Weiße Riesenkaninchen und Schwarze Schwäne

„I see a bad moon a-rising
I see trouble on the way
I see earthquakes and lightnin‘
I see bad times today“
Creedence Clearwater Revival

Da war doch was. Da war doch…ach ja – Harvey. Mein Freund Harvey. Dieser Sturm, von dem aktuell keiner mehr redet, weil da ein Ding heranzieht, das Harvey aussehen läßt wie ein laues Lüftchen.
Der Hurrikan Irma hat sich, wie ich und natürlich auch andere das vorausgeahnt hatten, in ein meteorologisches Monster verwandelt.
Erst der stärkste atlantische Hurrikan, den es je gab. Dann der Hurrikan, der am längsten in der Kategorie F-5 verweilte. Bisher lag der Rekord bei um die sechzig Stunden, Irma hat diesen Rekord um gute 50 Prozent nach oben geschraubt.
Floridas Governeur Rick Scott, der seine Behörden bei Amtsantritt angewiesen hatte, so etwas wie „climate change“ oder „global warming“ nicht in offiziellen Meldungen zu erwähnen, erfleht schon jetzt die Hilfe der bundesstaatlichen Kassen aus Washington, DC.
Gleichzeitig werden Warnungen herausgegeben, die da lauten:
„Hauen Sie ab. Wenn Sie bleiben, wird es keine Hilfe geben.“
Das ging an die Einwohner der Florida Keys, dieser kleinen Inselkette vor der Küste der Halbinsel im Südosten der USA.
Der sumpfigen Halbinsel. Die im Schnitt so einen Meter über dem Meeresspiegel liegt. Und die Warnung ist korrekt. Wer angesichts der Zerstörungen, die Irma schon in ihrem Kielwasser hinterlassen hat, jetzt noch auf den abgelegenen und schutzlosen Inselchen der Keys bleiben möchte, wird nach dem Sturm keine Hilfe bekommen. Von woher auch?

Aber da war doch…ach ja, Harvey. Harvey hat es geschafft, ein Fünftel der US-Raffineriekapazitäten auszuknipsen.
Sei es durch direkte Schäden, durch Überflutung oder eben dadurch, daß die Konzerne die Anlagen heruntergefahren haben. Aber eine Raffinerie schaltet man halt auch nach so einem Ereignis nicht einfach wieder ein wie die Wohnzimmerlampe. Das ist komplexe Technik, viele Dinge hier stehen unter Druck und laufen durch viele Rohrleitungen und dieses System muß dicht sein.
Also muß man das natürlich alles prüfen, bevor man auf den Knopf drückt. Außerdem vermute ich, daß viele Raffinerien zum Neustart auf eine sichere Stromversorgung von außen angewiesen sind. Eben diese existiert aber derzeit nicht mehr.
Witzigerweise ist das bei den meisten Kraftwerken ebenfalls so. Die sogenannte „Schwarzstartfähigkeit“ eines Kraftwerks beschreibt, ob es seine Generatoren aus dem Ruhezustand ohne äußere Hilfe wieder hochfahren kann oder nicht. Die meisten Kohle- und auch Atomkraftwerke sind nicht schwarzstartfähig. Wasserkraftwerke sind es generell, solange die eben genug Wasserdruck hinter ihren Staumauern haben oder genug Fließgeschwindigkeit an ihren Flüssen.
Aus der Tatsache, daß die Atomkraftwerke in Texas den Sturm gut überstanden haben, zieht das Magazin „Forbes“ übrigens die Schlußfolgerung, daß die Kernenergie das Ding der Zukunft ist. Wer seinen Adblocker bei den miesen Finanzhaien ausschalten möchte, kann den Artikel unter den Stichworten „Hurricane Harvey makes the case for nuclear power“ ergoogeln.
Einstein hatte schon recht: Dummheit ist wahrlich eine endlose vorhandene Ressource auf diesem Planeten. Continue reading „Weiße Riesenkaninchen und Schwarze Schwäne“

