Immunreaktion

„DON’T THINK OF IT AS DYING, said Death. JUST THINK OF IT AS LEAVING EARLY TO AVOID THE RUSH.“
Terry Pratchett, Ein gutes Omen

Wundervolles Wetter. In blühenden Seehäfen wie Venedig werden Schiffe entladen. In Genua und Mailand blüht der Handel. Banken verleihen Geld an Händler und Kaufleute. Schiffe bringen die Waren dieser Händler über das Rote Meer nach Europa. Über die Seidenstraße. Gewürze. Seide. Edelmetalle.
Sie liefern den Tod gleich mit. Der Tod ist ein Meister aus Asien.
Die Pest des Jahres 1347 fegt das Land leer wie das Höllenfeuer, von dem die Kleriker auf ihren Kanzeln gerne sprechen, um die Gläubigen der Gnade Gottes zu versichern. Die sterben trotzdem. Der stäbchenförmige, gram-negative Gott, der bis etwa 1352 über Europa hinwegzieht, wird 1894 in Indien vom französischen Arzt Alexandre Émile Jean Yersin entdeckt, als er das dortige erneute Aufflackern der bis dahin furchtbarsten Seuche untersucht, die die Menschheit je heimgesucht hatte.
Der Erreger Yersinia pestis ist gefunden, einer der großen Triumphe moderner medizinischer Wissenschaften. Erst jetzt sterben empört die letzten Vertreter mittelalterlicher Schamanenüberzeugungen aus, die noch immer nicht recht glauben wollen, daß klitzekleine Dingsbumse, die zu Millionen in Wassertröpfchen leben, irgendwelche Auswirkungen auf menschliches Leben haben sollen.

Im Italien des 14. Jahrhunderts, dem damaligen Resteuropa an kultureller Finesse und Wirtschaftskraft bei Weitem überlegen, kommt der Handel völlig zum Erliegen. Wer nicht an der Pest erkrankt, wird von besseren Hexendoktoren mit Kuhdung eingerieben und stirbt daran, falls er nicht vorher verhungert. Flagellanten ziehen durch die Straßen, religiös verwirrte SM-Anhänger, die sich mit stachelbewehrten Peitschen ihr Fleisch blutig geißeln und barfüßig durch Pfützen laufen, die mindestens zur Hälfte aus Exkrementen bestehen. Denn weder Wasserversorgung noch Kanalisation sind in den blühenden Städten Italiens höher entwickelt als die Hygienestandards heutiger Billigfleischfabrikanten. Umhergewirbelte Tröpfchen aus Schweiß und Blut erweisen sich als hervorragende Methode, um die Seuche weiter zu verbreiten.
Selbst dem Papst wird diese schon immer umstrittene Praktik seiner Glaubensgenossen zuviel. Mit einer Bulle verbietet Clemens VI. im Oktober 1349 die Praxis der öffentlichen Selbstgeißelung als Häresie.
Bereits vorher, im Juli 1348, hatte er in einer anderen Bulle die Juden in Europa vom Verdacht der Brunnenvergiftung freigesprochen, der zu einigen Pogromen und Auslöschung jüdischer Gemeinden geführt hatte. Die Flagellanten waren besonders eifrige Verbreiter dieser Idee gewesen. Clemens führte als Argumente an, daß auch die Juden an der Pest starben und diese zudem in Gegenden auftrat, in denen gar keine Juden lebten. Seine Anweisungen wurden nicht befolgt. Mit der Bulle Quamvis perfidiam vom September 1349 drohte daraufhin der Papst allen Judenverfolgern die Exkommunikation an.
Clemens VI. geht auch in die Geschichte ein als der Papst, der den Sommer 1347 in Avignon zwischen zwei gut gefeuerten Kaminen verbringt. Seine Ärzte hatten ihm dazu geraten, denn sie sind der festen Überzeugung, daß Krankheiten durch μίασμα, durch schlechte Luft voller Verunreinigungen, übertragen werden. Die Feuer reinigen die Luft und halten somit Krankheiten fern. Der zur damaligen Zeit in Frankreich residierende Papst folgt dem Rat und überlebt. Vermutlich, weil die Hitze Ratten von ihm fernhält und seine Kleidung keine Läuse enthielt. Immerhin war der Kerl Papst.

An exakt dieser Vorstellung, bereits im 5. Jahrhundert vdZ von einem alten Griechen namens Hippokrates von Kos in die Welt gesetzt, halten noch Zeitgenossen von Yersin fest. Ja, es ist der Hippokrates. Deswegen hielt sich die Vorstellung des antiken Hellenen auch so hartnäckig über die Jahrhunderte. Immerhin hatte der Mann die Grundlagen moderner Medizin erfunden.
Außerdem paßten die Ideen des Hippokrates durchaus zur Beobachtung. Menschen, die im selben Raum mit Kranken waren, wurden krank. Andere nicht. Ergo mußte etwas in der Luft sein, das krank macht. Wenn jetzt im Bus ein Corona-Kranker niest, sind alle anderen sofort tot. Stimmt also. Es liegt was in der Luft.
Hippokrates empfahl auch das Verbrennen von Bekleidung und die Isolation von Kranken von der Öffentlichkeit. Die Pestärzte des 14. Jahrhunderts kennen wir heute noch für ihre Schnabelmasken, unter denen sie einen mit Essig getränkten Schwamm trugen oder irgendwelche duftenden Kräuter, um die eingeatmete Luft zu reinigen.
Dieses Äquivalent der heutigen FFP3-Filtermaske beruhte zwar auf falschen Vorstellungen der Realität, trotzdem verhinderten die Maßnahmen der Quarantäne, die Hippokrates formuliert hatte, in einigen Gegenden den Ausbruch der Pest oder den Tod weiterer Teile der Bevölkerung. Ebenso führte die Trockenlegung von Sümpfen in Süditalien zum Verschwinden der Malaria. Mal’aria bedeutet nichts anderes als „schlechte Luft“.
In Wirklichkeit führte es natürlich zum Verschwinden der Brutgelegenheiten für Stechmücken, die den Malaria-Erreger Plasmodium mit sich herum- und an Menschen übertragen. Aber vor Erfindung des Lichtmikroskops durch einen Mann namens Antoni van Leeuwenhoek, der aufgrund dessen unschwer als Niederländer zu erkennen ist, konnte niemand in die Welt des Mikrokosmos wirklich hineinsehen. Van Leeuwenhoek war es auch, der 1674 die erste korrekte Beschreibung roter Blutkörperchen lieferte, weil seine mikroskopischen Linsen allem überlegen waren, was man davor oder 150 Jahre danach jemals hergestellt hat.

