Eine Verbeugung

»Wenn es um Prinzipien der Politik und der Moral geht oder um das eigene Gewissen, dann ist man niemals außer Dienst.«

Bundesarchiv_B_145_Bild-F048646-0033,_Dortmund,_SPD-Parteitag,_Helmut_Schmidt
Helmut Schmidt, Bundeskanzler a. D. (1918-2015)
abgelichtet von Ludwig Wegmann am 19. Juni 1976 auf dem Außerordentlichen Parteitag der SPD, Westfallenhallen in Dortmund.
Bild: Bundesarchiv, Wikipedia  CC BY-SA 3.0 de

Es gibt Menschen, von denen denkt man, die können gar nicht sterben. Weil Sie einen schon so lange begleiten, daß sie einfach irgendwie zum Inventar gehören. Zum Inventar der Welt, in diesem Falle. Helmut Schmidt war so einer.

Ich war immer der festen Überzeugung, daß dieser hanseatische Kerl, der mal Kanzler war, als ich noch den Kindergarten und die Grundschule besuchte, vermutlich in dem Moment sterben würde, in dem er die letzte seiner gerüchteweise im Hamburger Hauskeller gebunkerten Mentholzigaretten ausdrückt. In ein-, zweihundert Jahren vielleicht. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich noch gescherzt, daß dieser Mann nicht stirbt, weil er raucht, sondern wenn er aufhören muß zu rauchen.

Doch nun ist es anders gekommen. Der letzte Rauch ist verweht. Der einzige Talkshow-Gast des deutschen Fernsehens, für den man aus dem Sendermuseum immer den Aschenbecher ranschaffen mußte, hat seinen letzten Zug genommen.
Mit Helmut Schmidt stirbt der letzte deutsche Politiker, der mit dem Begriff der ,,politischen Kultur“ noch etwas anfangen konnte. Denn die gibt es heute nicht mehr. „Eine Verbeugung“ weiterlesen