Advertisements

Und nun zur Werbung

Da stellt doch ausgerechnet EDEKA, also so ein typisch kapitalistischer Konzern, ein Video ins Netz, in dem eine Aussage für Vielfalt gemacht wird. Dieses hier:

Eigentlich meinte der freundliche Lebensmittelhändler wohl die Vielfalt der Produkte. Andererseits ist hier natürlich eindeutig eine klitzekleine Anspielung auf Vielfalt in anderem Sinne zu erkennen. Wenn deutsche Politwürstchen nur deutsche Würstchen kaufen möchten, wären Supermärkte offensichtlich viel kleiner. Und das mit dem Übergewicht wäre keinesfalls mehr ein Problem der Volksgesundheit.
Ohne menschliche Vielfalt auch keine im Supermarkt. Wobei sich die enttäuschten Biodeutschen – das gibt diesem Ausdruck in dem Zusammenhang eine völlig neue Bedeutung – in meiner Wohngegend zumindest mit einem gut gefüllten Weinregal über ihren patriotisch knurrenden Magen hinwegsaufen könnten.
Vorausgesetzt, sie finden sich vorher bereit, in den Weinbergen die jetzt bald beginnende Arbeit der Lese zu übernehmen, denn ich bin mir sicher, daß so mancher Winzer hierfür gut gelernte Fachkräfte von anderswo bevorzugt. Der Preiskampf im Supermarkt, siewissenschon.

Natürlich ist das alles linksgrünversiffte Propaganda, wie gewisse Leute jetzt sagen würden. Lügen-Supermarkt!!einself!!
Das hat bestimmt die Merkel eingefädelt, die lenkt ja bekanntlich die gesamte Presse. Muß man wissen.
Von Kassandras Seite aus mal ein Lob für den Supermarkt, in dem ich nie einkaufe. Weil es in meiner Nähe gar keinen solchen gibt. In Fahrradnähe, wohlgemerkt. Wobei sich das Lob nicht zwingend auf den Markt bezieht. Wie auch, ich kaufe da ja nie ein. Hatte ich schon erwähnt, daß Kassandra arm ist und das Blog trotzdem völlig kostenfrei und ohne Sponsorenwerbung? Gut.

Denn wie sagte Kassandra doch neulich im Nebensatz: Es sollte Ziel einer jeglichen aufgeklärten Regierung sein, dafür zu sorgen, daß die Bevölkerung ihre Grundbedürfnisse aus eigener Kraft decken kann.
Denken wir noch mal kurz über das Video nach und verinnerlichen diesen Aspekt.

Schön anschaulich wird hier demonstriert, was ich hier schon einmal erörtert hatte. Der Supermarkt der Selbstverständlichkeiten, in dem wir alle gedankenlos shoppen, ist ein Produkt eines weltumspannenden Netzes aus unterschiedlichsten Bedingungen. Je komplexer dieses Netz wird, desto anfälliger wird es für Störungen. Selbst geringe Störungen können sich innerhalb eines komplexen Systems sehr schnell zu massiven Problemen entwickeln, manchmal exponentiell. Bis zum Systemzusammenbruch.

Einen Sturm überstehen die USA. Einmal absaufen tötet New Orleans als Stadt nicht. Aber was ist mit dem nächsten Sturm? Was ist, wenn beim nächsten Mal Miami daran ist? Oder New Orleans eben vollregnet, statt durch gebrochene Deiche vollzulaufen?
Was passiert, wenn das Wiederanfahren der Ölförderung im Golf von Mexiko, die Reparatur von Raffinerien, länger dauert als gedacht? In Illinois sind die Spritpreise bereits gestiegen. In allen US Bundesstaaten der Ostküste. Denn ein guter Teil des Benzins stammt aus den Raffinerien in Texas und die stehen derzeit still.
Was bedeutet es für den übermächtigen Konsum, wenn US-Verbraucher unfaßbare 60 Euro-Cent pro Liter Sprit bezahlen müssen?
Nun ja, dann geben die weniger Geld für andere Sachen aus, ist ja klar.
Doch was bedeutet das für die erwarteten Wachstumszahlen der US-Ökonomie? Was ist mit den Milliarden an Hilfsgeldern, die gebraucht werden? Hier ergibt sich wieder eine Rückkopplung auf das Finanz- und damit besonders das Kreditsystem. Vor einigen Tagen betrug die Bargeldreserve der USA etwa 51 Milliarden Dollar. Nicht mehr. Weniger als ein Bill Gates, um die Rechnungen zu bezahlen.
Was passiert, wenn irgendwo Zweifel daran laut werden, ob die USA ihre Staatsschulden weiterhin werden bedienen können?
Können sie eigentlich nie, das ist klar. Aber es geht ja ohnehin nur noch um die Aufrechterhaltung der Fassade in unseren großen, industrialisierten Demokratien.

