Das wahre Morgen

– V –

Alles unter Kontrolle

„It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society.“
Jiddu Krishnamurti

Kontrolle. Es geht immer nur um Kontrolle. Aber längst haben wir Menschen, wir Bewohner der industrialisierten Konsumgesellschaft, diese Kontrolle abgegeben. Was früher auf lokaler Ebene geregelt wurde, oft auch ohne Vorhandensein einer gesetzlichen Grundlage, wird heute von Institutionen verwaltet, die im Laufe von Jahrzehnten immer größer und gesichtsloser geworden sind.
Die Wissenschaften. Die Regierung. Die Reptiloiden, die 9/11 eingefädelt und die Mondlandung vorgetäuscht haben. Ähmmm..was habe ich da gerade gesagt?

Wir haben das nicht freiwillig getan. Es war und ist ein Prozeß der Konzentration von immer mehr Macht in verschiedensten Formen in den Händen von immer weniger Menschen. Das Credo der Wissenschaften lautet Kontrolle. Das Credo der Regierungen lautet Kontrolle. Über Terroristen. Über Medien. Über die jeweiligen Bürger. Innere Sicherheit heißt das immer so schön. Jetzt gerade wieder aktuell auf Wahlplakaten, in Wahlprogrammen und in Wahlreden.
Wenn erst einmal alles gespeichert wird, alles aufgezeichnet, alles auswertbar gemacht von jedem, wird es Kontrolle geben. Dummerweise ist totale Kontrolle auch nicht von Terrorismus zu unterscheiden und totale Sicherheit unerreichbar.
Und aufgezeichnet werden nur private Dinge. Ausgewertet von staatlichen Stellen. Der Anwalt, der einem Privatmenschen eine Urheberrechtsverletzung vorwirft, erhält routinemäßig Auskunft über IP-Adressen und kann seine als Arbeit getarnte Erpressung und Nötigung beginnen.
Der Bürger, der eine Behörde nach Akten oder Vorgängen befragt, blitzt mit derlei Ansinnen routinemäßig ab. Von Einblick in Tun und Lassen großer Konzerne kann selbst die Politik nur träumen, der Normalbürger schon nicht mal mehr das.

Kontrolle von Dingen des täglichen Lebens auf kommunaler oder gar individueller Ebene ist schon längst nicht mehr vorgesehen. Kontrolle bedeutet nur noch „die da“. Die sollen mal was machen. Natürlich sind „die da“ auch an allem Schuld. An was auch immer.
Kontrolle ist längst nur noch Datenverwaltung und -interpretation durch Spezialisten. Wozu sollte man Anwohner fragen, wie manche Dinge eventuell geregelt werden solltem, wenn man doch mit einem Gutachten von irgendwem, der nicht mal in der Nähe der betreffenden Stadt war, alles klären kann?
Aber natürlich renovieren wir die Straße aus dem Dorf raus endlich mal. Die hunderttausend Euro Kommunalbeteiligung für die Anwohner sollten ja wohl kein Problem darstellen, oder? Immerhin besitzen die ja alle Häuser.
Längst sind uns viele Dinge völlig aus der Hand geglitten, haben sich von uns entfernt. Was nützen Mietpreisbremsen, wenn eine willige Politik sie mit massenhaft Ausnahmen durchlöchert wie einen Mindestlohn, der gar nicht erst notwendig wäre, gäbe es die immer wieder propagierte Selbstregulierungsfähigkeit des Marktes tatsächlich.
Der Markt. Früher ein Ort, an dem man eingekauft hat. Ein Schwätzchen gehalten über Tomaten, Möhren, Äpfel und Blumenkohl hinweg. Ein Ort, an dem weitaus mehr passierte als nur der Austausch von Waren gegen das angebliche Tauschmittel des Geldes. Heute ist „der Markt“ der Euphemismus für unsere angeblich so phantastische globalisierte Wirtschaft, von der wir alle profitieren. Wenn der Markt etwas so will, dann kann man da halt nichts machen. Continue reading „Das wahre Morgen“

Das Rasiermesser des Fortschritts

,,Our 21st century economy may focus on
agriculture, not information.“
James Howard Kunstler

Fortschritt ist etwas, das genauer betrachtet werden muß. Fragt man ein Dutzend Menschen, was genau er denn sein soll, dieser Fortschritt, bekommt man ungefähr zwei Dutzend Antworten. Selbst dann, wenn sich unter den Befragten kein einziger Arzt oder Anwalt befindet.

Viele Antworten laufen darauf hinaus, daß früher – wann immer genau dieses früher jeweils stattgefunden haben soll – ja alles viel mühsamer gewesen ist.
Da mußten Menschen auf Feldern arbeiten, um irgendwie Nahrung für andere zu erzeugen. Oder es gab keinen elektrischen Strom, geschweige denn in jedem Haus oder jeder Wohnung ein Badezimmer. Menschen starben an Krankheiten, die heutige Ärzte nicht mal mehr richtig diagnostizieren könnten, weil sie die niemals in ihrem Leben zu Gesicht bekommen.
Mühselig mußte man mit der Hand Wäsche waschen, den Boden kehren statt staubsaugen oder in heutigen Zeiten von einem dieser idiotischen Staubsaugerroboter saugen zu lassen.

Ausnahmslos alle diese Antworten zielen ein wenig am Kern der Sache vorbei, was aber auch kein einziger der Antworter bemerkt hat.
Alle diese Antworten beantworten die Frage:
,,Glaubst du daran, daß es Fortschritt gibt?“
Diese Frage habe ich aber nie gestellt. Meine Frage lautete ,,Was ist Fortschritt?“

Natürlich gibt es Fortschritt, wenn man diesen Begriff als Entwicklung von einer Technologie zur nächsten auffaßt. Wer vorher nur Holzspeere benutzt hat, wird ein Speerblatt aus Stein großartig finden. Wer vorher nur eine Steinaxt hatte, der wird von einer Bronzeaxt geradezu begeistert sein. Und dieses Eisen erst, unglaubliches Metall!
Genau so verstehen die Menschen heutzutage ,,Fortschritt“. Als lineare Entwicklung von etwas, das irgendwie weiter unten steht, zu etwas, daß irgendwie besser sein soll. Vor dem Dampfschiff gab es Segelschiffe und davor mußte man halt Rudern. So ungefähr läuft der Gedankengang im Kopf der Menschen ab.

In Wirklichkeit ist Fortschritt eher etwas Abstraktes. Niemand – oder zumindest nur sehr wenige Menschen – scheinen die Frage zu stellen, wer denn eigentlich bestimmt, daß etwas Technologisches jetzt so klar und eindeutig  besser ist. Nach welchen Kriterien wird das beurteilt und von wem? Continue reading „Das Rasiermesser des Fortschritts“