Die Welt, wie wir sie kennen, ist eine seltsame. An einem Großteil ihrer Bewohner sehen wir vorbei, weil sie viel zu klein sind, um sie mit unbewaffnetem Auge zu erkennen. In meinem Falle fällt es auch dem bewaffneten Auge nicht leicht, denn dieses Auge ist sehr kurzsichtig. Wobei es inzwischen so alt ist, daß es sehr gleitsichtig geworden ist. Auch Kassandras werden nicht jünger.
An einem anderen Teil der Welt sehen wir nicht vorbei, sondern ignorieren ihn völlig. Entweder, weil er sich nicht bewegt und grün ist, also „irgendwas mit Pflanze“. Oder weil wir dem speziellen Teil der Welt nie begegnen, außer in der Tierdokumentation, im Zoo oder abends an der Mülltonne, falls der Teil der Welt zufällig ein Waschbär sein sollte. Die Welt des Menschen besteht vor allem aus Menschen, deren Hunden und Katzen. Wobei wir die letzteren nur deshalb nicht ignorieren, da sie das keinesfalls zulassen würden und ansonsten ihre Krallen über Omas Eichenholzwäschetruhe ziehen.
Menschen sind also ganz besonders gut darin, so ziemlich alles, was mit dem Etikett „Natur“ beklebt wird, vollständig außer acht zu lassen, wenn es um das tägliche Leben geht. Wir glauben immer, daß solche Dinge nur anderen passieren können. „Solche Dinge“ umfaßt dabei eine erstaunliche Palette an Ereignissen, denen aber allen gemeinsam ist, daß sie üblicherweise unerfreuliche Konsequenzen haben.

Erdbeben können nur in anderen Ländern stattfinden. Irgendwo in Indonesien oder solchen Gegenden, da gibt es immer so schöne malerische Kamerabilder aus dem Hubschrauber. Südamerika ist auch immer gut. Denn es hat wieder eine Gemeinsamkeit mit allen anderen Orten: es ist weit weg.
Bis dann in Italien die Erde bebt. Zum Beispiel 2016, in der Gegend der Stadt Amatrice in Mittelitalien. 300 Menchen starben beim Einsturz von Gebäuden, darunter viele Kinder in einer Schule. Sogar der Papst kam damals vorbei und spendete den Segen der Kirche. Natürlich in Worten und mit Ostereiern, die Benedikt XVI. sicherlich persönlich vorher an der Tanke gekauft hat, beim Zwischenstop auf der Reise seiner Heiligkeit in die Berge.
Geld hatte die Kirche für ihre Schafe nicht übrig damals. Der italienische Staat auch nicht, denn der mußte ja sparen, wegen der Schuldenkrise und der EU. Schließlich wollte man nicht in Grund und Boden regiert werden wie die Griechen. Deshalb lagen auch 2017 die Trümmer in der Region noch herum, die Leute hausten noch immer in behelfsmäßigen Unterkünften und die Sache mit dem Geld war weiterhin ungeklärt.
Selbst heute ist der Schaden noch immer nicht behoben. Viele Menschen haben die Region verlassen, eine Staatsregierung nach der anderen hat Programme der Vorgänger wieder gestrichen, um dann eigene aufzulegen. Selbst der Papst ist zwischendurch in Rente gegangen und hat das journalistisch wirksame Gebet seinem Nachfolger überlassen, dessen katholische Kirche auch nicht weniger reich ist als die seines Vorgängers. Aber so ist das nun mal. Schließlich kann man an Erdbeben nichts ändern.

Auch Atomkraftwerke explodieren nicht bei uns. Deutsche Atomkraftwerke waren immer sicher. Belgische und französische sogar noch sicherer. Das müssen sie auch sein, weil sie durchweg älter und gammeliger sind. Nein, die Gesetze der Physik gelten in unserem Land nur dann, wenn es uns in den Kram paßt. Tschernobyl war eine intransparente politische Atomkatastrophe. Als der Block 4 des in der Ukraine befindlichen AKW bei einem verpfuschten Sicherheitstest 1986 in den Nachthimmel gepustet wurde und sich hochverstrahltes Material über ganz Europa ausbreitete, tat die damalige Regierung alles, um ihren Pfusch zu verdecken.
Als am 11. März 2011 eine Explosion das Dach von Fukushima-Daiichi absprengte – unter dem Dach des Reaktorgebäudes hatte sich eine Wasserstoffblase gebildet – war das bereits das geringste Problem der dortigen Ingenieure. Zu diesem Zeitpunkt war die Kernschmelze in dem 40 Jahre alten Meiler bereits in vollem Gange. Aber das Bild der Explosion ging um die Welt und beendete den feuchten Wunschtraum irgendwelcher Lobbyisten, der Nuklearenergie zu einer großen Renaissance verhelfen zu können, um weiter Milliarden an Steuergeldern in die Kassen ihrer Auftraggeber zu spülen. Diese fleißig weiter gehegte Wichsphantasie der Energiewirtschaft hatte allerdings bereits zu diesem Zeitpunkt das Aussehen eines Playboy-Centerfolds aus den 70er Jahren in einer rostigen Spindtür angenommen.
Was viele Menschen bis heute nicht begreifen, ist die schlichte Tatsache, daß die technologisch irren Japaner in Fukushima alles richtig gemacht haben. Es gab ein Erdbeben – weit weg, denn bei uns passiert so etwas nicht. Dann gab es dadurch einen Tsunami. So etwas passiert bei uns erst recht nicht.
Wenn nicht gerade tausende europäischer Wohlstandsurlauber in Indonesien oder Thailand rumlungern und dann mit der Gucci-Badehose hinterher tot auf dem Ozean treiben wie 2004, an Weihnachten, taucht so etwas kaum in den Nachrichten auf.
Auf jeden Fall hatten die verdammten Japaner tatsächlich ein Notfallprotokoll für solche Dinge. Und sie haben es befolgt. Rappelt der Boden, fährste das Kraftwerk mal zügig runter. Sie haben eine Stunde Zeit, Dalli Dalli!
Haben die Japaner dann auch gemacht. Dummerweise hat es nicht verhindert, daß der Kern nach Durchzug des Tsunamis erst einmal überhitzte und dann schmolz. Kernspaltung, diese elende Steinzeittechnologie, erwies sich auch im westlichen Vorzeigeindustrieland Japan als nicht ausreichend sicher beherrschbar. Auch hier versuchte man, über diese peinliche Tatsache mit einer sowjetisch anmutenden Desinformationskampagne hinwegzutäuschen. Hat nicht wirklich gut funktioniert, könnte man sagen.
Italien teilt sich mit Japan den Fakt, daß auch hier nichts aufgeräumt ist. Die Präfektur Fukushima hat noch immer Strahlenschäden ohne Ende, die Bevölkerung ist weg und wenn sie nicht weg ist, ist sie stigmatisiert. Die gefühlten 800 Milliarden Tonnen an verstrahltem Wasser und Erdreich sind publikumswirksam zusammengekratzt und in Containern aufgestellt worden. Bis es keine mehr gab und man das Wasser jetzt schlicht im Ozean entsorgen wird. Vielleicht kann man dann später einfacher Wale fangen, wenn die im Dunkeln leuchten. Im Unterschied zur Sowjetunion ist Japan an dieser Katastrophe nicht untergegangen. Auch Italien ist immer noch da.