Was geschieht, wenn die allgegenwärtige und als einzige Lösung angepriesene Globalisierung, also die Ausbeutung des Planeten auf Teufel-komm-raus, in sich zusammenbrechen sollte?
Oder besser, zusammenbrechen wird, denn dieses Ereignis ist bereits in Entwicklung und unaufhaltsam.
Ich nehme an, dann essen wir die Supermarktregale. Denn sonst wird wohl nicht mehr viel da sein. Dieser Gedankengang hat weitere Implikationen, aber die möchte ich hier nicht ausführen. Noch nicht.

Danke, EDEKA. Fast möchte ich sagen: Sehr, sehr geiles Video.
Natürlich sollte dieses Machwerk der Marketingpropaganda keine Demonstration dafür sein, in was für einer superempfindlichen, vernetzten Welt wir leben. Oder dafür, daß unsere ökonomische Theorie eben für den Arsch ist, weil sie nicht in vernetzten Systemen denkt oder besser, dazu vollkommen unfähig ist.
Denn die üblichen ökonomischen Theorien sind dafür gar nicht entwickelt.
Das Werbevideo eines Lebensmittelverteilers – Supermärkte verteilen Futter, sie produzieren keins, um einen weit verbreiteten Irrtum mal aufzuklären – wird also zu einem schönen Beispiel gegen Globalisierung, nicht dafür. Womit wir wieder eine dieser scheinbaren Paradoxien haben, von denen unsere Zeit und unsere Leben so reichlich zu bieten haben in letzter Zeit.

Kassandra weist darauf hin, daß mit dem Plädoyer für echte, längst überfällige Lokalisierung nur die Dinge in den Regalen gemeint sind. Menschliche Vielfalt ist durchaus begrüßenswert. Im Grunde ist sie einer der Punkte, die unsere Zivilisation in die Zukunft retten können.

Brandgeruch

Ich hatte ja hier schon mehr als einmal das Beispiel der ÖPP, der Öffentlich-Privaten-Partnerschaften als Paradebeispiel für die Tatsache angeführt, daß unser Wirtschaftssystem immer mehr darauf hinarbeitet, diejenigen zu stützen, die jede Menge besitzen, und dafür dann die bezahlen zu lassen, denen man das Geld am einfachsten wegnehmen kann.

Wie auf Bestellung spricht sich jetzt herum, daß eines der großen Vorzeigeprojekte für dieses Geschäftsmodell, das auf nichts anderes als ein Ausbluten der öffentlichen Hand – also des Steuerzahlers – hinausläuft, vor dem Ende steht: Die A1.
Es ist nicht nur so, daß der private Betreiber eines Abschnitts dieser Autobahn von der Pleite bedroht ist. Nein, er verklagt deswegen jetzt die Bundesrepublik, in Gestalt des phantastischen Verkehrsministers Dobrindt (CSU).
Ich hatte ja kritisiert, daß eines der üblichen Vorgehen der Industrie darin besteht, dem öffentlichen Teil, sprich dem Staat, sämtliche Risiken in die Tasche zu schieben. So ähnlich läuft es auch hier. Denn dem Betreiber, ein Laden namens A1 mobil, sind die Einnahmen auf einem Teil der Strecke zu niedrig. Unmittelbar frage ich mich, wer denn das festlegt.
Wenn ich das Gehalt meiner Vorstände nicht jährlich um 50% erhöhen kann, sind die Einnahmen zu niedrig?
Was ist mit der „Erhöhung der Produktivität“, also Entlassung von Mitarbeitern, die an solchen Stellen von Unternehmen immer ins Spiel gebracht wird?
Wie viele Mitarbeiter hat so ein Betreiber einer privaten Autobahngesellschaft eigentlich? Ich meine, um die Überweisungen vom Staat zu checken genügt ja vermutlich eine Teilzeit-Bürokraft. Was ist also eigentlich genau das, was die jeweilige private Gesellschaft leistet, abgesehen vom Einstreichen der Profite?

