig gerade endgültig in den Fluten versinkt. Denn in Italien hat das Coronavirus auch die letzten Touristenströme bereits zum Erliegen gebracht.
Das Gebot der Stunde lautet jedenfalls eindeutig, so lange allen einzureden, daß man keine Panik haben sollte, bis auch der letzte noch gehfähige Bürger nackt am Rollator durch die Straßen läuft und ruft: „Der Himmel stürzt ein!111!“
Wieder einmal verliert die Öffentlichkeit dadurch erfolgreich den ohnehin nur mittelmäßig scharfen Fokus auf wirklich wichtige Dinge. Wenn wir die Klimazerstörung als die tatsächliche Katastrophe begreifen würden, zu der aktuell ein mittelmäßig gefährlicher Schnupfen aufgeblasen wird, wäre Mensch niemals in die elende Sackgasse geraten, in der er sich jetzt befindet. Dabei ist selbst diese Nummer mit dem Klima nur ein Teilaspekt. Ein einzelner Faden der Zukunft, die sich bereits seit mindestens einem Jahrhundert zum Netz der Langen Dämmerung verwebt, in dem wir heute bereits gefangen sind.


Das Beitragsbild ist ein Screenshot aus dem Film „Children of Men“. Ebenfalls eine nette Variante der Apokalypse, die man zum Ausheilen von Corona auf dem Sofa gut benutzen kann.


Update 20200302: Hatte ich Fracking im Text kurz erwähnt? Hatte ich. Andere jetzt auch. Ich weise auf die noch immer falsche Wortwahl und falsche Realität im verlinkten Artikel hin. Von wegen „zu viel Öl“ und so 😀

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