Eine Frage, die sich zwischen den Zeilen in diesem Blog immer wiederfindet, lautet: Ab wann bricht eigentlich alles auseinander?

Die Pest, die aktuell alles gestoppt hat, was viele Menschen von der Welt so zu kennen glaubten, ist COVID19. Die Lungenkrankheit, ausgelöst durch das Virus SARS-CoV-2, hält Europa, beide Amerikas und eigentlich den ganzen Rest des Planeten weiterhin fest im Griff. Die Zahl der Infizierten ist längst sechsstellig und wird nach Überzeugung Kassandras in diesem Bereich nicht haltmachen. Auch die Zahl der Toten steigt und steigt. Das ist aber leicht dadurch zu erklären, daß auf der einen Seite immer mehr Menschen getestet werden und auf der anderen natürlich um so mehr Menschen sterben, je mehr eben krank werden. Ein Prozent von acht Milliarden wären immer noch 80 Millionen.
Da es gegen das frisch erblühte Coronavirus keinen Impfstoff gibt und so schnell auch nicht geben wird, steht unsere Gesellschaft vor einer unangenehmen Frage. Wie viele Menschen sind wir zu opfern bereit, damit die Wirtschaft weiter so ticken kann, als wäre nichts gewesen?
In einem Leitartikel der Erbsenpistole der Demokratie hat Christine Hoffmann exakt diese Frage angestoßen und die Abwägung zwischen Menschenleben und Aktienpaketen der Reichen und Konzerne zum „moralischen Dilemma“ erklärt. Das Echo auf diesen journalistischen Tiefpunkt jeglicher Menschlichkeit war bestenfalls gemischt. Das lag daran, daß Frau Hoffmann nicht die erste war, die in das Alarm-Nebelhorn der gerade absaufenden MS Kapitalismus geblasen hat.
Die üblichen marktradikalen Vollsympathen, von Jasper von Altenbockum bei der FAZ bis zu Roland Tichy in seiner Hetzplattform, forderten unlängst, man solle doch bitte die Arbeitslosen Deutschlands „auf die Felder schicken“. Die Herren hatten Angst um ihren geliebten Spargel. Getarnt wurde das natürlich als fürsorgliches Bemühen um den geplagten Stand des deutschen Landwirts, der womöglich sonst von der Pleite bedroht sei.
Der Lobbyverband der angeblich so um die Volksernährung ringenden Landwirte hatte bereits in der vorletzten Woche die Politik mit der Forderung erpreßt, man müsse die neue Düngemittelverordnung jetzt unbedingt aussetzen, da sie den Bauernstand zu sehr belaste.
Es geht um die Verordnung, die dafür sorgen soll, daß weniger Gülle auf die Felder kommt und damit weniger Nitrat im Grundwasser landet. Das müßte dann nämlich von aufgerüsteten Kläranlagen entfernt werden und deren Aufrüstung kostet Geld. Im Grunde geht es also wieder einmal darum, daß industriell betriebene Landwirtschaft ihre Kosten an die Gesellschaft externalisieren möchte. Ein Sport, den der amoklaufende Kapitalismus jetzt seit 30 Jahren mit wachsender Begeisterung betreibt. Ich hatte das mal irgendwo erwähnt. Die Gülle kommt in Deutschland deswegen so reichlich auf Felder, weil deutsche Schweine zu 70 Prozent Exportschweine sind. Ähnliches gilt für das deutsche Huhn und das deutsche Rind. Der ganze Scheiß landet irgendwo auf dem Feld, versickert und belastet das Grundwasser. In Nachbarländern wie Belgien ist das längst verboten. Deshalb kaufen deutsche Bauern Gülle im Ausland und verklappen die auf deutschem Boden.
Kurz vor knapp wurde dann noch die Abstimmung darüber im Bundesrat fast gekippt, auf Betreiben der FDP und der CDU. Keine neue Verordnung zu beschließen, hätte übrigens für Deutschland gut 400 Millionen Euro an Strafzahlungen pro Jahr an die EU bedeutet. Auch diese Summe hätte zweifellos nicht der Landwirt bezahlt.
Es gab noch ein Dutzend anderer Prediger des Allmächtigen Freien Marktes in den letzten Wochen. Fast alle stammen sie aus der FDP oder der CxU, also die üblichen Verdächtigen. Das aufgeführte Beispiel ist nur eines von Hunderten bezüglich lobbyistischer Durchseuchung des industriell-politischen Komplexes, den wir so „Gesellschaft“ nennen.
Wir müssen es uns einfach eingestehen: eine unintegrierbare Gruppe menschenförmiger Lebewesen hat in den letzten Jahrzehnten eine Parallelgesellschaft begründet, die in einer eigenen Blase ohne Realitätsbezug existiert und versucht, die natürliche Ordnung der Dinge zu untergraben, getrieben von einer unmenschlichen, amoralischen und antidemokratischen Zerstörungsideologie. Die Angehörigen dieser Gruppe sind bewaffnet, oft mit einem Wirtschaftsstudium, und sie sind gefährlich. Sie schrecken weder vor räuberischer Erpressung noch vor Mord zurück.

FDP-Chef Lindner beim Treffen mit Peter Altmaier (CDU)
In der aktuellen Krise, die ganz besonders Menschen mit vielen Aktienpakten zutiefst erschüttert, zeigt sich das sympathische Gesicht des ungebremsten Kapitalismus in seiner ganzen Schönheit. Alles fürs Allgemeinwohl!