Im vorliegenden Fall hat A1 mobil den Autobahnabschnitt zwischen Hamburg und Bremen nicht etwa gebaut, sondern saniert. 73 Kilometer Straße. Und Herr Dobrindt als zuständiger Minister war ganz besonders schlau. Denn im vorliegenden Fall scheint es so, als würde laut Vertrag der Betreiber tatsächlich das Risiko tragen, sollte beispielsweise das Verkehrsaufkommen zu niedrig sein.
Allein die Tatsache, daß eine derartige Selbstverständlichkeit – der Investor trägt das Risiko – in einen Vertrag geschrieben werden muß, sagt bereits alles über den Zustand des Kapitalismus und der Intelligenz von Politikern.
Aber dann wäre ja alles in Butter, könnte man meinen. Hat Dobrindt doch toll gemacht. Befördert den Mann!
Problematisch wird es allerdings, wenn man dann feststellt, daß „bei Ausfall eines Betreibers dessen Aufgaben an den Bund zurückfallen“.
Heißt übersetzt: Der private Unternehmer meldet Insolvenz an, der Staat bleibt auf den bis dahin angehäuften roten Zahlen sitzen und muß sie übernehmen. Nichts also mit Risiko eines Unternehmens.
Abgesehen davon, daß der CSU-Minister ÖPP weiterhin für das Instrument der Wahl hält, um seinen zukünftigen Posten in der Wirtschaft zu sichern dem deutschen Autofahrer Geld aus der Tasche zu leiern Deutschlands Straßen ordnungsgemäß in Schuß zu halten, spricht also nicht viel dafür.

Es ist exakt dasselbe Verhalten, das auch die Unternehmen auszeichnen wird, in die gewisse Energiekonzerne ihre schmutzigen Geschäfte ausgelagert haben. Also Kohle und Atomstrom. Beim Atomstrom hat sich Deutschlands Strommafia neulich bereits mit einer lächerlichen Pauschalszahlung von 24 Milliarden Euro von jeglicher Verantwortung freigekauft.
Wobei ich mich frage, woher diese Milliarden eigentlich kommen, denn alle Energiekonzerne haben ihre Forderung nach Lösegeld für sich damit begründet, sie würden ja so miese Geschäfte machen in letzter Zeit. Sogar Verluste! Heulen und Wehklagen war überall zu vernehmen, von Vattenfall bis Eon.
Was interessant ist, denn über Jahrzehnte sollten dieselben Konzerne ja Geld zurücklegen. Dazu hatten die sich verpflichtet. Für hinterher, wenn man AKWe mal wieder abbauen muß. Was müssen die alle gelacht haben in den Vorstandssitzungen.
Doch dann stellte sich heraus, daß eben kein Geld zurückgelegt wurde, sondern diese Zahlungen eben „aus dem operativen Geschäft“ heraus geleistet werden sollten. Was völlig logisch ist, wenn man davon ausgeht, daß man seiner Verpflichtung nicht vor dem St. Nimmerleinstag nachkommen muß.
Da aber dieses Geschäft – leider, leider – just in dem Moment so furchtbar schlecht läuft, kann man seine Verpflichtungen nur erfüllen, wenn man das ganze pauschalisiert. Die Steuererleichterungen, die das Ansparen der zugesagten Summen ermöglichen sollten, hat man allerdings gern und ohne Diskussion genommen. Continue reading „Brandgeruch“

We never had Paris

Das kleine pelzige Alien, das auf dem Kopf – und offenbar auch im Kopf – von Donald Trump lebt und die USA regiert, hat es wieder getan: In tiefer Verzweiflung, das die Weltpresse seinen ab-so-lut grrrrrrrrroßartigen Besuch in Europa und beim G7-Gipfel nicht mit dem gebührenden Lob überschüttete und diese lächerlichen Rußland-Vorwürfe endlich mal ruhen ließ, hat das Trumpeltier das Pariser Klimaabkommen gekündigt.
Oder besser, es hat gesagt, es will einen besseren Deal haben. Das wäre dann in Trumps Welt eine Vereinbarung, in der die USA alles kriegen und alle anderen es bezahlen müssen. Und noch dafür dankbar sein, versteht sich.
Seitdem dieser Typ, für mich ja wenig überraschend, die Herrschaft über die bröckelnden Reste des amerikanischen Imperiums übernommen hat, sehe ich seinem Treiben zu. Mit einer Mischung, die irgendwo zwischen angeekelt und fasziniert liegt, versuche ich zu verstehen, welche Art dementen Wahnsinns das eigentlich ist, die sich da vor aller Augen im Oval Office covfefe.

Jetzt will er also das Klima nicht mehr retten, der Donald. Was ich wenig verwunderlich finde, hat er doch aus seiner geistigen Unfähigkeit keinerlei Hehl gemacht im Wahlkampf. Und außerdem liegt er mit seiner antiwissenschaftlichen Vollignoranz ja völlig auf der Linie der Partei, der er offiziell angehört und die sich immer mehr fragt, wie sie diesen Sith-Lord der Verblödung wieder loswerden könnte, ohne selbst dabei draufzugehen. Kassandra sagt: Vergeßt es, Jungs. Das wird nicht klappen.
Was bedeutet, der nächste Präsident könnte einer wie Mike Pence sein, der dann vermutlich direkt nach seinem Amtseid zu einem neuen Kreuzzug ins Heilige Land aufrufen würde. Was dann in der Besetzung Saudi-Arabiens endet oder so in der Art. Der Vizepräsident ist nämlich ein noch viel gefährlicherer Spinner als das Alien. Auch ein Typ wie Ted Cruz und andere christlich-fundamentalistische Vollspinner sind nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Ich bin also ausdrücklich dafür, den aktuellen Präsidenten weder zu erschießen noch per Impeachment aus dem Amt zu jagen. Die Alternativen sind einfach noch furchtbarer, selbst wenn man die eigene Vorstellungskraft dazu schon stark strapazieren muß.

Die Begründung des prototypischen Idioten ist ebenfalls sehr schön geeignet, diese Art des Nicht-Denkens zu illustrieren, die uns erst in die Situation gebracht hat, in der so etwas wie das Pariser Abkommen COP21 überhaupt notwendig geworden ist.
Donald Trump wirft unter anderem China und Indien vor, daß die ihre CO2-Emissionen weiterhin steigern dürften, die USA ihre aber senken müßten. Das sei „ein schlechter Deal und schlecht für Amerika“.
Das ein Land wie die USA diverse Jahrzehnte lang der einzige fette CO2-Verschmutzer gewesen ist und daher eben einiges an Vorsprung hat, was die emittierte Menge in Tonnen angeht, besonders pro Kopf der Bevölkerung, ist natürlich für jemanden wie Trump völlig unerheblich. Außerdem kommt in dem Satz nur einmal sein Name vor, deswegen liest er das vermutlich nicht, selbst wenn es ihm jemand aufschreiben würde. Wie – das wußte keiner? Continue reading „We never had Paris“

My hollow Trumparicans…

Gestern war es dann endgültig soweit: Aus dem President-Elect wurde nach Ablegen des Amtseids endgültig „Mr. President“. President Trump. Obwohl ich bereits ein gutes Jahr vor der Wahl vom Sieg dieses Mannes geschrieben und mich schon im Januar darauf festgelegt hatte, fühlt sich allein diese Wortkombination auf meiner Großhirnrinde irgendwie schleimig an. President Trump. Irgendwas ist doch hier völlig surreal.
Jetzt wird sich zeigen, ob die USA die von Gott so auserwählte Superdupernation des Planeten sind, für die sie sich in ihrem burgerbekifften Größenwahn immer halten. Sie wird allen göttlichen Beistand brauchen, den sie bekommen kann, diese Nation.