Die Mauer über der Autobahn, auf der Wissenschaftler schon vor 50 Jahren in 27 Meter hohen Buchstaben das Graffito „Halt! Hier Grenze!“ aufgesprüht haben, ist urplötzlich auf unser immer schneller dahindröhnendes 847-PS-SUV mit dem 12-Liter-Motor zugesprungen und hat für eine abrupte Negativbeschleunigng gesorgt. Sofern man unter „urplötzlich“ versteht, daß man Warnungen sämtlicher Epidemiologen, die seit zwei Jahrzehnten und länger ausgesprochen worden sind, schlicht komplett ignoriert hat.
Andreas Scheuer ist durch die Windschutzscheibe raus, weil er noch auf das Gutachten eines bayerischen Instituts warten wollte, das die Nützlichkeit von Sicherheitsgurten untersuchen soll. Altmaier, die kompetenzfreie Bremsbacke, ist mit der Fresse direkt in die Kopfstütze des Vordersitzes gesemmelt, hat sich aber schnell erholt, da der Kopf noch nie sein wichtigstes Körperteil war. Spahn ist nicht mitgefahren, da Seehofer vorher eine Idiotengrenze für Passagiere in Regierungsfahrzeugen festgelegt hat. Söder fährt und steckt noch mit dem Kopf im Airbag, was in etwa den Niedlichkeitsfaktor eines Korbs voller Katzenkinder hat, weswegen deutsche Medien aktuell alles vergessen haben, was der Typ an xenophober Arschlochhaltung in der Vergangenheit an den Tag gelegt hat.

Ausgerechnet die Firmen, die mit ihrem Verhalten den größten ökologischen Schaden anrichten, sind diejenigen, die jetzt am Lautesten nach Staatshilfe schreien und sie auch bekommen. Exakt die Branchen, die mit ihrem massiven CO2-Ausstoß dafür sorgen, daß sich der Planet Erde in die Welt zurückverwandelt, auf der das verdammte Erdöl überhaupt erst entstehen konnte, das wir heute verballern, behaupten jetzt wieder, sie seien systemrelevant.
Die Frage, die aktuell aber immer lauter gestellt wird, lautet: „Für welches System relevant?“
Ein Großteil der Luftfahrtindustrie könnte pleite gehen. Laut Mitteilung des globalen Branchenverbandes haben 75 Prozent der Fluggesellschaften im Median liquide Mittel für ganze zwei Monate. Kassandra stellt sich eine Welt mit 75 Prozent weniger Flugzeugen vor.
Natürlich könnte die Lufthansa als einer der potentiellen Überlebenden noch 30 weitere Fluglinien aufkaufen. Dazu bräuchte dieses Unternehmen allerdings Geld. Der Kranich ist aber nicht weniger pleite als alle anderen. Klar könnte man sich jetzt das Geld leihen, für Null Prozent Zinsen auch noch. Aber wer verleiht das Geld, um eine Branche zu stärken, die wenig Zukunft haben dürfte?
Vor zwei Wochen hat das Auswärtige Amt eine globale Reisewarnung für Touristen ausgesprochen. In Venedig ertränken sich bereits Gondolieri auf dem mal wieder überfluteten Markusplatz, nachdem sich der sehnlichste Wunsch der Venezianer erfüllt hat und die Terrouristen endlich wegbleiben aus der Stadt. Die Einnahmen allerdings auch. Kein normaler Mensch zahlt €17,38 für einen Kaffee, während sein Arsch auf dem Restaurantstuhl ins Wasser hängt. Das in Venedig auch chronisch dreckig ist, übrigens.
Nur Touristen lassen sich derartig viel Kohle für solche Dinge abnehmen. Bleiben die weg, ist das Wasser wenigstens sauber. Aktuell beträgt die Anzahl an Kreuzfahrtschiffen auf den Ozeanen der Erde exakt Null. Sie liegen alle vor Anker. Der Luftverkehr ist derzeit um etwa 32 Prozent niedriger als sonst. Eigentlich ist er damit aber noch immer viel zu hoch. Die Delphine sind in die Kanäle von Venedig zurückgekehrt.
Und wer das jetzt geglaubt hat, ist doof. Denn diese in den letzten Tagen gerne im Netz zu findende Legende ist eben exakt das. Gelogen. Wahr ist, daß man in den Kanälen Venedigs wieder sehen kann, daß Wasser auch in Venedig eigentlich durchsichtig wäre, wenn man nicht ständig die Sedimente am Boden durch Gondeln und Kreuzfahrtschiffe aufwirbeln würde.
Nicht nur über China ging die Luftverschmutzung massiv zurück, während sich die Provinz Hubei – ein Gebiet mit 60 Millionen Einwohnern – dank Coronavirus unter Quarantäne befand. Auch über Italien, über ganz Europa ließ und läßt sich dieses Phänomen derzeit beobachten. In deutschen Ballungsgebieten hat der Autoverkehr um bis zu 65 Prozent abgenommen. Auch vor Kassandras Haustür fahren deutlich weniger Fossilkutschen rum als üblich.
Das bedeutet weniger Dreck und weniger Lärm. Selbst im Supermarkt müssen andere Leute jetzt Abstand halten, statt einem alkoholgeschwängert den Nacken vollzuatmen, während sie die Flachmänner aufs Band legen. Und Nein – man muß jetzt nicht mit Karte bezahlen. Auf den Geldscheinen aus Spezialpapier bleibt weniger Siff hängen als auf Plastikkarten oder den Plastiktasten eines Kartenlesers. Kontaktloses Bezahlen bedeutet nämlich, daß man trotzdem nach einer verdammten PIN gefragt wird. Bitte fragen Sie die Marketingabteilung ihrer Bank nach den Gründen. Und haben Sie eigentlich Payback?

Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat die Eigenschaften einer Biowaffe und ist der perfekte Feind unserer auf die Anbetung des Ewigen Wachstums getrimmten Fossilgesellschaft. Es macht krank, aber nicht zu krank. Es ist recht ansteckend und sorgt so für einen permanenten Nachschub an schwer Erkrankten. Die wiederum binden die Kapazitäten des feindlichen Gesundheitssystems. Außerdem steckt sich das Personal an, wie immer bei einer Pandemie.
Es ist tödlich genug, um den Leuten Angst einzujagen, und das sogar zu Recht. Angst essen aber Hirn auf, das kennt man ja.
Also hat sich unsere gesamte Gesellschaft aktuell mehr oder weniger unter Hausarrest stellen lassen. Die demokratischen Grundrechte der Versamlungsfreiheit und der Demonstration sind ebenso ausgesetzt wie das der Berufsausübung. Interessanterweise wird dieser Aspekt der Pandemie jetzt genau von den Leuten in den Medien nach oben geschrieben, die sich sonst nicht eine Sekunde um den Erhalt von Bürgerrechten gekümmert haben in den letzten 30 Jahren. Also vorwiegend wieder die FDP. Unter dem Mantel des echten Liberalismus getarnt wie Frodo auf den Felsen Mordors, erdreistet sich die größte Arschkriecherpartei des entfesselten Kapitalismus tatsächlich, sich als Verteidigerin gegen solche Dinge wie Vorratsdatenspeicherung, Gesichtserkennung, kaputte Kryptographie oder Staatstrojaner hinzustellen. Denn all das haben wir schon längst da. Außerdem war es die FDP, die unlängst in Thüringen ein Bündnis mit Faschisten geschlossen hat. Es sind immer die angeblich demokratischen Prteien, die ihren totalitären Nachfolgern die Werkzeuge bereitlegen.
Es wird also Zeit, innezuhalten, um sich bei einer schönen Tasse Tee darauf zu besinnen, was für eine unglaublich menschenverachtende Dreckspartei die FDP doch ist.  Überhaupt sollte man sich bei einer weiteren Tasse Tee darüber klar werden, was für ein unglaublicher Haufen heuchlerischer Scheiße von so ziemlich allen Parteien aktuell wieder einmal abgesondert wird. Klatschen im Bundestag für die Pflegekräfte der Republik ist das neue „Fuck you!“

COVID19 erwischt die globalisierte Wunderwelt der „Ökonomie“ wie eine umgekehrte biologische Neutronenbombe. Die Menschen sind noch da, die Wirtschaft bleibt als leere Hülle zurück. Und alle stehen da und fragen sich: »Wozu haben wir das eigentlich gebraucht?«

Die globalisierte Weltwirtschaft entpuppt sich jetzt als der Mühlstein um den Hals der wirklich Systemrelevanten, der sie schon immer war. Überall auf der Welt ist das spekulierende Großkapital im Panikmodus. Urplötzlich sind Feuerwehrleute, Polizisten, Altenpflegerinnen und Ärztinnen, Müllwerker und Kassiererinnen die Leute, die den Alltag am Laufen halten. Das waren sie schon immer. Aber es gibt in keiner Stadt ein Denkmal für die Unbekannte Kassiererin.
Die ganzen Zahlenschubser irgendwelcher Finanzinstitute und  transatlantischer  Think Tanks zur Planetenzerstörung wiederum stehen als die ausbeuterischen Sozialparasiten da, die sie schon immer waren. Es ist dieser Moment in der Kreuzberger Szenekneipe, in der dein Hakenkreuztattoo am Oberarm sichtbar wird, als du dein Bier abstellst, nachdem du gerade einen homophoben Witz in die Runde geworfen hast. Und jetzt ist sehr still und alle sehen dich so komisch an.

Die Grenzen der USA sind geschlossen. Also, noch geschlossener als sonst. Die EU folgte dem etwas später nach. Jeglicher nicht-essentieller Personenverkehr ist gestrichen. Selbst überzeugten Trumpisten blüht allmählich die Erkenntnis, daß die noch im Besitz von aktivem Resthirn befindliche amerikanische Öffentlichkeit ihrer Propaganda, die Chinesen, die Demokraten, Barack Obama, Nancy Pelosi, Joe Biden oder dreibeinige Dinosaurier im Inneren der Hohlerde seien schuld an den derzeitigen miesen Aussichten, nicht so recht Glauben schenken mag.
Die Infiziertenzahlen werden in den USA diese Woche sicherlich die 300.000 überschreiten, das Virus ist jenseits des Atlantiks noch mehr außer Kontrolle als in Europa. Kein Wunder. Wer einen Clown zum Präsidenten wählt, darf eben außer einem Zirkus nichts erwarten.

Die FED warf am Freitag, den 13. März, satte 1.500 Milliarden Dollar als finanzielles Clusterbombing über dem Börsenparkett ab, aber es nützte nichts. Sie hat zweimal die Zinsen gesenkt, völlig außer der Reihe, um insgesamt 150 Basispunkte. Damit sind alle mühselig erschlichenen Zinserhöhungen aus fast drei Jahren wieder für die Tonne. Das inzwischen nach langer Streiterei vom Kongreß beschlossene Hilfspaket für Jane und John Doe umfaßt insgesamt 2,2 Billionen Dollar. Dazu kommen 4 Billionen der FED, die angekündigt hat, alles an Anleihen anzukaufen, was man ihr hinwirft, für immer. Insgesamt umfassen die Maßnahmen der USA also eine Summe von 7,7 Billionen Dollar. Entweder in direkten Staatshilfen – also eine Erhöhung der Geldmenge – oder in Form einer Bilanzverlängerung der Zentralbank – also eine Erhöhung der Geldbasis. Letzteres führt nicht zu Inflation in einer Volkswirtschaft, nur als Anmerkung.
Das Paket soll es unter anderem ermöglichen, amerikanischen Arbeitnehmern so etwas wie eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zu gewähren. Denn so etwas gibt es im kommunistischen Europa, in den USA nicht. Blöd nur, daß leider jede Menge Lücken im Gesetzestext sind. Insofern wissen amerikanische Arbeiter noch immer nicht, ob sie Geld bekommen oder was mit der Arztrechnung ist, wenn sie auf Corona getestet werden. Denn die anschließende Behandlung muß man womöglich trotzdem selbst bezahlen. Denn die anschließende Behandlung muß man womöglich trotzdem selbst bezahlen.
Aber immerhin wirft der Staat einen Scheck in amerikanische Briefkästen, über 1.200 Dollar. Allerdings nur dann, wenn man auch ein Girokonto besitzt. Was im Land der Paychecks sehr häufig nicht der Fall ist. Die anderen US-Bürger müssen auf das Geld bis zu vier Monate warten. Man darf also gespannt sein, ob das Geld überall ankommt, bevor Trump wählende MAGA-Amerikaner Ihr unbezahltes Haus und den unbezahlten Pick-Up verkaufen müssen.
Blöd auch, daß es nicht die Demokraten waren, sondern die Republikaner, die eine Einigung erstmal verhinderten. Republikanische Senatoren wollten die neuen Gesetze mit „Anhängen“ erweitern, die sich der unglaublich wichtigen Aufgabe widmeten, Frauen in den USA den Zugang zu Abtreibungen weiter zu erschweren.
„Man wird doch so eine Gelegenheit mal nutzen dürfen, um wieder ins Mittelalter zurückzukehren!“, werden sich da einige gedacht haben. Verständlich. Immerhin waren die meisten Senatoren im Mittelalter noch jung und konnten bei den Hexenverbrennungen die Fackel noch selbst halten.