Wenn es an der Zeit wäre, mal einen fetten Blitz vom Himmel zu werfen, dann wäre dieser Moment die Vereidigung der kleinen, pelzigen Alienkreatur gewesen, die auf dem Kopf von Donald J. Trump wohnt und seinen Körper steuert. So eindeutig richtig kann ein Moment überhaupt nur einmal in der Geschichte des Universums sein. Außerdem hätte Gott® damit auch jegliche Zweifel an der eigenen Existenz beenden können – so ein spektakulärer Blitzschlag auf den Stufen des Kapitols hätte sich auf die Twitter-Follower des Herrn sicherlich durchaus positiv ausgewirkt, könnte ich mir so vorstellen.
Aber nein – kein Blitz. Nicht mal die Hand ist dem Kerl abgefault, als er auf die Verfassung der USA geschworen hat. Gut, das haben auch schon andere Typen hingekriegt, ohne sofort von Beulenpest befallen zu werden. Das mit dem Lügen ist ja keine Erfindung von Trump. Richard Nixon hat beispielsweise so viele Lügen gezüchtet, daß man sich wundern mußte, wie er da überhaupt den Überblick behalten konnte.

Jimmy Carter, der alte Erdnußfarmer, versprach seinen fellow Americans, er werde ihnen stets die Wahrheit sagen. Was er dann ab und zu auch gemacht hat. Zum Beispiel, als er Solarzellen auf das Weiße Haus nageln ließ und seine Nation darüber informierte, daß sie auf zu großem Fuß lebt. Was der Teil der Wahrheit war, den die Amis schon damals nicht hören wollten, weshalb Carter auch nach einer Amtszeit spontan nicht wiedergewählt wurde. Ich war ganz überrascht, den Mann gestern in der Übertragung der Inauguration in der Menge zu entdecken. Ich dachte, der wäre schon tot. Aber nein, Jimmy Carter ist 92. Das ist nah dran am tot sein, nehme ich an. Aber er ist noch da.

Das ist so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit, wie ich finde. Denn so konnte einer wie Carter sehen, was auch durch seine Schuld gestern passiert ist. Carter mag ab und an gelogen haben. Richard Nixon steht auf dieser Skala weit über ihm. Aber all das wird von Trump problemlos überboten, eindeutig.
Dieser Mann lügt und behauptet dann mit dem nächsten Tweet einfach das Gegenteil. Völlig unbelastet von Fakten oder ihm vorgehaltetenen digitalen und sonstigen Beweisen, die Donald J. Trump beim Erzählen von kackdreisten Lügen zeigen, streitet Donald J. Trump ab, den Kerl auf dem Youtube-Video überhaupt zu kennen.

Das Erschreckende daran ist: Es gibt Momente, in dem glaube ich ihm das sogar. Wie grenzenlos unbeschwert es sich doch regieren läßt als denkbefreite Zone, es muß herrlich sein.
Seit gestern ist die weltmachtigste Weltmacht des Planeten in den kleinen Händen eines Mannes, der Präsidentendekrete auf 140 Zeichen in den asozialen Medien eindampft. Im Grunde eine angemessene Form, die stinkenden Reste amerikanischer Demokratie offiziell zusammenzufegen und endgültig in den Treteimer der Geschichte zu befördern. Rott in Peace. Continue reading „My hollow Trumparicans…“

Bestimmung der Fallgeschwindigkeit

,,It’s the end of the world as we know it and I feel fine.“
R.E.M.