Gut, Trumps Propaganda hat all das erfolgreich begraben. Jeden Tag gibt der Präsident, der noch vor zwei Monaten sagte, das Virus werde einfach verschwinden oder sei ein Witz, jetzt einen Bericht aus dem Führerhauptquartier. Denn Trump hat erklärt, die USA befinden sich im Krieg.
Das ist wohl auch der Grund, warum die NRA den Bundesstaat Kalifornien verklagt hat. Denn die Waffenlobby ist der Meinung, das Waffenläden zur „essentiellen Versorgung“ eines jeden aufrechten Amerikaners gehören. Alles andere ist nämlich in Kalifornien geschlossen.
Überhaupt war in den letzten Wochen viel Kritik am deutschen Föderalismus zu hören. Auch Kassandra ist seit ewigen Jahren ein Kritiker desselben und behauptet gerne mal, daß diese Angewohnheit uns alle eines Tages umbringen wird.
Allerdings sind wir in Deutschland dieses Rumwurschteln auch gewohnt. In den USA, die immer offiziell eine Union waren, stellt sich mehr und mehr heraus, daß diese Behauptung schon lange nicht mehr stimmt.
Der Präsident, der wochenlang nichts gemacht hat und sich jetzt als Macher darstellt, mit allabendlicher Wahlkampfshow, gewinnt an Zustimmung im Volk. Die Gouverneure aber, die in ihren Ländern die Seuche bekämpfen sollen, konterkarieren ihn häufig. Trump behauptet, es gäbe genug Beatmungsgeräte. New Yorks Gouverneur Cuomo widerspricht. Auch republikanische Landeschefs reden von Mangel auf den Krankenhausfluren.
Trump hat ein altes Kriegsgesetz aktiviert und ausgerechnet GM, also die Autofirma, beauftragt, Beatmungsgeräte herzustellen. Gleichzeitig behauptet er, die USA würden sogar welche exportieren. Nach Italien beispielsweise. Die Geschwindigkeit, in der sich der Präsidentendarsteller widerspricht, nimmt in letzter Zeit exponentiell zu. Außerdem scheint niemand Donald gesagt zu haben, daß sich Autos und Beatmungsgeräte stark unterscheiden.

Der letzte echte Kriegspräsident, Franklin D. Roosevelt, befahl damals Ford, sie sollten Panzer bauen, und GM, sie sollten jetzt Jeeps bauen. Das funktioniert halbwegs. Kassandra sagt, auch ohne Ingenieur zu sein: die 100.000 Geräte, die GM bis in vier Monaten zugesagt hat, werden sich entweder nicht materialisieren oder aber sie werden nicht funktionieren.
Simple Begründung: Beatmungsgeräte funktionieren nicht mit Verbrennungsmotor. Es sind völlig andere Geräte, die natürlich auch völlig andere Bandstraßen und Teile erfordern. Ein Autoschweißbot kann keine Plastikteile montieren. Ganz abgesehen davon muß auch jemand diese Geräte bedienen können. Es hat einen Grund, warum man sich nicht beim Klempner zur Darmspiegelung meldet. Ich wette außerdem drei Bier, daß ein guter Prozentsatz der notwendigen Teile gar nicht mehr in den USA hergestellt wird, sondern vermutlich in China. Da Trump sich alle Mühe gegeben hat, das Virus als „Chinesisches Virus“ hinzustellen, damit wie immer jemand anders schuld ist, könnte das Folgen haben.

Überhaupt ist der politische Fallout der viralen Gegenmaßnahmen noch gar nicht absehbar.
China fährt seine Wirtschaft offiziell wieder hoch. Wobei das bezweifelt werden darf. Die KP muß ihre Leute zurück auf die Felder kriegen, denn ansonsten gibt es in China am Jahresende eine Hungersnot. Bleibt die Produktion zu lange am Boden, sinkt natürlich auch der Wohlstand ab. Exakt mit diesem Problem kämpfen ja auch die tapferen Verteidiger der Aktienbesitzer in ihren moralischen Versatzstücken, die man gerade überall lesen kann.
Urplötzlich stellt sich heraus, daß die „Finanzindustrie“ gar nichts produziert. Das einzige Produkt dieser angeblichen Industrie sind Schulden. Die wiederum sollen mit Zinsen wie immer von denen nachträglich erwirtschaftet werden, die gar keine Aktien besitzen. Deshalb sollen sie sich, wie ein Herr Lindner gern vorschlägt, privat absichern. Gerne auch mit Aktien, wie Herr Merz jetzt gesagt hätte. Der hat übrigens Coronavirus abbekommen. Gute Besserung.
Konzerne wie VW oder Boeing aber, die jahrelang milliardenschwere Gewinne eingefahren haben, rufen jetzt wieder nach kostenlosem Staatsgeld. Offenbar haben die nicht privat vorgesorgt. Die haben statt dessen mit ihrer kostenlosen Knete die eigenen Aktien zurückgekauft, was die Kurse erhöht hat und somit Renditen, Bonuszahlungen und Dividenden. Die Schefflers und Quandts dieser Welt stehen plötzlich da in ihrer bitteren Armut und haben kein Brot zu beißen, während sie auf der Straße schlafen müssen.
Die Luftfahrtindustrie der USA soll mit 50 Milliarden beglückt werden, für den Anfang. Boeing forderte unlängst mindestens 60 Milliarden Dollar allein für sich. Die Mittelstandsbetriebe – in den USA sind das Betriebe bis 500 Mitarbeiter – sollen im neuen Gesetzentwurf ebenfalls 300 Milliarden erhalten. Allerdings stehen eben diese Betriebe für 43 Prozent des amerikanischen GDP. Die Luftfahrt nur für 5 Prozent.
Boeing als Konzern steht ohnehin am Rande der Katastrophe, nachdem durch die Abstürze der 737 Max-Flieger in den letzten Monaten auch das Vertrauen in die Führungsetage abstürzte. Korruption und Profitmaximierung gegen Menschenleben, wohin man schaut. Natürlich schiebt man jetzt alles auf das Virus. Zudem ist Boeing aber auch Rüstungskonzern. Da diese Sparte die einzige ist, die in den USA wirklich noch Arbeitsplätze im größeren Stil sichert, wäre ein Untergang Boeings der Anfang vom Ende.

Die „AfD“ die faschistische Volkspartei für den freundlichen Genozidfan von nebenan, steht plötzlich ebenso lächerlich bedeutungslos da, wie sie eben ist. Die Grenzen sind geschlossen in Europa. Überall wird kontrolliert.
Hilft nur nichts, wenn die Schickeria beim Skilaufen in Ischgl weiter über den Kunstschnee brettert, weil Österreicher der Wirtschaft eben auch den Vorzug vor Menschenleben geben. Aus dem Skiort verbreitete sich die neue Pest über den halben Kontinent, wie neuere Erkenntnisse recht klar belegen. Was plötzlich auch den von der Springer-Presse so gefeierten kurzen Kanzler unserer Nachbarn nicht b’sonders guat ausschaaun läässt, wie der Wiener Schmäh es formulieren würde. Natürlich findet sich vom selben Medienhaus ein Artikel mit übler Kritik am Mißmanagement im österreichischen Skiparadies. Wäre Donald Trump ein Deutscher, Julian Reichelt wäre sein Pressepapagei.
Nachteilig in deutscher Politik ist zu vermerken, daß der deutsche Michel sich wieder hinter Mutti versammelt, nachdem die vor zwei Wochen eine Rede gehalten hat. Es war eine gute Rede. Sie war grandios unaufgeregt und klar formuliert, besonders, wenn man die üblichen Merkel-Nebelkerzen bedenkt, die wir gewohnt sind. Man kann durchaus dankbar sein, daß Deutschland nicht von Björn Höcke regiert wird oder Boris Johnson. Der hat übrigens auch Corona.
Trotzdem gibt es keine Entschuldigung dafür, dem armseligen Haufen der GroKo, der seine völlige Unfähigkeit zu allem nun wirklich zu Genüge bewiesen hat, in aktuellen Umfragen wieder zu einer Mehrheit zu verhelfen. Diverse Prediger des sofortigen Wirtschaftsrettens – unter anderem Donald – führten ernsthaft als Argument an, daß wachsende Verzweiflung in einer stillstehenden Gesellschaft zu mehr Suiziden führen würde. Deswegen sind die USA bei Psychopharmaka pro Kopf und auch Suiziden selbstverständlich seit Jahren führend. Aber selbst wenn diese absurde Behauptung stimmte – Suizid ist noch immer besser, als der ehemaligen spd wieder eine Stimme nachzuwerfen.

Der unsterbliche Bulle
Die Zinsen sind maximal gesenkt, finanzielles Clusterbombing ist erfolgt, die USA werfen sogar ihren Arbeitern Bargeld über dem Haus ab. Der Kommunismus hält Einzug in den USA! Trotzdem haben die Weltbörsen weiterhin hohe Verluste zu verzeichnen, da weder der Ölpreis noch das SARS-CoV-2 auf finanzielle Bailouts reagieren. Die Zukunft der Weltwirtschaft hängt am seidenen Faden.

Was Menschen in Verzweiflung treibt, ist fehlende wirtschaftliche und soziale Absicherung. Gäbe es in Deutschland ein BGE, das Bedingungslose Grundeinkommen, man hätte viele der Probleme, die jetzt hektisch nicht gelöst worden sind, gar nicht erst am Hals gehabt.
Am letzten Donnerstag beantragten 3,3 Millionen Amerikaner Arbeitslosenhilfe. Eine Steigerung um den Faktor 30 zum üblichen Schnitt. Texas entläßt bereits seit sieben Monaten wieder Arbeiter, vorwiegend solche der Ölindustrie. Trotz allen finanziellen Clusterbombings breitet sich das Virus weiter aus und der Ölpreis fällt weiter. Kein Wunder, wenn selbst die Amis jetzt weniger Meilen fahren, weil sie daheim bleiben sollen. Nach dem Tod der Luffahrtindustrie wird auch die Tourismusindustrie weltweit einen totalen Existenzausfall erleiden, wenn die Situation sich hinzieht. Das wiederum senkt den weiteren Bedarf an Öl und wird den Druck auf die Preise nicht verringern.
Gerade eben hat sich der unbekannte Kleinanbieter für Öl und Gas Royal Dutch Shell neue Kredite besorgt. Die sind ja bekanntlich gerade billig zu haben. Gleichzeitig wird ein Petrochemiekomplex in den USA nicht weitergebaut. Das nennt man im Ökonomen-Sprech „Kostensenkung“.
Aufgrund dieser klaren Alarmzeichen für heraufziehende Katastrophen steigt nicht nur die Liquidität des Unternehmens, sondern auch die Aktienkurse. Nur der Ölpreis eben nicht. Es ist gar nicht schwierig, die „Märkte“ zu begreifen, wie Ökonomen es immer behaupten. Man muß einfach nur mit der richtigen Portion totalen Realitätsverlustes agieren.

Kassandra erwartet binnen kurzer Frist die ersten Todesanzeigen aus der US-Frackingindustrie. Also, noch mehr als sonst.
So ziemlich der gesamte Anstieg der Fördermenge seit 2012 ist dem amerikanischen Fracking geschuldet. Zieht man diesen Teil von der Föderung ab, sinkt die aus dem Boden geholte Menge Rohöl seit einigen Jahren kontinuierlich, etwa mit 1 Million/bbd über das Jahr. Heute, im Jahr 2020, fördert die Welt also nicht mehr Rohöl als 2012. Sie fördert weniger. Bislang ist es aber allen Beteiligten erfolgreich gelungen, vor dieser Tatsache die Augen zu verschließen. Unternehmen, die auch bei dreistelligen Ölpreisen keine Gewinne abwarfen, werden es jetzt erst recht nicht tun.
Wenn das Gesundheitssystem der USA so schlecht ist, wie ich glaube, werden die Verluste dieses Landes bei weitem höher sein als im letzten Krieg. Der kostete etwa 250K GIs das Leben. Danach war der Marsch des amerikanischen Imperiums nicht mehr aufzuhalten. Nur das jahrzehntelange, unsichere atomare Gleichgewicht des Schreckens verhinderte, daß sich die marktradikale Ideologie, der Mythos des Tellerwäschers, über den ganzen Planeten ausbreitete. Ab 1992, als die Sowjetunion sich offiziell auflöste, war das nicht mehr der Fall. Der totalitäre Globalkapitalismus konnte Flauschsocken und Samthandschuhe ablegen und so richtig loslegen.
Seinem Siegeszug haben wir die Vernetzlichkeit der Welt, wie sie sich heute präsentiert, zu verdanken.
Sollte die Pandemie tatsächlich anhalten, bis es einen Impstoff gibt, wird sie das schaffen, was andere schon lange predigen, nämlich das Globalisierungsdogma rückgängig machen. Auf die harte Tour allerdings.

Ich hatte einmal gesagt, daß der endgültige Zerfall der USA meiner Meinung nach mit einer unerwarteten militärischen Niederlage beginnen würde. Ich hatte allerdings dabei einen etwas größeren Feind im Sinn.
Donald Trump gibt sich alle Mühe, sich als Präsident der Taten hinzustellen, nachdem er die Lage monatelang nicht erkannt hat. Er hat es auch jetzt noch nicht, dazu mangelt es ihm schlicht an den kognitiven Fähigkeiten. Aber das verdammte Virus kauft weder Aktien noch nimmt es Kredite auf, aus denen man die Geldschöpfung betreiben kann. Unsere Wachstumswahnwelt beruht auf Kredit. Sie beruht auf Konsumismus. Sie beruht auf fossilen Rohstoffen.
Das ist einem Virus ebenfalls egal. Völlig unberührt von ökonomischen Panikschreiern hat es die Kontrolle über uns, nicht etwa umgekehrt.
In den USA ist bereits von 20 Prozent Arbeitslosen die Rede. Die hatten die USA schon einmal. Während der „Finanzkrise“ ab 2008 aufwärts nämlich. Die offiziellen Zahlen beliefen sich nur auf die Hälfte. Aber die höhere Zahl war korrekter, was an den statistischen Verfahren des Arbeitsministeriums der USA liegt. Eine reale Arbeitslosigkeit von 20 Prozent würde also linear eine Schattenarbeitslosigkeit von 40 Prozent bedeuten. Ich habe extreme Zweifel daran, daß die USA das als Nation überleben würden. Ohne ein funktionierendes Sozialsystem ist das Zerbrechen einer Gesellschaft unter den Scherkräften derartiger ökonomischer Ungleichgewichte, wie sie heute in allen G20-Staaten üblich sind, geradezu vorprogrammiert.