Großer Gott, was war das eine furchtbare Wahlnacht im November. Der Kandidat, von dem alle sich seit Monaten gefragt hatten, wie er überhaupt Kandidat für irgendwas werden konnte außer womöglich für Werbung für Zahnpasta oder Selbstbräuner, ging auf die Bühne, um seinen überwältigenden Wahlsieg gebührend zu feiern. Ausgerechnet dieser Typ, dem die meisten Kommentatoren jegliche Eignung für sein Amt abgesprochen hatten, stand als Sieger auf dem Treppchen des Präsidentenrennens.
Er hatte nicht gewonnen, weil er das bessere Programm hatte. Sein Sieg war vor allem auch Folge von sehr schwachem und wenig überzeugendem Auftreten seines Gegenspielers. Im Angebot des Gewinners befanden sich eigentlich nur Platitüden ohne Inhalt, reine Schlagworte. Irgendwas mit den Russen war gerne dabei. Und natürlich immer wieder dieses Gerede von Amerika als „großer Nation“, die unbedingt wieder ihrem Auftrag gerecht werden müsse, die freie Welt zu führen. Ob die freie Welt das will oder nicht, war dabei völlig egal. Und wohin genau man die führen solle, die freie Welt, das ließ der Kandidat auch offen und widersprach sich bei dieser Frage gerne selbst. Nach dem, was er so von sich gab, notfalls auch in den Abgrund.

Ein grinsender Schwachmat mit platten Sprüchen und eher mäßigem politischem Hintergrund hatte die Wahl gewonnen. Die Medien weltweit überschlugen sich vor Entsetzen. Wie hatte das nur passieren können? Dieser Mann sollte Amerika regieren? Und diese Frisur!
Niemand wußte, was sich daraus ergeben sollte. Auf keinen Fall etwas Gutes, denn der Kerl hatte einfach nichts drauf. Weder intelligent noch gebildet, im Grunde ein Typ vom Lande, der seine eigene Ignoranz gegenüber so ziemlich allem wie eine Monstranz vor sich her trug. Außerdem auch noch siebzig Jahre alt, nicht gerade ein junger und dynamischer Verwalter des einflußreichsten politischen Amtes des Planeten.
Ja, dieser 20. Januar 1980, an dem ein Mann namens Ronald Reagan seinen Amtseid ablegte auf den Stufen des Kapitols, war kein guter Tag für die weitere Entwicklung der Zivilisation.

Da sage noch einer, Geschichte wiederholt sich nicht. Wie bereits schon mehrfach festgestellt innerhalb dieser Blogzeilen: Doch, tut sie.
Ein Kreis ist ein nahezu perfektes Symbol für die Gesamtheit der menschlichen Historie. Oder eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt, die Welt umgibt und sie somit zusammenhält.

Menschen sind gefangen in Narrativen. In Geschichten, die sie sich darüber erzählen, wie die Welt beschaffen ist. Wobei sie in Wahrheit sehr oft Geschichten darüber erzählen, wie die Welt beschaffen sein sollte, was einen Unterschied ausmacht.
Das ist die Art und Weise, wie Mensch die Welt begreift. Ihr Sinn verleiht, den sie oft im flüchtigen Hinsehen nicht zu haben scheint. Im Grunde genommen besteht menschliche Zivilisation aus Geschichten.
Das Narrativ von Fortschritt und Innovation hatte ich bereits ausführlich erwähnt. Dieses realitätsresistente Beharren auf der Überzeugung, daß irgendein sogenannter Fortschritt erstens ewig ist und zweitens immer Ergebnisse hervorbringt – und natürlich hervorbringen wird – die ausschließlich zu einer Verbesserung unserer Lebensumstände führen.
Unsere Eigenart, immer wieder von „Technologie“ zu reden, obwohl wir doch so etwas gar nicht besitzen. Wir sind Bewohner der Technosphäre. Wir sind Einwohner von Mythopolis. Kein technologisch wirklich nützliches Dingsbums steht ohne ein Fundament aus anderen Dingen einfach so im Raum herum. Überall greifen Dinge ineinander, wie Zahnräder einer großen Maschine.
Ein Mann namens Lewis Mumford hat einmal ein Buch darüber geschrieben. Es heißt Mythos der Maschine. Das, was ich die Technosphäre getauft habe, und das, wovon diese wiederum nur ein Teil ist, nämlich unsere industrielle Zivilisation, hat Mumford in seinem Buch die Megamaschine genannt. Continue reading „Bestimmung der Fallgeschwindigkeit“