Gerade eben erst haben diese Effekte Großbritannien aus der EU herauskatapultiert. Gilet jaunes in Frankreich, Fridays for Future, der Aufstieg der „AfD“-Faschisten in Deutschland, die autoritären Regime in Polen und Ungarn – all diese Dinge sind nur Symptome einer viel tiefer liegenden Krankheit. Gerade eben hat Orban in Ungarn die Demokratie endgültig abgeschafft, finanziert mit EU-Geldern.
Die erste Hilfslieferung an Masken und Schutzausrüstung, die nach Italien geliefert wurde, trug chinesische Schriftzeichen auf der Kiste. Das Todeslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist etwas, das überhaupt nicht existieren sollte, hätte Europa nicht dreieinhalb Jahre wie gelähmt über den Ärmelkanal gestarrt, sondern sich um wichtigere Dinge gekümmert. Die Flüchtlinge nähen derweil Atemschutzmasken. Nicht nur für sich, sondern auch für die Bevölkerung der Insel, deren Faschisten sie neulich noch lynchen wollten. Italiens Gesundheitswesen, ebenso zu Tode gespart wie das Spaniens dank der Auflagen der EU zur Überwindung der Finanzkrise, droht völlig zu zerfallen. Die Auswirkungen systemischer Fehler, angehäuft über die Jahrzehnte wie das CO2 unserer Industrieprozesse in der Atmosphäre, fallen uns als Gesellschaften jetzt auf die Füße.
In Brasilien besteht die Möglichkeit, daß das Militär den unfähigen Nazipräsidenten entmachtet, damit es etwas gegen das Virus tun kann. Würde Bolsonaro kurzerhand erschossen und das Land wieder Diktatur, Kassandra wäre nicht sonderlich überrascht.
Ich hatte gesagt, daß es nicht das erste Mal wäre, wenn eine Krankheit Einfluß auf den Verlauf der Geschichte nimmt. Allerdings hätte ich COVID19 nicht für stark genug gehalten, um diese Rolle zu spielen.
Aber vielleicht habe ich die Stärke unserer Gesellschaften überschätzt. Vielleicht ist die Fassade der Zivilisation noch dünner, als ich das angenommen hatte. Wir tun gut daran, die aktuell ablaufende Dynamik sorgfältig im Auge zu behalten. Die Erkenntnisse hieraus könnten sich noch als sehr wertvoll erweisen.

Das Virus ist gar nicht mit uns eingesperrt. Wir sind mit ihm eingesperrt.

Alles ist überall im Fluß. Die schöne, gestern noch so ruhelos vor sich hintickende Plastikwunderwelt der globalisierten Industriegesellschaft stellt sich als Pappmachéfassade heraus, gestrichen mit leicht entflammbaren Lackfarben, made in USA. Bürgerkriege finden immer woanders statt. Staatliche Strukturen können zusammenbrechen. Immer wieder. Nur nicht die eigenen.

Es ist Freitag, der 27. März 2020. Rom. Italien. Der Mann im Regen betet auf dem Petersplatz. Das Land hat an diesem Tag fast 1.000 weitere Tote zu verzeichnen. Der Mann im Regen ist allein. Er wirkt sehr verloren in der Weite. Der Mann sagt, dies sei „nicht die Zeit des Urteils Gottes, sondern die unseres Urteils“.
Auf eine sehr reale, völlig unspirituelle Weise hat er damit vollkommen recht. Am Ende spricht Papst Franziskus den Segen Urbi et Orbi. Für gläubige Katholiken ist das mit einer Generalabsolution verbunden, einer Freisprechung von Sünden. Das aufgestellte Pestkreuz neben dem einsamen Mann ist aus dem 16. Jahrhundert. 200 Jahre früher läutete die Pest in Europa die Renaissance ein. In das Läuten der Glocken des Petersdoms mischt sich die Sirene eines Krankenwagens.

Das Virus, das jetzt seinen Zug um die Welt angetreten hat, um ganz deutlich klarzumachen, wer hier was kontrolliert, ist nur ein Anfang. Mensch dringt seit Jahrzehnten in immer mehr Gebiete vor, die vorher anderen Arten vorbehalten waren. Dabei werden Dinge aufgewirbelt wie der Schlamm in Venedigs Kanälen. COVID19 ist nur ein Ausblick in eine Zukunft, in der noch viel mehr dieser Begegnungen der Vierten Art lauern. Noch immer hält Mensch fest an dem Glauben, er habe die Wahl. Es ist ein Irrglaube.


Das Titelbild zeigt Papst Franziskus auf dem Petersplatz beim Gebet. Alle Rechte © Quelle: Yara Nardi/REUTERS/AP/dpa

3 Kommentare zu „Immunreaktion

  1. Was wohl jetzt die Innenminister machen, denn wenn wir bald eine ganzjährige Mundschutz-Vollvermummungspflicht einführen, müssen die ihre ganze teure Gesichtserkennung in die Tonne kloppen und statt dessen das noch teurere, israelische Ganzkörper-Bewegungsmuster-Erkennungs-Gedöns anschaffen. Reicht die Corona-Nothilfe für so was, oder doch lieber billig Lufthansa-Aktien kaufen und sorum dann die Steuergelder abgreifen?

    Liken

    1. Wobei die super Gesichtserkennung ja eh nicht funktioniert. Das haben unsere antitechnischen Deppen in der Politik nur geglaubt. Weil sie halt keine Ahnung haben.

      Neueste Meldung an der Corona-Front: die Super-Überwachungs-App. Jetzt rate mal, mit wem die EU da verhandelt, um so was zu entwickeln?

      https://www.neues-deutschland.de/artikel/1135014.ueberwachungssoftware-bericht-bekannte-big-data-firma-will-corona-app-umsetzen.html

      Bwahahahahaharrr!

      Gefällt 1 Person

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